Massaker an Grundschule in Texas erschüttert die USA

25.05.2022 Ein 18 Jahre alter Amokschütze verbarrikadiert sich in Texas in einer Grundschule. Er tötet 19 Kinder und zwei Lehrer, alle in einem Klassenzimmer. US-Präsident Biden will ein Aufbegehren der Amerikaner gegen die Waffenlobby - deren Macht in den USA ungebrochen ist.

Nach dem schlimmsten Schulmassaker in den USA seit fast zehn Jahren hat US-Präsident Joe Biden Konsequenzen aus den wiederkehrenden Amokläufen mit Schusswaffen gefordert.

«Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden», sagte Biden am Dienstagabend im Weißen Haus. «Wir müssen handeln.» Ein Schütze hatte zuvor in einer Grundschule im Bundesstaat Texas 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Zu dem Massaker in der Robb Elementary School in der Gemeinde Uvalde kam es laut Polizei in dem Klassenraum, in dem sich der 18-Jährige verschanzt hatte. Offiziellen Angaben zufolge wurden 17 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten.

Die Tat von Uvalde - eine von ihrer hispanischen Gemeinde geprägten Kleinstadt mit rund 16.000 Einwohnern - ist eines der Schulmassaker in der US-Geschichte mit den meisten Opfern. Nur beim Shooting an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut im Dezember 2012 starben mehr Menschen. Viele Hintergründe der Tat waren am Mittwoch noch unklar - zum Beispiel die Frage, warum die Robb Elementary School zum Ziel wurde. Der Chef der Behörde für Öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, sagte am Mittwoch, ein Motiv des Täters sei weiterhin nicht bekannt. Nach Angaben der Behörden kündigte er seine Tat kurz zuvor auf Facebook an.

Gouverneur schildert die schrecklichen Details

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte bei einer Pressekonferenz in Uvalde, der Amokläufer habe zunächst seiner Großmutter ins Gesicht geschossen, bei der er gelebt habe. Die 66-Jährige, die überlebte, habe daraufhin die Polizei gerufen. Der Täter sei in einem Fahrzeug davongefahren und habe nahe der Grundschule einen Unfall gebaut. Er sei dann vor der Polizei in die Schule und dort in einen Klassenraum geflohen. US-Medienberichten zufolge handelte es sich um den Raum einer vierten Klasse. Abbott sagte, ein Grenzschutzbeamter habe den Täter schließlich erschossen.

Das Massaker zwei Tage vor dem Beginn der Sommerferien an der Grundschule sorgte in den Vereinigten Staaten und weit darüber hinaus für Entsetzen. Amokläufe, auch an Schulen, kommen in den USA mit trauriger Regelmäßigkeit vor. Pläne von Bidens Demokraten, die Waffengesetze zu verschärfen, scheitern regelmäßig am Widerstand der mächtigen Waffenlobby-Organisation NRA und der Republikaner. Biden schrieb am Mittwoch auf Twitter: «Wir wissen, dass vernünftige Waffengesetze nicht jede Tragödie verhindern können und werden. Aber wir wissen, dass sie funktionieren und eine positive Wirkung haben.»

Der Republikaner Abbott sagte mit Blick auf den Täter: «Das ist das schiere Gesicht des Bösen selbst.» Der 18-Jährige habe zunächst auf Facebook geschrieben, dass er seine Großmutter erschießen werde. In einem zweiten Beitrag habe er verkündet, dass er auf seine Großmutter geschossen habe. Etwa eine Viertelstunde vor Ankunft an der Schule habe er geschrieben, dass er in einer Grundschule um sich schießen werde. Abbott sagte, über Vorstrafen des Amokläufers sei nichts bekannt. Dasselbe gelte für psychische Erkrankungen.

Abbott führte diese und ähnliche Taten trotzdem nicht auf den leichten Zugang zu Waffen, sondern auf eine Zunahme von psychischen Erkrankungen zurück. Er argumentierte, dass 18-Jährige in Texas seit 60 Jahren Gewehre kaufen könnten, es aber nie zu einem Schulmassaker diesen Ausmaßes gekommen sei. Zudem hätten von Demokraten regierte Städte oder Bundesstaaten wie Chicago oder Kalifornien strengere Waffengesetze als in Texas, würden aber dennoch mehr Opfer durch Schusswaffen verzeichnen.

Während der Pressekonferenz kam es zu einem politischen Eklat: Der Demokrat Beto O'Rourke unterbrach den Auftritt und kritisierte Abbott für seine Haltung zu den Waffengesetzen im Land. O'Rourke, der im November bei der nächsten Gouverneurswahl in Texas als Herausforderer antreten will, warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt in den USA zu unternehmen. «Sie tun nichts», kritisierte O'Rourke. Abbott reagierte auf die Vorwürfe nicht, während andere Offizielle O'Rourke zur Ordnung riefen und teils beschimpften. O'Rourke verließ nach der verbalen Auseinandersetzung den Raum.

Flammt die Debatte um das Waffenrecht wieder auf?

McCraw von der Behörde für Öffentliche Sicherheit sagte, der Täter habe am 17. März ein Sturmgewehr gekauft, am Tag darauf dann 375 Schuss Munition. Am 20. März habe er ein zweites Sturmgewehr erworben. US-Präsident Biden hatte am Dienstagabend gesagt, die Vorstellung, dass ein 18-Jähriger in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.

Die Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) plant an diesem Freitag ihre Jahresversammlung in Texas. Bei dem Treffen in Houston soll nach früheren Angaben der NRA Bidens republikanischer Vorgänger Donald Trump sprechen. Trump ist ein strikter Gegner einer Verschärfung der Waffengesetze.

Biden ordnete an, bis Samstag die Flaggen auf allen öffentlichen Gebäuden in den USA auf halbmast zu setzen. Der frühere US-Präsident Barack Obama sprach den betroffenen Familien auf Twitter sein Beileid aus und kritisierte die Republikaner sowie die Waffenlobby. Beide hätten «keine Bereitschaft gezeigt, in irgendeiner Weise zu handeln, um diese Tragödien zu verhindern».

Vor knapp zehn Jahren hatte das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut besondere Erschütterung in den USA ausgelöst: Im Dezember 2012 hatte ein 20-Jähriger dort um sich geschossen, 20 Schulkinder und sechs Lehrer wurden getötet. Und erst vor gut einer Woche hatte ein Schütze mit einem Sturmgewehr in Buffalo im US-Bundesstaat New York in einem Supermarkt das Feuer eröffnet und zehn Menschen erschossen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert - elf der 13 Opfer waren schwarz.

© dpa

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