Sturm fegt: Radfahrer von Baumkrone getroffen

21.10.2021 Heftige Sturmböen wüten in Sachsen-Anhalt. Besonders im Harz wird eine Schneise der Zerstörung sichtbar, doch auch anderswo hinterlässt das Unwetter Spuren. Menschen werden von Baumteilen getroffen und in Autos eingeklemmt.

Regentropfen auf der Windschutzscheibe eines Autos sind vor der Wetterstation auf dem Brocken zu sehen. Foto: Ole Spata/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Heftige Sturmböen sind am Donnerstag durch Sachsen-Anhalt gezogen und haben teilweise erhebliche Schäden angerichtet. Der erste Herbststurm habe insbesondere im Harz gewütet, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Auf dem Brocken seien Windgeschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde gemessen worden. Für einige Stunden fiel dort sogar das Messgerät aus, so dass der Wind nach DWD-Angaben vermutlich noch stärker gewesen sein dürfte. Der höchste Berg des Harzes zeigte sich wie leer gefegt.

Zur Mittagszeit wurden in den tieferen Lagen laut DWD Windböen mit bis zu 100 Kilometer pro Stunde registriert. Bäume knickten ab und fielen auf Straßen und Autos. In Wittenberg und in Kemberg im Landkreis Wittenberg blies der Wind Dachziegel von Häusern, wie die Polizei mitteilte. An der südlichen Grenze des Landkreises Wittenberg wurde ein Radfahrer von einer herabstürzenden Baumkrone verletzt und musste stationär behandelt werden. Bei Harzgerode wurde ein Mensch in seinem Auto durch einen umgestürzten Baum eingeklemmt und anschließend in eine Klinik gebracht. Ähnliches geschah einem 59-jährigen Autofahrer in Elend (Harz).

Umgestürzte Bäume und herabfallende Äste beschädigten Stromleitungen und sorgten so für einen Stromausfall. Etwa 55 000 Kunden seien in der Spitze ohne Strom gewesen, teilte die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom am Abend mit. Der Ausfall habe Teile Brandenburgs, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens betroffen. Am Abend waren demnach noch 7000 Kunden ohne Strom. Zeitweise wurde der Regionalbahnverkehr wegen des Sturms in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen eingestellt. Am Nachmittag rollten die Züge aber wieder.

In Halle und Magdeburg meldete die Polizei mehrere von herabfallenden Ästen und umgestürzten Bäumen beschädigte Fahrzeuge. In ganz Sachsen-Anhalt gab es immer wieder Zusammenstöße von fahrenden Autos mit umgestürzten Bäumen. Auf der Autobahn 14 bei Halle-Trotha Richtung Süden und auf der Autobahn 9 bei Brehna kippte jeweils ein Lastwagen um und blieb quer auf der Fahrbahn liegen. Es kam zu Sperrungen.

Im Harz zählte die Einsatzleitstelle bis 13.00 Uhr bereits 72 Einsätze - überwiegend unter dem Stichwort «Baum auf Straße». Der Kreis Mansfeld-Südharz berichtete zum selben Zeitpunkt bereits über rund 60 Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr. In Halle und im nördlichen Umland gab es bis 17.00 Uhr insgesamt 216 Einsätze der Feuerwehren, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. An der eigens eingerichteten Sturm-Hotline von Halle wurden rund 90 Anrufe entgegengenommen.

Die Harzer Schmalspurbahnen hatten den Verkehr auf der Brockenstrecke zwischen Schierke und dem Brocken bereits am Mittwochnachmittag eingestellt. Der letzte Dampfzug verließ den Gipfel gegen 14.00 Uhr. Am Donnerstag stand der Zugverkehr auf dem Abschnitt Schierke - Brocken komplett still.

Ebenso blieben die Zoos in Halle und Magdeburg am Donnerstag geschlossen. Die Sicherheit für Besucher und Tiere habe die höchste Priorität, begründete der Geschäftsführer des Magdeburger Zoos, Dirk Wilke, die Maßnahme.

Die Böen seien bisher weit entfernt von Rekord-Windgeschwindigkeiten, sagte ein DWD-Sprecher. Am Donnerstagnachmittag sollte sich das Wetter etwas beruhigen, für den Abend waren dann erneut kräftige Böen am Rand einer Kaltfront angekündigt. Der Freitag bringe erneut starke Böen bei deutlich schwächeren Windstärken, prognostizierte der Sprecher.

© dpa-infocom GmbH

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