U-Ausschuss nimmt flutgeschädigtes Ahrtal in Augenschein

20.12.2021 Abgeordnete machen sich ein Bild von den Zerstörungen des Hochwassers im Ahrtal. Ein Geologe erklärt ihnen die Eigenheiten des Rheinischen Schiefergebirges. Starkregen kann hier nur schwer abfließen.

Der Untersuchungsausschuss des Landtages besichtigt die Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bustour zwischen Tausenden beschädigten Häusern: Der Untersuchungsausschuss des Landtags zur tödlichen Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz hat sich im Ahrtal über die geologischen Gegebenheiten informiert. Der ganztägige Ortstermin beginnt am Montagmorgen in der Ortsgemeinde Schuld. Danach nehmen die Abgeordneten die Dörfer Hönningen, Altenahr und Dernau sowie die Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig in Augenschein.

Laut dem Mainzer Landtag soll die öffentliche auswärtige Sitzung zur Klärung der Frage beitragen, «welchen Einfluss die topographische und geologische Beschaffenheit des Ahrtals auf die Flutkatastrophe am 14./15. Juli 2021 hatte». Dabei wurden 134 Menschen getötet, Hunderte verletzt und weite Teile des romantischen Flusstals zerstört.

Der Ausschussvorsitzende Martin Haller (SPD) sagt beim Auftakt in Schuld nahe Baggern und Bauarbeitern im Schlamm neben der Ahr: «Wir starten heute als Untersuchungsausschuss in die Beweisaufnahme.» CDU-Obmann Gordon Schnieder hatte vor Beginn der auswärtigen Sitzung betont, es gehe auch darum, politische Verantwortlichkeiten für womöglich zu späte Warnungen in der Flutnacht zu klären. Mit Blick auf die vielen Todesopfer ergänzt Schnieder: «Hätte man das verhindern können? Das ist die Frage.»

In dem engen Flusstal mit streckenweise steilen Schieferfelsen informiert auch der Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau, Georg Wieber, als Sachverständiger die Parlamentarier: Das Festgestein im Ahrtal könne nur sehr wenig Wasser aufnehmen. Bei einem Landregen sei das nicht problematisch, aber bei einem Starkregen wie Mitte Juli könne das Wasser nicht rasch abfließen. An den Steilhängen wiederum kam es laut Wieber «sehr schnell» herunter. Aber es habe hier im Rheinischen Schiefergebirge anders als etwa anderswo in spaltenreichem Buntsandstein «kaum die Möglichkeit, im Boden zu versickern».

Der Geologe deutet in Schuld auf ein kleines Hotel weiter oben am Steilhang gegenüber der Ahr, gegen den die braune Sturzflut Mitte Juli geprallt sei und von dem sie Teile abgetragen habe. Ohne Gegenmaßnahmen wäre die Standsicherheit des Hotels gefährdet, sagt Wieber. Im Ahrtal habe es «eine ganze Menge» dieser flutbedingten Rutschungen gegeben.

Die Abgeordneten stapfen wieder über schlammigen Boden zu ihrem Bus des Landespolizeiorchesters. Ein Anwohner sagt währenddessen, die Flut habe sich hier siebeneinhalb Meter über den normalen Wasserstand der sonst so beschaulichen Ahr aufgetürmt. Mitgerissene Autos und Wohnwagen seien an einer Brücke hängengeblieben und hätten so zum Wasseranstieg beigetragen.

Weiterfahrt ins Winzerdorf Altenahr. Vor einer riesigen senkrechten Felswand gibt Geologieprofessor Wieber weitere Erklärungen, dann gehen die Parlamentarier durch einen Tunnel. Auf der anderen Seite sagt Wieber: «Der Tunnel war randvoll.» Mit Wasser. Mehr als neun Meter hoch sei die Sturzflut hier gewesen - und durch die Bergröhre geschossen. Ohne diesen zusätzlichen Abfluss wäre der Wasserspiegel aber in Altenahr noch höher gestiegen.

Nahe Marienthal besichtigen die Parlamentarier eine Talverengung auf nur rund 50 Meter zwischen den Felshängen. Hier habe die starke Strömung von einem sogenannten Prallhang - einem ehemaligen Steinbruch - gewaltige Felsbrocken herunterstürzen lassen, erläutert Wieber.

Der SPD-Abgeordnete Nico Steinbach fragt den Experten nach dem Risikobewusstsein in dem «Gefahrengebiet» Ahrtal. Dieses lasse nach einem Hochwasser wieder von Jahr zu Jahr mehr nach, antwortet Wieber. «Die Gefahr, dass das so ein Hochwasser gibt, ich glaube, diese Gefahr war den Anwohnern nicht bewusst», ergänzt der Geologe.

In Sinzig nahe der Mündung der Ahr in den Rhein besichtigen die Parlamentarier am Spätnachmittag zum Abschluss von außen eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Zwölf von ihnen sind bei der Flut im Juli ums Leben gekommen. Kurz danach hat die Einrichtung mitgeteilt: «Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses.» Inzwischen gibt es eine kleinen Gedenkgarten vor der Einrichtung, den sich mehrere Abgeordnete nachdenklich anschauen.

© dpa-infocom GmbH

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