2021 weniger Anträge auf Einsicht in Stasi-Akten

19.01.2022 Ob aus persönlichem Interesse, zu Rehabilitations- oder Forschungszwecken, der Blick in die Stasi-Akten bleibt für viele Menschen wichtig. In der Pandemie sind die Zahlen stark gesunken.

Akten liegen beim Tag des offenen Denkmals in der ehemaligen Stasi-Zentrale im Stasi-Unterlagenarchiv. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Sachsen-Anhalt sind im vergangenen Jahr erstmals weniger als 3000 Anträge auf Einsicht in Stasi-Akten gestellt worden. In der Summe sind 2869 Anträge eingegangen nach 4446 im Jahr 2020, erklärte Sachsen-Anhalts Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker. Im Jahr 2019, 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution, hatte die Zahl bei 7057 gelegen. Es handelt sich um Zahlen des Bundesarchivs, zu dem das Stasi-Unterlagen-Archiv seit dem Vorjahr gehört. Neumann-Becker sieht die Corona-Pandemie als einen der Einflussfaktoren für den deutlichen Rückgang.

Sie sieht vor allem bei Anträgen im Zusammenhang mit Rehabilitierungen von SED-Opfern einen großen Nachholebedarf. «Mehrere Tausend Menschen könnten eine Opferrente beantragen», sagte Neumann-Becker. Es sei ein Dilemma, dass auf die 2019 erweiterten Möglichkeiten die Corona-Pandemie folgte und Beratungsmöglichkeiten wegfielen.

Für 2022 sei ein Flyer in einfacher Sprache geplant, um möglichst viele Betroffene, aber auch Mitarbeiter in Behörden oder Beratungsstellen zu erreichen. Neumann-Becker geht davon aus, dass viele Menschen das Thema wegschieben, bis sie den Rentenantrag stellen und die Kontenklärung ansteht.

Seit 2019 gibt es etwa erweiterte Möglichkeiten, Geld für zu Unrecht erlittene Haft zu bekommen. Eine Opferpension von monatlich 330 Euro wird auch für Frauen und Männer gezahlt werden, die 90 Tage in Haft waren und nicht erst ab 180 Tagen. Dazu und zu weiteren Themen berät Neumann-Becker bei regelmäßigen Sprechtagen an unterschiedlichen Orten im Land oder auch telefonisch, für die eine Anmeldung nötig ist. Für den Sommer werden auch wieder offene Beratungstage angepeilt.

Die Aufarbeitungsbeauftragte hält zudem einen leichteren Zugang zu Stasi-Akten für nötig, wenn es um Auskünfte zu verstorbenen Angehörigen geht. Dort gebe es deutliche Hürden. So müssten Antragsteller konkrete Fragen stellen, um eine Auskunft zu erhalten. Vielfach fehle aber das Vorwissen, um die Fragen formulieren zu können. Zudem seien die Bearbeitungszeiten mit rund zweieinhalb Jahren lang. Viele Menschen wollten eine schnellere Auskunft zu Fragen, die sie jetzt beschäftigten.

© dpa-infocom GmbH

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