Trauer um zwölf Menschen in Wohnheim in Sinzig

16.07.2021 In einer Einrichtung der Lebenshilfe dringen Wassermassen ins Erdgeschoss ein. Die Nachtwache kann noch einige Menschen höher bringen. Für andere gab es keine Rettung mehr.

Das Behindertenwohnheim Lebenshilfe-Haus nach der Überschwemmung. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Unter den Todesopfern der Flutkatastrophe sind auch zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig. «Das trifft uns sehr. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Angehörigen», sagten Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) und der Opferbeauftragte des Landes, Detlef Placzek, am Freitag. Das Land stehe in engem Kontakt mit der Lebenshilfe, dem Träger der Einrichtung.

Nach dem Unwetter in der Nacht zum Donnerstag waren in der Einrichtung in Sinzig 13 Menschen vermisst worden. Am Donnerstagabend wurde zunächst der Tod von neun Bewohnerinnen und Bewohnern bestätigt. Nur einer der Vermissten sei lebend gerettet und ins Krankenhaus gebracht worden, teilte eine Sprecherin des Mainzer Innenministeriums mit.

«Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses», sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des an der Ahr gelegenen Wohnheims zu bringen. «Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.» Die Wassermassen seien so rasant in das Gebäude eingedrungen, dass es keine Chance gegeben habe.

Das Heim hat 34 Wohnplätze und befindet sich in einem tiefer gelegenen Wohnviertel der Stadt, die an der Mündung der Ahr in den Rhein liegt. Das Team im Haus sei völlig traumatisiert, sagte Mandos. Seelsorger bereiteten sich darauf vor, die überlebenden Bewohner behutsam über das schreckliche Geschehen aufzuklären.

Von dem Unwetter waren in Rheinland-Pfalz mindestens zwölf stationäre Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe sowie betreute Wohnangebote in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Einige wurden von den Wassermassen zerstört oder unbewohnbar und mussten evakuiert werden, wie das Sozialministerium mitteilte. Aktuell gehe es besonders um die Verlegung von betroffenen Bewohnern in andere Einrichtungen, erklärte Schweitzer.

Am Freitag war an dem Gebäude in Sinzig eine etwa drei Meter hoch reichende Schlammschicht zu sehen, die über die Fenster des Erdgeschosses reichte.

«Für Behinderteneinrichtungen, Pflegeheime und Krankenhäuser bestehen ständig aktualisierte Gefahrenabwehrpläne», teilte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, mit. Sinn solcher strategischer Einsatzplanungen sei es, Hilfsbedürftige ausreichend zu schützen. Schließlich lebten hier oft Menschen, die sich nicht selbst in Sicherheit bringen könnten. «Wenn zwölf Menschen in einer Behinderteneinrichtung sterben, gilt es für Transparenz zu sorgen. Schließlich werden alle Maßnahmen durch Leitstellen akribisch digital dokumentiert.»

© dpa-infocom GmbH

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