Museumsdirektorin: Benin-Bronzen inspirierten Künstler

26.10.2021 In Depots der Völkerkundemuseen Dresden und Leipzig befinden sich gut 200 der in der Kolonialzeit geraubten Benin-Bronzen. Auch Mitglieder der Dresdner Künstlergruppe Brücke haben sie gesehen - und wurden inspiriert.

Bronze-Skulpuren aus dem historischen Köngreich Benin aus der Zeit vor 1897. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen (SES) in Sachsen haben im Zusammenhang mit der Rückgabe der als koloniales Raubgut geltenden Benin-Bronzen Interesse an einigen Objekten, die mit Dresden und der europäischen Kunstgeschichte verbunden sind. Direktorin Léontine Meijer-van Mensch hält es für möglich, dass die nigerianischen Kollegen «gern Objekte als Botschafter in Europa hätten». Denkbar sei aber auch ein Austausch von Objekten, «wenn Stücke etwa für die Geschichte unserer beiden Häuser oder die Kunstgeschichte Europas wichtig waren», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

So ließen sich Mitglieder der 1905 in Dresden gegründeten expressionistischen Künstlergruppe Brücke, darunter Emil Nolde, von den Bronzen inspirieren. «Die Brücke-Künstler haben die Benin-Stücke damals im Zwinger gesehen und das skulptural, aber vor allem auch malerisch verarbeitet», erzählte Meijer-van Mensch. Diese Werke seien ausgestellt worden, sehr viele Gemälde aber durch die Nazi-Aktion «Entartete Kunst» verloren gegangen.

Mit 263 Objekten haben die SES den nach Berlin zweitgrößten Bestand an Kunstwerken, die auf die britischen Plünderungen 1897 im damaligen Königreich Benin zurückgehen. Die Stücke kamen auf unterschiedlichem Weg in die Völkerkundemuseen. Dazu gehören Bronzefiguren, Köpfe von Königen und Tieren. «Wir haben einen sehr schönen und bekannten Leoparden», sagte die Museumschefin. Auch Reliefplatten seien darunter, Elfenbein und kleinere Objekte wie Armbänder, «also querbeet». Bis die Eigentümerschaft geklärt ist, bleibt alles im Depot. Abgesehen davon gehe es um den ethischen Aspekt. «Was bedeutet es für gemeinsame Präsentationen, Forschung, Arbeit, wenn das Eigentum woanders ist?»

Meijer-van Mensch plädiert für eine Denkpause, um zu ergründen, was eine angemessene Form des Miteinanders sein kann, mit Kollegen und Akteuren aus Nigeria, der Botschaft und darüber hinaus. «Dazu geben wir die Deutungshoheit für mehr Pluralität ab.» Die Debatte brauche Multiperspektivität und Transparenz, und dass erklärt wird, «wie die Sachen ins Museum kamen». Die Wege der Stücke sollen auch losgelöst von der Rückgabe-Frage beleuchtet und in der neuen Dauerausstellung im Leipziger Grassi Museum für Völkerkunde gezeigt werden - dazu gehöre auch das national und international verflochtene Sammlermilieu. In Leipzig waren die Verleger-Brüder Hans und Hermann Meyer wichtig, in Dresden der Forschungsreisende Arthur Baessler.

Im Frühjahr 2022 sollen die nigerianischen Kollegen kommen und entscheiden, «was sie zurück haben wollen, was möglicherweise bleiben kann oder später geht», sagte Meijer-van Mensch. Und da werde die Frage von Leihgaben eine Rolle spielen. Sie kann sich vorstellen, abgesehen von den Brücke-Stücken, auch über Dopplungen oder mehrere ähnliche Stücken zu reden. «Wir bekennen uns zu Raub und Rückgabe und machen erstmal die Tür ganz weit transparent auf», sagte sie. «Und wenn die Eigentümerschaft geklärt ist, dann können wir Dinge auch wieder zeigen, im richtigen Kontext.»

© dpa-infocom GmbH

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