Angespannte Corona-Lage: Kretschmer für gemeinsames Handeln

10.11.2021 Sachsen wird von der vierten Corona-Welle überrollt. Wie Ende 2020 hat der Freistaat die höchste Inzidenz in Deutschland. Ein Ende der schwierigen Situation ist nicht absehbar. Regierungschef Kretschmer bekräftigt vor diesem Hintergrund eine alte Forderung.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen. Foto: Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die vierte Corona-Welle trifft Sachsen mit voller Wucht. Auch am Mittwoch war der Freistaat das Bundesland mit der höchsten Infektionsrate. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tages-Inzidenz mit 459,4 an. Das war etwas niedriger als am Dienstag, aber immer noch der höchste Wert in Deutschland. Bundesweit kletterte die Inzidenz auf 232,1 - so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Der Wert gibt an, wie viele Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeldet wurden.

Laut RKI kamen in Sachsen 3710 neue Fälle dazu. Die höchste Inzidenz der 13 Regionen im Freistaat wies mit 742,9 der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aus. Auch der Landkreis Meißen liegt mit einem Wert von 718,9 deutlich über dem bundesweiten Infektionsgeschehen.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS) rechnet bei einer weiter anhaltenden Dynamik mit einer Verlegung sächsischer Corona-Patienten in andere Bundesländer. Man müsse sich darauf einrichten, dass das sogenannte Kleeblatt-Konzept wieder aktiviert wird, sagte KGS-Geschäftsführer Stephan Helm der Deutschen Presse-Agentur. Das Konzept hatte bereits im Vorjahr eine Rolle gespielt. Es tritt in Kraft, wenn Krankenhäuser keine Intensivpatienten mehr aufnehmen können.

Mit Stand Dienstag waren in Sachsens Krankenhäusern 1189 Normalbetten und 288 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Damit ist die Vorwarnstufe bereits bei weitem überschritten. Die Überlastungsstufe greift bei 1300 Normalbetten oder 420 Betten auf der Intensivstation.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) drängte am Mittwoch erneut auf ein gemeinsames Handeln von Bund und Ländern. Man brauche bundesweite Entscheidungen auf einer Bund-Länder-Konferenz, sagte er MDR Aktuell. «Wir brauchen Klarheit über den 25.11. hinaus.» An diesem Tag endet die pandemische Notlage von nationaler Tragweite. Diese Einstufung hatte bisher die Rechtsgrundlage für Beschränkungen in der Pandemie gebildet.

«Je mehr das Infektionsgeschehen außer Kontrolle gerät, umso schwieriger wird es, es wieder einzufangen, umso länger wird es dauern und umso drastischer werden die Einschränkungen sein müssen», betonte der Regierungschef.

Die Lage macht sich auch in den Schulen bemerkbar - immer mehr Schüler und Lehrkräfte müssen in Quarantäne. Wie das Kultusministerium am Mittwoch bekannt gab, kamen in der ersten Novemberwoche 44 Lehrerinnen und Lehrer sowie 2587 Schülerinnen und Schüler neu in Quarantäne. Vor einem Monat betraf das noch 28 Lehrkräfte sowie 1259 Schüler. Nach einem MDR-Bericht sind bereits sechs Schulen im Freistaat wegen Corona-Infektionen von Einschränkungen und Schließungen betroffen.

Angesichts langer Warteschlangen an Impfstellen forderte die Stadt Chemnitz von der Landesregierung rasch Abhilfe. Es gebe dringend Handlungsbedarf bei der Lieferung von Impfstoffen und der Bereitstellung von Personal, teilte die Stadtverwaltung mit. Im Moment komme es deswegen bei Impfungen zu langen Warteschlangen und müssten Impfwillige abgewiesen werden.

Der Landkreis Görlitz kündigte die Einrichtung mobiler Mini- Impfzentren an. «Zu unseren zwei mobilen Impfteams hat der Freistaat uns weitere zwei Teams versprochen. Wir sind mit Weißwasser, Görlitz, Löbau und Zittau im Gespräch und wollen die Impfteams an feste Termine in den Städten andocken», sagte Sozialdezernentin Martina Weber am Mittwoch in Görlitz.

Für den Fall einer vorgeschriebenen Corona-Testpflicht am Arbeitsplatz fordert der Sächsische Handwerkstag die Übernahme der Kosten durch den Staat. «Für völlig unakzeptabel halten wir, die Kosten und Kontrollen von staatlich verordneten tagesaktuellen Pflichttests zuallererst den Arbeitgebern aufzudrücken», sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Jörg Dittrich.

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