Ermittlungen gegen Raser auf A2: Diskussion um Tempolimit

24.01.2022 Mit über 400 Stundenkilometern rast ein Millionär über die Autobahn in Sachsen-Anhalt. Angesichts des riskanten Manövers werden die Rufe nach einem Tempolimit wieder laut. Und die Polizei ermittelt.

Ein Fahrzeug braust in der Dunkelheit über eine Autobahn. Foto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Polizei hat Ermittlungen gegen einen Raser eingeleitet, der mit bis zu 417 Stundenkilometern auf der Autobahn 2 unterwegs gewesen ist und ein Video davon ins Netz gestellt hat. Nach intensiven Prüfungen über das Wochenende werde gegen den Fahrer nun wegen eines illegalen Straßenrennens ermittelt, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag. Zur rechtlichen Würdigung werde dies nun an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.

Das Video zeigt, wie ein Sportwagen mit bis zu 417 Stundenkilometern über die A2 schießt. Dieses Verhalten sei nicht zu verantworten, sagte die Polizeisprecherin. Es wurde Anfang des Jahres auf dem Youtube-Kanal eines tschechischen Millionärs veröffentlicht. Demnach sollen die Aufnahmen aber bereits aus dem vergangenen Juli stammen. Auf dem im Video gezeigten Streckenabschnitt zwischen Berlin und Hannover gilt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Angesichts des hohen Risikos der Fahrt rückt die Frage nach einem Tempolimit wieder stärker in den Fokus. Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) steht einer generellen Begrenzung nach wie vor eher skeptisch gegenüber. Tempolimits seien dort angebracht, wo sie die Verkehrssicherheit erhöhen, also insbesondere an unübersichtlichen Streckenabschnitten, an Unfallschwerpunkten und bei entsprechenden Verkehrsbedingungen. Es liege aber auch in der Verantwortung jedes Einzelnen, mit der Freiheit verantwortungsvoll umzugehen. «Im vorliegenden Fall darf man daran Zweifel haben», so Hüskens.

Die Grünen und die Linke wiederholten in dem Zusammenhang ihre Forderung nach einer Begrenzung. Cornelia Lüddemann, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag und Sprecherin für Mobilität, sagte: «Deutschland macht sich durch seine lasche Gesetzgebung zum Eldorado der Raser. Das ist unverantwortlich und in höchstem Maße sicherheitsgefährdend.»

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Eva von Angern, sagte: «Wenn ich höre, dass jemand mit über 400 km/h über die Autobahn gerast ist, gruselt es mich total.» Es gebe schon genug schlimme Unfälle auf den Straßen, viel zu viele gar mit Todesfolge durch unnützes Rasen. Um Menschen und Klima nachhaltig zu schützen, brauche es dringend Tempolimits auf Autobahnen.

Aus Sicht des verkehrspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Detlef Gürth, ist es jedoch ein Irrglaube, dass eine Beschränkung der Maximalgeschwindigkeit auf den Autobahnen solch unverantwortliches Verhalten verhindert. Schon jetzt bestehe auf allen Kreis- und Landesstraßen und auf 30 Prozent der Autobahnen ein Tempolimit. «Leider kommt es auch immer wieder auf regulierten Abschnitten unserer Straßen zu Fehlverhalten und dem typischen Rasen», so Gürth weiter. Er appellierte stattdessen an die Bürgerinnen und Bürger, gegenseitig Rücksicht zu nehmen.

Erst vergangene Woche hatte auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) seine ablehnende Haltung gegenüber einem generellen Tempolimit bekräftigt. Auf Verlangen der FDP hatte sich die Ampel-Koalition gegen ein solches Limit ausgesprochen. Den Vorfall auf der A2 sieht das Bundesministerium aber kritisch. Jegliches Verhalten im Straßenverkehr, das zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern führe oder führen könne, werde abgelehnt, sagte eine Sprecherin. Sie verwies auf die Straßenverkehrsordnung. «Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird», heißt es darin.

© dpa-infocom GmbH

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