Barbara Spaniol führt Saar-Linke in Landtagswahlkampf

21.11.2021 Ein historischer Schnitt für die Linken im Saarland: Erstmals ziehen sie nicht mit Oskar Lafontaine in den Landtagswahlkampf. Die Spitzenkandidatin Barbara Spaniol ruft zu neuer Geschlossenheit auf.

Barbara Spaniol (Linke) freut sich über ihre Wahl zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 27. März 2022. Foto: Oliver Dietze/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es soll ein Neuanfang sein: Die Linken im Saarland haben Barbara Spaniol zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 27. März 2022 gewählt. Auf einer Landesmitgliederversammlung in Homburg-Erbach wählten am Sonntag 85,1 Prozent der Mitglieder die 58-Jährige auf Platz 1 der Landesliste. 252 stimmten für die stellvertretende Landesvorsitzende der Partei, es gab 30 Gegenstimmen und 14 Enthaltungen.

«Das ist ein tolles Ergebnis. Wir rocken das», sagte Spaniol nach der Wahl. Nach innerparteilichen Streitigkeiten vor allem in den vergangenen Wochen hatte sie zuvor zu Geschlossenheit aufgerufen: «Befindlichkeiten sollten hinter uns bleiben. Lasst uns an einem Strang ziehen.» Die Linke könne «selbstbewusst sein» und solle wieder «stärker für die eintreten, um die sich niemand kümmert».

Ihre Kür zur Spitzenkandidatin bedeutet bei den Linken an der Saar eine historische Zäsur: Bei den Wahlen in 2017, 2012 und 2009 stand stets Zugpferd Oskar Lafontaine (78) auf Platz 1 der Landesliste, mit dem die Linken jeweils zweistellige Ergebnisse holten. Nun hat der Fraktionschef der Linken im Landtag aber vor kurzem das Ende seiner politischen Karriere angekündigt - und tritt bei der Saarlandwahl am 27. März 2022 nicht mehr an.

Hintergrund ist ein innerparteilicher Streit zwischen dem Lager um Lafontaine einerseits und dem Lager um den Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze andererseits. Lafontaine wirft Lutze betrügerische Machenschaften bei der Akquise von Mitgliedern vor. Nach dem Wiedereinzug Lutzes in den Bundestag Ende September hatte Lafontaine erklärt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Lutze, seit 2009 im Bundestag, hat jegliche Vorwürfe bestritten.

Spaniol hat als Folge des Zerwürfnisses in der Partei gerade die neue Fraktion «Saar-Linke» gegründet. Anfang November war sie aus der Linke-Fraktion unter Lafontaine ausgeschlossen worden, da die sie mit ihr keine «Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit» mehr gesehen hatte. Grund: Sie wurde dem Lutze-Lager zugerechnet.

Bei der Landtagswahl 2017 hatten die Linken 12,8 Prozent der Stimmen bekommen und waren mit sieben Abgeordneten ins Parlament eingezogen. Nach der Spaltung zählt die Linken-Fraktion unter Lafontaine noch fünf Mitglieder. Die meisten von ihnen gehen bei der Wahl nicht mehr ins Rennen.

Parteichef Lutze sagte, er gehe nicht davon aus, dass die Linke bei der Landtagswahl 2022 wieder zweistellig abschneiden werde. «Unser Ziel ist es, in etwa das Bundestagsergebnis im Saarland wieder zu bekommen. Das waren 7,2 Prozent», sagte er.

Viele Redner sprachen sich dafür aus, den Streit in der Partei hinter sich zu lassen. Udo Reden-Buschbacher aus Bous sagte: «Lasst uns das Kapitel Lafontaine endgültig beenden. Fangen wir neu an, wagen wir gemeinsam mit Barbara Spaniol den Neuanfang.» Andrea Neumann forderte: «Um Wahlen zu gewinnen, muss man geschlossen auftreten». Sie kam auf Platz 2 der Liste.

Die Linke müsse sich wieder stärker ihren Kernthemen widmen, sagte Spaniol. Und formulierte aus: Kampf für eine bessere Bildung und für höhere Löhne im Gesundheitsdienst, gegen Stellenabbau in der Automobil- und Stahlindustrie und gegen Kinderarmut.

Die Bibliothekarin und Lehrerin für Bürotechnik Spaniol ist seit 2004 Abgeordnete im Landtag. Zunächst saß sie für die Grünen in dem Parlament, ab 2009 dann für die Linken. Die Linke im Saarland gibt es seit 2007.

© dpa-infocom GmbH

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