Pyrotechnik und Schafsköpfe vor Linke-Wahlkreisbüro

17.12.2021 Erst der Angriff auf eine Leipziger Moschee, nun wurde Pyrotechnik vor einem Linken-Büro gezündet. Die Taten stehen nach ersten Anzeichen in einem Zusammenhang.

Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor dem Büro der Leipziger Linke-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel haben Unbekannte am Donnerstagabend Pyrotechnik gezündet und zwei abgetrennte Schafsköpfe platziert. Zudem habe ein Schreiben mit Hinweisen auf Nagels Äußerungen nach Beschädigungen an einer Leipziger Moschee vor dem Büro gelegen, teilte die Polizei am Freitagmorgen mit. Der polizeiliche Staatsschutz ermittele, weil ein politisches Motiv nicht auszuschließen sei. Das Büro, das den Namen linXXnet Leipzig trägt, ist auch Wahlkreisbüro von weiteren Bundes- und Landtagsabgeordneten der Linke-Partei. Beschädigt wurde beim Zünden der Pyrotechnik vor dem Büro laut Polizei nichts.

Am Montagabend waren mehrere Fenster einer Leipziger Ditib-Moschee beschädigt worden. Ein Polizeisprecher hatte in der Nacht zum Dienstag gesagt, die Moschee sei im Zusammenhang mit einem Aufzug von etwa 100 vermummten Menschen beschädigt worden, die die Polizei als linksmotivierte Gruppe einordne. Diese Angaben bestätigte eine Sprecherin am Dienstag nicht. Ob eine politische Motivation für die Ausschreitungen vor der Moschee vorliege, werde noch geprüft, hieß es am Freitagmittag von der Polizei.

Es sei nicht auszuschließen, dass das Gebäude angegriffen wurde, weil es eine Ditib-Moschee sei, teilte die Polizei am Freitag mit. Hinweise auf einen gezielten und «ausschließlichen» Angriff auf das Gotteshaus liegen den Angaben zufolge nicht vor, weil über eine längere Strecke heraus Beschädigungen begangen worden seien.

Nagel sagte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur, es habe danach im Internet Schuldzuweisungen gegen sie und ihr Büro gegeben. Ihren Angaben zufolge habe ihre Stellungnahme dazu sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Neben viel Zustimmung habe es sowohl Kritik von Ditib-Unterstützern gegeben, als auch von Linken, die die Nähe des Moscheeverbandes Ditib zum türkischen Staat kritisieren. Nagel hatte auf Twitter geschrieben: «Anschläge auf Moscheen in Deutschland, gar in Sachsen? Geht gar nicht». Es brauche den Gesprächsfaden auch zu Ditib, Unterstützung von Reformbestrebungen und den Zugang zu Moscheegängerinnen und -gängern.

Nach Nagels Angaben seien jüngst drei junge Männer in ihrem Büro erschienen. Sie hätten gedroht, «dass etwas passiert, wenn wir uns nicht eindeutig positionieren zu dem Anschlag auf die Ditib-Moschee», sagte Nagel. Daher sei der Angriff auf ihr Büro als «Vergeltungsschlag» zu lesen, der jedoch fehllaufe. Sie wolle mit der Gemeinde in Kontakt treten und rief die linke Szene im Leipziger Osten auf, das Gespräch zu suchen und Spenden zu sammeln. «Wir lehnen solche Anschläge auf Gebetshäuser insbesondere von Muslimen, von migrantischen Menschen hier in Leipzig, in Sachsen ab», so Nagel.

Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen (DSM) verurteilte beide Vorfälle. «Der Angriff auf Stätten der Andacht und des Gebets kann in einer offenen Demokratie, in der Religionsfreiheit eines der höchsten Güter ist, nur mit Null-Toleranz begegnet werden», sagte der Vorsitzende Kanwal Sethi laut Mitteilung. Es gebe keine Motive und Beweggründe, mit denen man einen Angriff auf ein Gotteshaus erläutern könne. Gleichzeitig verurteile der DSM den Vorfall vor dem Abgeordnetenbüro. Die Polizei müsse konsequente Aufklärung leisten.

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