Funke Mediengruppe kritisiert Verleger-Präsident Döpfner

23.02.2022 Der in die Kritik geratene Axel-Springer-Chef Döpfner ist seit 2016 auch Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger, das Funke-Medienhaus findet, «dass sich etwas ändern muss».

Mathias Döpfner ist seit 2016 Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). © Kay Nietfeld/dpa

Die Funke Mediengruppe hat ihre Kritik am Präsidenten des Zeitungsverlegerverbands und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner bekräftigt. Das Medienhaus brachte zudem einen Austritt aus dem Verband nun auch öffentlich ins Spiel.

In einem Statement der Mediengruppe mit Sitz in Essen, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag und über das zuerst die «Süddeutsche Zeitung» berichtete, hieß es, man erwarte eine personelle Neuaufstellung an der Spitze des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). «Die Werte, die wohl jedes dem Journalismus verpflichtete Verlagshaus auszeichnen, sehen wir aktuell nicht mehr ausreichend repräsentiert.»

Zudem habe man Sorge, dass die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche gefährdet sei. «Mit unseren Überlegungen, aus dem Verband auszutreten, wollen wir ein deutliches Zeichen setzen, dass sich etwas ändern muss», hieß es.

Die Funke Mediengruppe, die zahlreiche Regionalzeitungen in mehreren Bundesländern im Portfolio hat, ging konkret auf eine Delegiertenversammlung des Verbands von Mitte Februar ein. Dort sei ihr vorgeworfen worden, sie würde mit ihrer Kritik Verbandsinteressen und Vorgänge in einem Mitgliedshaus unzulässigerweise miteinander vermengen. «Wir halten die hier geforderte Trennung von Präsidentenamt und Person für nicht haltbar.»

Funke verwies auch auf ein Diskussionspapier zur Verbandszukunft, das das Haus vor der Versammlung veröffentlicht hatte. «In unserem Diskussionspapier haben wir konstruktive Vorschläge zur Weiterentwicklung des Verbands vorgelegt; wir werden uns nun mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass sie verwirklicht werden. Die Diskussion darüber sollte offen und ohne Denkverbote, gerade auch zur künftigen Konstellation an der Spitze, geführt werden.»

Kritik an Döpfner

Die außerordentliche Delegiertenversammlung war im November nach einer Präsidiumssitzung angekündigt worden. Damals war bereits über eine umstrittene private Kurznachricht Döpfners diskutiert worden, die durch einen Artikel der «New York Times» öffentlich bekanntgeworden war. Medienhäuser hatten zuvor den BDZV-Präsidenten für seine Wortwahl in der Nachricht kritisiert - bis hin zur Rücktrittsforderung.

In der früheren Nachricht an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre hatte Döpfner den im Oktober von seinen Aufgaben entbundenen Ex-«Bild»-Chefredakteur Julian Reichelt als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den «neuen DDR-Obrigkeitsstaat» aufbegehre. Fast alle anderen seien zu «Propaganda Assistenten» geworden. Springer hatte die Kurznachricht als Ironie eingeordnet.

Die Delegiertenversammlung war mit Spannung erwartet worden, weil zuvor neuere Vorwürfe gegen Springer-Chef Döpfner in einem Zeitungsbericht der britischen Tageszeitung «Financial Times» aufgekommen waren. Im Frühjahr 2021 hatte es interne Ermittlungen gegen Reichelt wegen Vorwürfen zu Machtmissbrauch im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen gegeben. Der Konzern hatte Reichelt zunächst eine zweite Chance gegeben, zog im Oktober dann einen Schlussstrich.

Die Tageszeitung schrieb, dass der Konzernspitze schwere Vorwürfe gegen Reichelt bereits vor der internen Untersuchung bekannt gewesen sein sollen. Zudem sollen sich Döpfner und Spitzenkräfte während und nach Abschluss der Ermittlungen für den Schutz Reichelts eingesetzt haben. Springer hatte darauf mitgeteilt, der Artikel zeichne ein irreführendes Bild der Compliance-Untersuchung, der daraus gezogenen Konsequenzen, des gesamten Unternehmens und seiner Führung.

Nach BDZV-Angaben ging es auf der Delegiertenversammlung nicht um die Personalie Döpfner mit Blick auf die Vorwürfe. Die Funke Mediengruppe hatte vorab in ihrem Diskussionspapier für einen Reformprozess geworben, um als Verband schlagkräftiger zu werden. Darin hieß es etwa: «Am Ende des Reformprozesses sollte ein personeller Neuanfang in der ehrenamtlichen Struktur stehen. Dabei ist zu überlegen, ob die aktuelle Präsidentenstruktur zeitgemäß ist oder alternative Aufstellungen eher zum Ziel führen.» Auf der Versammlung wurde vereinbart, dass eine Projektgruppe in den nächsten Monaten Vorschläge für eine Modernisierung der Verbandsstruktur erarbeitet.

Wenige Tage nach dem Treffen wurde bekannt, dass der Vorsitzende der Geschäftsführung der Madsack Mediengruppe, Thomas Düffert, sein Amt als Vize-Präsident des BDZV mit sofortiger Wirkung abgibt. Er gehört aber weiterhin dem Präsidium als Mitglied an. In einem Schreiben hatte Düffert betont: «Klar ist, dass wir als Branche nur dann beste Chancen haben, uns Gehör zu verschaffen, wenn wir gemeinsam vertrauensvoll zum Nutzen aller kleinen und großen Zeitungsverlage in Deutschland zusammenarbeiten.»

Döpfner ist seit 2016 Präsident, 2020 wurde er für eine zweite Amtszeit und damit weitere vier Jahre gewählt.

© dpa

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