Letzter Schultag: «Keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse»

16.07.2021 Vor den Sommerferien werden die schulischen Leistungen benotet. In einem Jahr soll es in Rheinland-Pfalz an zwölf Pilotschulen auch erstmals digitale Zeugnisse geben.

Ein Mund-Nasen-Schutz liegt im Unterricht auf Unterlagen. Foto: Matthias Balk/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz aller Einschränkungen des Unterrichts in der Corona-Pandemie haben die am letzten Schultag vor den Sommerferien ausgeteilten Zeugnisse nach Überzeugung des Bildungsministeriums ihren vollen Wert. «Es sind keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse», sagte Staatssekretärin Bettina Brück (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es habe eine reguläre Notenfeststellung gegeben, so dass auch die Zeugnisse vom Freitag aussagekräftig seien.

«Wir haben wegen der Corona-Situation lediglich die Möglichkeit zugelassen, dass weniger Klassenarbeiten geschrieben werden», erklärte Brück, die mit Bildung der neuen Landesregierung vom Parlament ins Ministerium gewechselt ist. «Dafür waren dann andere Leistungsnachweise zu erbringen wie Referate, Projektarbeiten oder mündliche Leistungen.»

Im neuen Schuljahr, das am 30. August beginnt, soll es in Rheinland-Pfalz erstmals auch digitale Zeugnisse geben. Zwölf Schulen, die Hochschule Koblenz, die Technische Hochschule Bingen sowie die Universität Mainz wirken gemeinsam mit Berlin und Nordrhein-Westfalen an einem Pilotprojekt zur Einführung digitaler Zeugnisse mit. Das Projekt ist Teil der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), das bis Ende 2022 alle Verwaltungsakte im Internet ermöglichen soll.

«Ziel ist die Vergabe der ersten digitalen Zeugnisse im Schuljahr 2021/22», sagte Brück. Zeugnisse zum Anfassen in Papierform werde es auch künftig geben. Aber mit dem digitalen Zeugnis werde ein Nachweis der erbrachten Schulleistungen möglich, ohne dass wie bisher Kopien beglaubigt werden müssten. «Das befreit die Sekretariate der Schulen von Arbeiten und vereinfacht Bewerbungen der Schulabgänger.»

Viel Arbeit statt Ferien gibt es jetzt für die Schulplaner im Bildungsministerium und in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). «Die Planung des neuen Schuljahrs ist immer ein Riesenunterfangen, ein Großprojekt, das jährlich mit Beginn der Sommerferien seinen Höhepunkt erlebt», sagte die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Bettina Brück (SPD). «Grundlage dafür sind Prognosen zur erwarteten Zahl der Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig erhoben werden.»

«Diesen Bedarf bringen wir mit der Planung des bestmöglichen Einsatzes der Lehrkräfte zusammen, damit alle Schulen versorgt sind und wir für die anstehenden Fächerkombinationen die benötigten Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung haben», sagte Brück im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In Gliederungsbögen stellen die Schulen dar, wie viele Schülerinnen und Schüler in welchen Klassenstufen zu erwarten sind.

Für die Grundschulen liegen die wichtigsten Daten der Anmeldezahlen zum neuen Schuljahr bereits Anfang März vor. Alle Kinder, die bis zum 31. August sechs Jahre alt werden, sind schulpflichtig. Ihre Anmeldungen finden traditionell im Herbst vor Beginn des neuen Schuljahres statt. Wer nach dem 1. September den sechsten Geburtstag hat, gilt als «Kann-Kind» und wird in der zweiten Februarhälfte angemeldet.

Die benötigten Planstellen werden der Schulaufsicht im Mai vom Ministerium zugewiesen. Dann kann die ADD mit der konkreten Planung an den einzelnen Schulen beginnen. «Das ist ein stetiger Prozess, der zu den Sommerferien noch nicht abgeschlossen ist», erklärte Brück. «Dann beginnt die heiße Phase bei der Schulaufsicht, vor allem wenn noch neue Lehrkräfte rekrutiert werden müssen.» Die Detailplanung der Ausstattung mit Lehrkräften bis zur Zuweisung zu den einzelnen Schulen findet in den Ferien statt. «Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen aber schon zu Beginn der Ferien, wo sie im neuen Schuljahr eingesetzt werden.»

Brück erwartet, dass es im Schuljahr 2021/22 voraussichtlich erstmals seit 2004/05 wieder steigende Schülerzahlen geben wird - etwa 1300 Schülerinnen und Schülern mehr als im jetzt abgeschlossenen Schuljahr. Ein Grund könnte die Corona-Pandemie sein mit der Möglichkeit, ein Schuljahr zu wiederholen. «Gerade in den Abschlussklassen haben manche wegen ungewisser Perspektiven die Möglichkeit genutzt, länger in der Schule zu bleiben», sagte Brück.

Vor allem müsse jetzt darauf geachtet werden, wie sich die Corona-Situation auf die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern ausgewirkt habe. «Die Lehrerinnen und Lehrer sind gehalten, Lernrückstände zu ermitteln und Bereiche mit Nachholbedarf zu identifizieren», erklärte Brück. Dafür gebe es unterschiedliche Diagnose-Tools wie die bundesweit eingeführten Lernstandserhebungen Vera 3 und Vera 8 für das dritte und das achte Schuljahr. «Es geht nicht nur darum, Wissen nachzuholen, sondern auch darum, allgemein soziale Kompetenzen zu schärfen und das gemeinsame Miteinander zu gestalten.»

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