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WHO: Rund 4000 Todesopfer in Libyen identifiziert

Seit Tagen gehen die Zahlen zu den Opfern der Überschwemmungen in Libyen weit auseinander. Die WHO versucht, mit Angaben zu den ausgestellten Sterbeurkunden etwas Klarheit ins Chaos zu bringen.
Unwetter in Libyen
Menschen suchen nach Flutopfern. © Ricardo Garcia Vilanova/AP/dpa

Nach der Überschwemmungskatastrophe in Libyen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 4000 Todesopfer identifiziert worden. Für 3958 Verstorbene seien Sterbeurkunden ausgestellt worden, teilt die WHO mit.

Diese Zahl werde voraussichtlich noch steigen, weil Such- und Rettungsteams wohl weitere Leichen bergen würden. Eine Gruppe aus libyschen Daten-Analysten und Forschern kam in einer aktuellen Zählung am Samstag ebenfalls auf etwa 4000 bestätigte Opfer.

Über die Zahl der Toten unter anderem in der schwer getroffenen Stadt Darna gibt es seit Tagen widersprüchliche Angaben. Sie schwankten zwischen rund 5000 und bis zu 11-000. Die Regierung im Osten des Bürgerkriegslandes bezifferte die Zahl der offiziell registrierten Todesfälle mit 3166. Deren Gesundheitsminister Othman Abdel Dschalil erklärte am Freitag nur Zahlen seines Hauses fortan für gültig. Die Zahl von 3166 Toten werde wahrscheinlich steigen. Ein Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC) in Libyen sagte, für verlässliche Todeszahlen sei es noch zu früh.

Die Sorge vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen für die Bevölkerung wuchs vor allem in Darna. Bis Samstag wurden etwa 150 Durchfallerkrankungen gemeldet. Als Begründung nannte der Leiter des Zentrums für Krankheitsbekämpfung, Haidar al-Sajih, verschmutztes Trinkwasser. Für die Überschwemmungsgebiete habe das Zentrum einen Notfall für mindestens ein Jahr ausgerufen. In anderen Ländern seien Krankheiten und Epidemien teils noch neun Monate nach einer Katastrophe ausgebrochen.

Das Zentrum schlug vor, die Stadt Darna mit etwa 100.000 Einwohnern in drei Zonen einzuteilen: eine besonders «betroffene Zone» mit nur eingeschränktem Zugang. Dazu eine «verwundbare Zone», die Frauen und Kinder nicht betreten sollten, die das (männliche) Oberhaupt einer Familie aber bewohnen könne. Und schließlich eine «sichere Zone», die von den Überschwemmungen nicht betroffen sei und wo Vertriebene bleiben könnten. Unter keinen Umständen dürfe das Trinkwasser genutzt werden, da es sich mit Abwasser vermischt habe. «Die Lage wird in einer Woche oder einem Monat nicht beendet sein», sagte al-Sajih.

Medizinische Hilfsgüter erreichen Libyen

Unterdessen trafen in Bengasi am Samstag 29 Tonnen medizinische Hilfsgüter ein. Damit können fast 250.000 Menschen medizinisch versorgt werden, wie WHO mitteilt. Darunter seien lebenswichtige Medikamente für chronische und übertragbare Krankheiten sowie Material zur Wundversorgung und für Notoperationen ebenso wie Leichensäcke. Das Material geht an Kliniken und Praxen in der Region.

Von Bengasi in die teils zerstörte Stadt Darna sind es je nach Route zwischen 300 und 400 Kilometer. Nach den schweren Überschwemmungen gibt es nach Angaben der Rotkreuz- und Rothalbmondföderation (IFRC) nur eine befahrbare Zugangsstraße. Die neuen Hilfsgüter wurden von einem WHO-Lager in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emirate nach Bengasi geflogen. Eine erste Lieferung in ähnlichem Umfang war bereits aus WHO-Lagern in Libyen in das Katastrophengebiet gebracht worden.

Laut WHO werden noch mehr als 9000 Menschen vermisst. Mindestens 35.000 hätten ihre Unterkünfte verloren.

© dpa
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