Dreyer zieht positive Zwischenbilanz nach Ahr-Flut

12.01.2022 Landesmutter Dreyer und Ministerinnen schauen sich die Fortschritte beim Wiederaufbau im flutgeschädigten Ahrtal an. Im Dorf Schuld besuchen sie Flutopfer in teilzerstörten Fachwerkhäusern.

Malu Dreyer (M), Daniela Schmitt (l) und Katrin Eder sprechen mit den Medien. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein halbes Jahr nach der tödlichen Flutkatastrophe im Ahrtal hat die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach den gröbsten Aufräumarbeiten eine positive Zwischenbilanz gezogen. «Es ist einfach ganz großartig, was geschafft worden ist», sagte sie am Mittwoch im teilzerstörten Dorf Schuld im Landkreis Ahrweiler. «Überall ist wieder Strom, überall ist wieder Trinkwasser.» Fast alle Schüler seien in ihre ursprünglichen Schulen zurückgekehrt. Es sei aber auch «viel Kraft» noch für den Wiederaufbau nötig.

Ortsbürgermeister Helmut Lussi ergänzte, in seinem Ort seien 80 Prozent des vielen Unrats beseitigt. «Man kann die Straßen wieder komplett befahren.» Von den rund 720 Einwohnern wohnen laut Lussi noch etwa 80 in Ausweichquartieren, bis ihre beschädigten Häuser wieder aufgebaut sind. Nach Worten von Verbandsbürgermeister Guido Nisius (CDU) sind elf Häuser in Schuld weggeschwemmt oder nach der Flut wegen mangelnder Standsicherheit abgerissen worden.

Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Dreyer war mit Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne), Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) und der Wiederaufbaubeauftragen Nicole Steingaß (SPD) nach Schuld gekommen. Sie gingen hier auch zu den Orten, die Dreyer und andere Politiker bereits mit Angela Merkel (CDU) am 18. Juli wenige Tage nach der Sturzflut besucht hatten. Die damalige Kanzlerin sagte seinerzeit, die deutsche Sprache kenne kaum ein Wort für die Verwüstungen des Hochwassers. Dieses hatte am 14. und 15. Juli im engen Ahrtal 134 Menschen getötet, mehr als 750 verletzt und rund 8800 Gebäude zerstört oder beschädigt.

Dreyer sagte am Mittwoch mit Blick auf den schlammigen Boden neben der Ahr in Schuld, wenn im Frühling «aus braun grün wird», werde es wieder hoffnungsvoller aussehen in dem Dorf, in dem etwa jedes zweite Gebäude vom Hochwasser getroffen worden war. Sie rief zu neuen Ausflügen und Reisen in die Region auf: «Kommen Sie wieder ins Ahrtal!» Die Rotweinregion sei auch vom Tourismus abhängig, erklärte die Ministerpräsidentin. «Die Landschaft ist immer noch wunderschön.» Und die Anwohner seien immer noch sehr gastfreundlich.

Klimaschutzministerin Eder sagte angesichts des extremem Starkregens in den Juli-Fluttagen: «Der Klimawandel - ich glaube, hier hat er sein schlimmstes Gesicht gezeigt.» Es sei wichtig, den Wiederaufbau an mögliche neue Hochwasser anzupassen. Eder zeigte eine Karte mit gefährdeten Zonen, wo kein Wiederaufbau oder nur noch Bauprojekte mit Sondergenehmigung möglich sein sollen. Denkbar sei, in Überschwemmungsgebieten an der Ahr künftig etwa Grünanlagen und Spielplätze ohne Mauern anzulegen, die notfalls einmal unter Wasser stehen könnten.

Die Spitzenpolitikerinnen sprachen in Schuld mit mehreren Flutopfern. Beispielsweise erkundigten sie sich im zerstörten Fachwerkhaus von Katharina und Kunibert Schlösser, 75 und 85 Jahre alt, nach dem Fortschritt des Wiederaufbaus. Landesmutter Dreyer wünschte «alles, alles Gute». Katharina Schlösser sagte: «Wir leben noch. Wenn man denkt, wie viele gestorben sind.»

Die Politikerinnen sprachen auch über die zerstörte Infrastruktur. Dreyer erklärte: «103 Brücken im Ahrtal waren stark oder komplett zerstört. 15 temporäre Brücken sind seit Ende Oktober 2021 aufgebaut.» Verkehrsministerin Schmitt erinnerte an die kürzlich eröffnete Notumleitungsstraße bei Schuld und Insul, die sogenannte L73 neu, die durch einen ehemaligen Bahntunnel führt. Die «L73 alt» war von der Sturzflut zerstört worden.

© dpa-infocom GmbH

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