Fachkräftemangel trifft Orgelbauer von Eule in Bautzen

26.01.2022 Der Fachkräftemangel ist für die Hermann Eule Orgelbau GmbH in Bautzen im 150. Jahr ihres Bestehens die größte Herausforderung. Die Abwanderung «hat uns in den letzten drei Jahren schmerzhaft getroffen», sagte Geschäftsführerin Anne-Christin Eule, Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers, am Mittwoch zum Jubiläum. «Junge Leute, die wir ausgebildet und die Erfahrung haben, orientieren sich beruflich um oder gründen eine Familie und verlassen die Region.»

Mitarbeiter der Firma Hermann Eule Orgelbau Bautzen arbeiten in der Werkstatt an einer Orgel. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Inzwischen sucht Eule, eine der größten Orgelbaufirmen in Deutschland, Mitarbeiter europaweit und die Belegschaft ist international. «Wir müssen Sprachbarrieren überwinden», sagte Eule. Unter den mehr als 40 Beschäftigten seien zudem Quereinsteiger - Schlosser, Zahntechniker, Feinmechaniker, Werkzeugmacher oder Tischler.

Pro Jahr werden in dem 1872 gegründeten Traditionsunternehmen 30 bis 40 Register gebaut, die Orgeln haben High Tech inklusive, wie eine gemeinsam mit der Fachhochschule Mittweida entwickelte elektronische Ansteuerung der Magnetventile über die Tastatur, mit der einzelne Register zugeschaltet werden können. «Orgelbau im 21. Jahrhundert muss innovativ sein, denn auch die Organisten gehen mit der Zeit.» Mit der Hochschule Eberswalde (Brandenburg) werde etwa erforscht, Kiefer so zu modifizieren, dass das Holz adäquat statt Fichte für den Pfeifenbau verwandt werden kann - Hintergrund ist der Borkenkäferbefall der Fichtenbestände.

Aktuell sind die Auftragsbücher voll. «Wir können in den nächsten beiden Jahren nichts mehr annehmen», sagte Eule. Seit der Gründung des Traditionsunternehmens 1872 entstanden über 700 Orgel-Neubauten - von der tragbaren Kleinstorgel mit einem Register bis zu 103 Registern in der Leipziger Nikolaikirche. Eule-Orgeln befinden sich auch in der Musikschule in Xi'an (China) oder im Dom von Bodø (Norwegen) nördlich des Polarkreises. Zudem wurden bisher mehr als 100 Instrumente restauriert. «Normalerweise bauen wir pro Jahr 30 bis 40 Register», sagte Eule. Wegen der allgemeinen Lieferengpässe bei Chips fehlen derzeit aber Platinen für das Steuerungssystem.

© dpa-infocom GmbH

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