Neue Regeln: Hilferuf von Saar-Gastronomen und Veranstaltern

03.12.2021 Die neuen Corona-Regeln haben Restaurants, Kneipen und Veranstaltungsszene voll erwischt: Eine Stornowelle von bis zu 95 Prozent rausche durch die Branche, heißt es. Nun müsse die Politik helfen.

Die Zapfhähne für Bier in einem Restaurant sind nicht im Betrieb. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der Gastronomie und in der Veranstaltungsbranche im Saarland herrschen Frust, Wut und Verzweiflung über die neuen strengen Corona-Regeln. «Ich platze», brachte es der Präsident des Dehoga im Land, der Hotelier Michael Buchna, am Freitag auf den Punkt. «Es ist mir klar, dass wir Leben schützen müssen. Damit haben wir kein Problem. Aber es geht jetzt auch um wirtschaftliche Existenzen.» Gastronomiebetreiber Jan Willem Fluit bestätigte: «Das ist ein wirtschaftlicher Lockdown ohne vernünftigen Rettungsring.»

Im Saarland sind seit Donnerstag Clubs und Diskotheken geschlossen, in Gastronomie und Hotellerie gilt die 2G-plus-Regel. Das heißt: Ungeimpfte haben keinen Zutritt mehr, Geimpfte und Genesene müssen zusätzlich einen negativen Corona-Test vorlegen.

Bei den betroffenen Unternehmen gibt es den Angaben zufolge seit einigen Tagen eine Stornowelle von bis zu 95 Prozent - nicht nur für Weihnachtsfeiern, sondern auch für Termine bis in den März. «Die Mitarbeiter sind nur noch mit Stornos beschäftigt», berichtete Hotelier Irakli Gogadze. Pub-Betreiber Justin Jakob kommentierte: «Das ist doch kein Instrumentenkasten, von dem jetzt die Rede ist. Da gibt es nur Vorschlaghammer und Brecheisen.»

Hoteliers, Gastronomen und Veranstalter sind überzeugt, dass vielen Betrieben ohne zusätzliche Unterstützung das Ende droht. Sie fordern von der Politik nun erneut 100 statt 90 Prozent bei den Finanzhilfen und eine gesetzliche Aufstockung des Kurzarbeitergeldes.

Vor allem die 2G-Plus-Regelung, die von Geimpften und Genesenen auch noch ein negatives Testergebnis verlange, habe die Probleme verschärft. Vor den Testzentren würden sich lange Schlangen bilden. «Dementsprechend gelaunt kommen die Gäste nach drei Stunden wieder. Oder auch nicht», schilderte Gogadze.

Zugleich beobachten die Betreiber, dass die Menschen Angst hätten und verunsichert seien. Dabei sei man auch auf ihre Loyalität angewiesen. Etwa, wenn viele abgesagte Konzerte jetzt erneut verschoben würden, teilweise schon bis ins Jahr 2023. «Viele Leute haben kein Geld mehr und keine Lust mehr», fürchtet Konzertveranstalter Heiko Renno. Und auch die Beschäftigten sähen oft keine Perspektive mehr.

«Die Branche ist wirtschaftlich und mental am Ende. Inhaber wie Mitarbeiter», bilanzierte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Frank Hohrath. Die Betriebe wollten weiter geöffnet bleiben und arbeiten, doch dafür bräuchten sie wirtschaftlich vernünftige Rahmenbedingungen. «Die haben wir bei 2G-plus nicht, solange wir keine Teststruktur haben, solange die Angst da ist.» Zudem fehle es - anders als bei den November- und Dezember-Hilfen vor einem Jahr - an der geeigneten Unterstützung. «Die Politiker müssen jetzt erstmal wachwerden», so der Dehoga-Chef. «Die sind ein bisschen in dem Glauben, wir hätten passgenaue Hilfen - aber die haben wir eben nicht.»

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