Überwintern statt Fortziehen: Tausende Kraniche

19.01.2022 In diesem Jahr überwintern tausende Kraniche an ihrem Rastplatz am Stausee Berga-Kelbra. Offenbar verleitet der Klimawandel die Tiere dazu. Ohne Risiko ist das nicht für die Vögel.

Kraniche am Stausee Berga-Kelbra mit der Kirche von Auleben im Hintergrund. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eigentlich ist der Kranich ein Zugvogel. Aber in diesem Jahr ist es anders. «Rund um den Stausee Berga-Kelbra (Landkreis Mansfeld-Südharz) gibt es Mitte Januar immer noch 5000 bis 10.000 Kraniche», sagte Axel Schonert von der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz der Deutschen Presse-Agentur. «Diese enorme Zahl ist in diesem Jahr wirklich auffällig. Das sind die Auswirkungen des Klimawandels. Der Winter scheucht die Tiere nicht mehr weg.»

Die Brutpaarbestände steigen in Sachsen-Anhalt als auch deutschlandweit. Von den rund 10.000 Brutpaaren in ganz Deutschland, brüten derzeit in Sachsen-Anhalt 855 Paare, im Jahr 2013 waren es etwa 300 Brutpaare. Kraniche waren über Jahrzehnte in der mitteldeutschen Landschaft verschwunden und brüten erst wieder seit Ende der siebziger Jahre in Sachsen-Anhalt. Mittlerweile wurden auch in den Höhenlagen des Harzes drei Brutpaare gesichtet. «Aber die Zahl der Jungvögel, die es schaffen flügge zu werden, sinkt seit Jahren», sagte Schonert.

Nach Angaben von Schonert haben im Januar etliche Kraniche auch schon ihr Brutrevier bezogen und sich damit die besten Plätze gesichert. «Sie legen zwar noch keine Eier, aber sie verteidigen ihr Revier gegen andere Vögel», sagte der Vogelkundler. Normalerweise brüten Kraniche ab März.

«Sollte es aber einen Wintereinbruch geben, bekommen diese Vögel Probleme. Sie müssen entscheiden, lohnt es sich, diesen Wintereinbruch abzuwarten oder kurzfristig eine kräftezehrende Winterflucht nach Frankreich zu unternehmen «Das sind über 600 Kilometer, die sie dann in einem Ruck fliegen müssen», sagte Schonert.

«Nur weil die Vögel jetzt nicht mehr so weit ziehen, kann man nicht automatisch schließen, dass es ihnen insgesamt besser geht», sagte der Ornithologe. Der milde Winter mit verringertem Zugverhalten ist nur ein Faktor zur Erhaltung der Population der Kraniche. Für die Aufzucht der Jungen wird tierisches Eiweiß benötigt. «Jungkraniche werden mit Insekten gefüttert, aber es herrscht Insektensterben», sagte Schonert. Zudem habe die Dürre in den vergangenen Jahren viele Brutgewässer austrocknen lassen. «Dann kommt eben der Fuchs und frisst Jungvögel, wenn die sich nicht im Flachwasser verstecken können», erklärte der Experte.

© dpa-infocom GmbH

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