Semperoper bringt Stoff aus Alten Testament auf die Bühne

21.01.2022 Liebe, Hass, Verrat, Verlust: Die Semperoper in Dresden bringt am Samstag mit der Oper «Die andere Frau» einen biblischen Stoff zur Uraufführung. Torsten Rasch hat die Geschichte von Abraham und Sara aus dem Alten Testament für ein Musiktheater in zehn Szenen vertont. Die Premiere sei ausverkauft, teilte die Semperoper am Freitag mit. Wegen der Pandemie kann nur eine begrenzte Zahl von Zuschauern Einlass finden. Für die erkrankte Sopranistin Evelyn Herlitzius übernahm kurzfristig Magdalena Anna Hofmann die Partie der Sara. Als Abraham ist Markus Marquardt zu erleben, als Sklavin Hagar Stephanie Atanasov. Regie führt Immo Karaman, die musikalische Leitung hat Michael Wendeberg.

Menschenleer ist am Abend der Theaterplatz vor der Semperoper und dem Reiterstandbild von König Johann. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das knapp zweistündige Auftragswerk der Semperoper sollte schon im Sommer 2020 herauskommen, fiel aber wie andere Produktionen zunächst Corona zum Opfer. Schriftsteller Helmut Krausser schrieb das Libretto und übersetzte die Geschichte über den Stammvater dreier Religionen in eine moderne Sprache. Das Element der Flucht Abrahams nimmt einen zentralen Raum ein und verknüpft das biblische Geschehen mit einem aktuellen Thema. Die Bühne wird auf einen Steg verengt, auf dem Abrahams Sippe auf einen mit Schuhen gepflasterten Weg wandert. Das Publikum sitzt auf der Bühne und schaut in den Saal. Dort dienen die Ränge als Projektionsfläche für den Videokünstler László Bordos.

Mit Torsten Rasch, Jahrgang 1965, hat die Semperoper einen gebürtigen Dresdner mit der Komposition beauftragt. Rasch ist schon lange ein Weltbürger: Nach dem Studium ging er nach Japan und komponierte dort vor allem Filmmusiken. 2008 hatte seine erste Oper («Rotter») Uraufführung in Köln, zwei Jahre später kam «Die Herzogin von Malfi» an der English National Opera in London heraus. Dass Rasch gern genreübergreifend arbeitet, beweist er jetzt auch in Dresden: Hier lässt er die iranisch-amerikanische Sängerin und Performance- Künstlerin Sussan Deyhim zwischen den Szenen improvisieren - mit uralten sumerischen Klagegesängen.

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