Kardinal Wetter bestreitet Umfang seines «Fehlverhaltens»

25.01.2022 Der frühere Münchner Erzbischof Kardinal Wetter entschuldigt sich für einen Missbrauchsfall unter seiner Ägide. Wetters Geburtsstadt Landau überprüft unterdessen die an ihn erteilten Ehrungen. Das Bistum Speyer kündigt eine eigene Studie über sexuellen Missbrauch an.

Kardinal Friedrich Wetter bei einem Festgottesdienst zu seiner Verabschiedung im Münchner Liebfrauendom am 17.02.2008. Foto: Frank Mächler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der in Landau geborene frühere Erzbischof von München und Freising sowie Bischof von Speyer, Kardinal Friedrich Wetter, hat sich für seine «falsche Entscheidung» in einem prominenten Missbrauchsfall entschuldigt. Der betreffende Pfarrer hätte nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden dürfen, hieß es in einer Erklärung, die das Erzbistum am Dienstag in Wetters Auftrag veröffentlichte. «Es tut mir von Herzen leid.» In anderen Fällen bestreitet er ein ihm vorgeworfenes Fehlverhalten aber vehement.

«In 6 Fällen liegt kein Missbrauch vor», schreibt Wetter beispielsweise - oder: «Ein Name war mir völlig unbekannt.» Er kommt zu dem Schluss: Die Fakten der 21 Fälle belegten «keinesfalls pauschal ein «Fehlverhalten in 21 Fällen»».

Wetter ist der Vorgänger von Kardinal Reinhard Marx im Münchner Bischofsamt und war von 1982 bis 2008 Erzbischof der Diözese. Von 1968 bis 1982 wiederum war er Bischof von Speyer. In seine Münchener Amtszeit fällt die Versetzung eines wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig verurteilten Priesters in eine andere Gemeinde in Garching an der Alz - wo er erneut Jungen missbraucht haben soll. Für diesen Fall gilt die Entschuldigung, die er nun formulierte.

Ein vom Erzbistum unter seinem Nachfolger Marx in Auftrag gegebenes Gutachten, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, wirft Wetter Fehlverhalten in 21 Fällen vor. Er habe die Fälle zwar nicht bestritten, ein Fehlverhalten seinerseits aber, sagte der Jurist Martin Pusch bei der Präsentation des Gutachtens.

Wetter ist Ehrenbürger von Landau, nach ihm ist auch ein Platz in der pfälzischen Kommune benannt. Die Stadt Landau teilte am Dienstag mit, sie habe ein Prüfverfahren zum Umgang mit den Vorwürfen aus dem Gutachten und möglichen Konsequenzen für Wetters Ehrungen eröffnet. Zunächst erfolge etwa eine interne rechtliche Einschätzung, die dann den städtischen Gremien vorgelegt werde. «Dies wird sicherlich noch im ersten Halbjahr 2022 geschehen», hieß es. Die Entscheidung über eine mögliche Aberkennung von Ehrungen liege beim Stadtrat.

Im Bistum Speyer bereitet unterdessen die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs die Vergabe einer Studie zum Missbrauch innerhalb des Bistums zwischen 1945 und heute vor. «Sie soll im Detail die Vorgänge in Einrichtungen und Pfarrgemeinden darstellen und klären, wie Missbrauch möglich war, was ihn begünstigt hat und wie er so lange vertuscht werden konnte», teilte das Bistum mit. Zur Vorbereitung habe die Kommission auch mit Betroffenen gesprochen. «In den Beschreibungen wurde deutlich, dass Missbrauch für viele Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene in Einrichtungen und Pfarrgemeinden Teil ihres Alltags war», hieß es.

Auch dem aktuellen Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, wird in dem Gutachten formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, sie gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus. Schlagzeilen hatte bislang vor allem die Rolle Joseph Ratzingers gemacht, des heute emeritierten Papstes Benedikt XVI. Ihm werfen die Gutachter Fehlverhalten in vier Fällen vor - und dass er die Unwahrheit gesagt haben soll. Das hat Benedikt inzwischen eingeräumt - und von einem «Versehen» gesprochen.

© dpa-infocom GmbH

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