Agrar-Bilanz: Bessere Ernten, aber Probleme für Tierhalter

14.12.2021 Die Rübenkampagne läuft noch - ansonsten ist es Zeit, Bilanz zu ziehen über das Agrar-Jahr 2021. Während das Wetter für sehr unterschiedliche Ernten sorgte, bleiben Schädlinge stetige Begleiter der Landwirte. Tierhalter leiden unter niedrigen Preisen.

Geerntete Zuckerrüben liegen auf einem Feld. Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsen-Anhalts Bauern blicken auf ein regional sehr unterschiedliches Jahr zurück. «Wir haben ein Jahr erlebt mit viel Auf und Ab sowohl bei den Sonnenstunden als auch bei den Niederschlägen. Regen und Sonne haben sich regional sehr unterschiedlich verteilt», sagte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Sven Borchert. Die Ernte sei dementsprechend sehr unterschiedlich ausgefallen.

Einzig bei den Herbstkulturen zeigt sich laut Landesbauernverband ein sehr ausgeglichenes Bild. «Der Mais wuchs landesweit recht ordentlich», erklärte Borchert, «bei den Rüben haben wir an regenreichen Standorten sehr große Mengen gerodet. An den weniger regenreichen gab es etwas weniger Rüben, dafür aber einen hohen Zuckergehalt».

Die drei Zuckerfabriken hätten dementsprechend gut zu tun. Die Betriebe hätten sogar Probleme, die vielen Rüben vom Acker abzutransportieren. «Bei uns in Groß Germersleben werden Stand jetzt erst Mitte Januar die letzten Rüben abgeholt. In einigen Landesteilen wird man noch bis Ende Februar Rüben auf den Feldern sehen», sagte Borchert, der Geschäftsführer eines Ackerbaubetriebes ist. Die Zuckerkampagne sei deshalb verlängert worden.

Sorgen macht den Landwirten der Rapserdfloh. Da kein gebeiztes Saatgut mehr verwendet werden darf, konnte sich der Schädling gut entwickeln. In einigen Betrieben musste der Raps mehrfach umgebrochen und neu ausgesät werden, weil der Rapserdfloh innerhalb von wenigen Tagen die gesamten Bestände aufgefressen hatte. Mit den eingesetzten Insektiziden konnte die Population nur bedingt eingedämmt werden, wie Borchert weiter erklärte. Die Pflanzenschutzmittel seien außerdem auch für nützliche Insekten tödlich, gibt Borchert zu bedenken.

Auch die Feldmauspopulation sei unvermindert hoch, so dass derzeit Gift ausgelegt werden müsse. Die Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft Groß Germersleben hatte versuchsweise einen Schlag Raps angelegt, auf dem sich die Mäuse ungehindert vermehren konnten. Das Ergebnis zeigt die Dramatik des Feldmausbefalls: Die Nager kosteten die Hälfte der Ernte.

Absatzprobleme gab es im zweiten Jahr in Folge bei Kartoffeln. «Wir merken einfach, dass es keine Großveranstaltungen gab und die Fußballstadien zu waren», bilanzierte Borchert. «Es wurden weniger Pommes Frites verkauft. Lediglich der Verkauf in einigen Stores hat uns gerettet. Aber der Absatz von Kartoffeln für Pommes Frites bleibt in Zeiten von Corona schwierig.»

Ein ganz schwieriges Jahr haben die Tierhalter hinter sich. Zwar sei der Milchpreis auf 37 bis 38 Cent gestiegen, aber auch der ist Borchert zufolge nicht auskömmlich. Ob Futter, Energie oder Kosten für Arbeitskräfte - überall seien deutliche Preissprünge nach oben zu verzeichnen. Als regelrecht desaströs bezeichnet der Vizepräsident die Bedingungen für die Schweinebauern, denen wegen der Afrikanischen Schweinepest der Absatz nach China weggebrochen sei. «Wenn eine Sau 12 Ferkel bekommt, dann hat der Betrieb gleich 300 Euro Verlust gemacht», resümierte er. Etliche Tierhalter hätten bereits aufgegeben.

Von steigenden Preisen sind auch die Ackerbauern betroffen. Sie erleben derzeit eine Explosion des Preises für Dünger. Gegenüber dem Frühjahr sind die Preise auf das Vierfache gestiegen. Die Ursache sieht der Landesbauernverband in gestiegenen Gaspreisen. In Europa werde deutlich weniger Dünger produziert, was zu einer Verknappung und Verteuerung geführt habe.

© dpa-infocom GmbH

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