Kohl-Witwe streitet mit Ghostwriter erneut um Zitate

09.12.2021 Der juristische Dauerstreit zwischen der Witwe des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl und seinem Ghostwriter Heribert Schwan beschäftigt seit Donnerstag erneut ein Gericht. In einem Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Köln will Maike Kohl-Richter erreichen, dass weitere Zitate aus dem 2014 erschienenen Buch «Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle» nicht mehr verbreitet werden dürfen. Auch Schwan hatte Berufung eingelegt.

Maike Kohl-Richter verlässt nach der Verhandlung einen Gerichtssaal des Oberlandesgerichtes. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kohl-Richter wendet sich damit gegen ein 2019 ergangenes Urteil des Landgerichts Köln, das ihr nur bezogen auf einzelne Passagen recht gegeben hatte (AZ: 28 O 11/18). Bei den Textstellen geht es unter anderem um teils deftige Äußerungen Kohls über politische Mitstreiter.

In einer ersten Einschätzung neige der Senat dazu, die in erster Instanz durchgeführte Beweisaufnahme zu wiederholen, sagte ein OLG-Sprecher. Dabei gehe es um die Frage, ob es zwischen Schwan und Altkanzler Kohl eine Verschwiegenheitsverpflichtung gegeben habe. Für den 7. April 2022 sei ein Verkündungstermin geplant.

In einem früheren Urteil hatte das OLG in zweiter Instanz bereits das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und «eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextverfälschungen» kritisiert.

Erst in der vergangenen Woche hatte Kohl-Richter vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eine Niederlage erlitten. Altkanzler Kohl (1930-2017) hatte kurz vor seinem Tod eine Entschädigung von einer Million Euro für die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte von Schwan erstritten. Doch der BGH bestätigte ein Urteil des OLG Köln, wonach eine solche Geldentschädigung nicht vererbbar ist. Damit geht die Witwe leer aus.

Nach Auffassung der OLG-Richter müsse nun auch geprüft werden, welche Auswirkungen der BGH-Entscheid auf das laufende OLG-Verfahren habe, sagte der Sprecher.

Kohl hatte zur Vorbereitung seiner Memoiren mehr als 600 Stunden lang mit Schwan gesprochen - und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Für sein Buch zitierte der Autor dann ohne Genehmigung Kohls aus den Tonbandaufnahmen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Fußball news

DFB-Pokal: Leipzigs und Freiburgs Final-Schlüsselspieler

Tv & kino

Schauspielerin: Wenn Tilda Swinton drei Wünsche frei hätte

People news

Ex-Nationalspieler: Uwe Rahn wird 60 - «Habe den Krebs besiegt»

People news

Royals: Fahrt in Achterbahn - Königin Margrethe feiert Thronjubiläum

Internet news & surftipps

Brasilien: Musk trifft Bolsonaro: Satelliten-Internet für Amazonas

Auto news

Preis runter, Fahrer munter?: Der Tankrabatt kommt: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Handy ratgeber & tests

Featured: iOS 15.6: Alle Infos zum iPhone-Update

Reise

Bundesrat macht Weg frei: 9-Euro-Tickets für Busse und Bahnen kommen zum 1. Juni

Empfehlungen der Redaktion

Panorama

BGH-Urteil: Keine Millionen-Entschädigung für Helmut Kohls Witwe

Regional rheinland pfalz & saarland

BGH: Millionen-Entschädigung fällt nicht an Kohls Witwe

Regional rheinland pfalz & saarland

Speyer: Speyer will mit Kohl-Witwe über Grab-Gestaltung sprechen

Inland

Terrorismus: BGH schließt NSU-Mammutprozess ab

Regional thüringen

NSU hat «größtes Leid verursacht»: BGH schließt Prozess ab

Regional thüringen

Bundesgerichtshof befasst sich mit NSU-Unterstützer André E.

Regional thüringen

Was wusste André E. von den NSU-Machenschaften?

Wirtschaft

Prozess: Hoffnungsschimmer für Erben im Streit um Porsche-911-Design