Aue überrascht St. Pauli: Drei Minuten fehlen am Sieg

15.01.2022 Die Vorbereitung des FC Erzgebirge Aue auf die entscheidende zweite Meisterschaftshälfte war alles andere als gelungen. Um so mehr erstaunt der Auftritt beim FC St. Pauli. Auch wenn lange noch nicht alles perfekt läuft, macht er Hoffnung.

Aues Ben Zolinski (l) und St. Paulis Jackson Irvine im Kampf um den Ball. Foto: Marcus Brandt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Drei Minuten fehlen dem FC Erzgebirge Aue zur großen Überraschung. Beim 2:2 (1:1) beim Spitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga im ersten Spiel nach der Winterpause machte Etienne Amenyido in der dritten Minute der Nachspielzeit mit seinem Ausgleich die Hoffnungen der Sachsen auf einen Auswärtssieg zunichte. Zuvor hatten sich die Erzgebirger richtig abgezockt gezeigt. Mit wenigen Möglichkeiten gingen sie durch Ben Zolinski (17.) und Nikola Trujic (72.) zweimal in Front. Der Spitzenreiter glich durch Jakov Medic (30.) und eben Amenyido vor 1724 Zuschauern am Millerntor aus.

«Die Mannschaft lebt, das hat man heute gesehen. Auch, dass die Mannschaft taktisch hervorragend und diszipliniert agieren kann. Für uns ist das ein sehr guter Beginn für eine intensive Aufholjagd», sagte Teamchef Marc Hensel in der ARD. Der ehemalige St. Paulianer Sören Gonther ergänzte: «Wir wollten die Führung über die Zeit bringen, das ist legitim. Was wir als Tabellenvorletzter bringen müssen, haben wir gebracht. Nach dem Spielverlauf ist es sicher ärgerlich, dass wir nicht gewonnen haben.»

Hensel begann mit einer Mannschaft, die so noch nie zusammengespielt hat. Nicht nur Neuzugang Prince Owusu, der am Donnerstag erst vom SC Paderborn verpflichtet worden war, stand in der Startelf. Clemens Fandrich kehrte nach seiner Sieben-Spiele-Sperre zurück ins Team, ebenso wie Malcolm Cacutalua. Der 27-Jährige hatte sich im Oktober 2020 schwer am Knie verletzt und feierte auf St. Pauli nun wieder seinen ersten Pflichtspieleinsatz. Nichtsdestotrotz fehlten den Veilchen sieben verletzte Spieler, die durchaus auch zum Stammpersonal gehören könnten.

Aue musste sich erst finden und überließ den Hanseaten die Initiative. Bis auf eine Chance, die der zurückgeeilte Zolinski gegen Jackson Irvine stark vereitelte, ließ Aue nicht viel zu. Und Zolinski wurde für seine Aktion gleich belohnt. Owusu bediente den Angreifer, der keine Mühe hatte, zur Führung zu vollenden. Und das mit dem ersten Angriff der Sachsen überhaupt in dieser Partie.

Der Treffer verlieh den Auern zunächst Sicherheit. Auch, weil der Spitzenreiter in seinem Angriffsspiel ideenlos wirkte und die Fünfer-Abwehrkette der Sachsen nur selten überlisten konnte. Erst nach einer halben Stunde gelang das per Standard, als Medic Cacutalua entwischte und per Kopf den Ausgleich markierte. Danach stand Aues Torhüter Martin Männel noch mehrfach im Blickpunkt, zeigte dabei aber stets seine Klasse.

Nachdem St. Pauli zu Beginn der zweiten Halbzeit vehement auf die Führung gedrückt hatte, erlebten die Hamburger in der 56. und 58. Minute zwei Schreckmomente. Und beide Male vergab Owusu die große Gelegenheit, um Aue wieder in Font zu schießen. Beim ersten Mal schlug er ein Luftloch, bei der nächsten Großchance setzte er den Ball aus rund sechs Metern Entfernung knapp am Tor vorbei. Danach zogen sich die Sachsen wieder vermehrt zurück, bauten eine Festung vor dem Männel-Tor auf und lauerten auf Konter.

Mit Erfolg. Einen Lattentreffer von Jan Hochscheidt verwertete der acht Minuten zuvor für Nicolas Kühn eingewechselte Trujic per Flugkopfball zum 2:1. Ihn ereilte kurze Zeit später die Höchststrafe. Weil er unmittelbar vor einem Platzverweis stand, holte Hensel ihn vom Platz. Man versuchte die Führung mit aller Macht über die Zeit zu bringen, doch es gelang nicht. In der Nachspielzeit fiel der summa summarum verdiente Ausgleich der Hamburger.

© dpa-infocom GmbH

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