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Tod am K2: Haben Bergsteiger den sterbenden Mann ignoriert?

Immer wieder kommt es zu tragischen Todesfällen an dem Achttausender. Der Tod eines pakistanischen Trägers löst nun einen Aufschrei in der Branche aus. Aufnahmen zufolge gingen rund 70 Bergsteiger an ihm vorbei.
K2 Himalaya
Der schroff aufragende K2 gilt unter Bergsteigern wegen seiner steilen Wände als sehr schwierig. © --/SALTORO_SUMMIT_HANDOUT/epa/dpa

Nach dem Tod eines Bergträgers am K2 in Pakistan mehrt sich Kritik wegen unterlassener Hilfeleistung. Eine Untersuchung des Falls, der bereits viel Aufsehen ausgelöst hat, wurde von den pakistanischen Behörden vorangetrieben.

Dafür würden nun Zeugen gehört, sagte Rahat Karim Baig, Mitglied einer Untersuchungskommission, der Deutschen Presse-Agentur. «Die wichtigste Aussage wäre die des anderen Höhenträgers.» Dieser habe mit dem später verunglückten Mann das Seil befestigt und ihn fallen gesehen. Auch die Rolle professioneller Touranbieter solle untersucht werden.

Vor rund zwei Wochen war der 35 Jahre alte pakistanische Bergträger Mohammed Hassan am asiatischen Achttausender K2 gestürzt und schließlich ums Leben gekommen. Sein Tod löste einen Aufschrei aus, nachdem Videos bekannt wurden, die ihn am Unglücksort noch am Leben gezeigt hatten. Laut der Touristenbehörde in der nördlichen Provinz Gilgit-Baltistan war Hassan das erste Todesopfer dieser Saison am K2.

Der österreichische Alpinist Wilhelm Steindl kritisierte das Verhalten vieler Bergsteiger an der Unglücksstelle. Ausweislich der von seinem Kameramann gemachten Drohnenaufnahmen seien rund 70 Bergsteiger an der engen Stelle in etwa 8300 Metern an dem Sterbenden vorbeigegangen, sagte Steindl am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Vielleicht hatten sie einen Tunnelblick.»

Zeugenaussagen und Drohnenaufnahmen

Steindl könne nicht einschätzen, wie die Passierenden die Situation wahrgenommen hätten. Den Willen vieler Bergsteiger, sich auf dem Weg zum zweithöchsten Gipfel der Erde nicht aufhalten zu lassen, illustriere aber das Verhalten gegenüber dem einzigen Helfer, sagte Steindl. Der helfende Bergsteiger hatte Hassan demnach zuvor mehrere Meter am Seil in die Spur zurückgehievt. «Er wurde kritisiert, dass er einen Stau produziere», sagte Steindl.

Aufgrund von Zeugenaussagen und Drohnenaufnahmen lasse sich rekonstruieren, dass der Träger gegen 2.30 Uhr am 27. Juli abgestürzt und wohl zwischen 8 Uhr morgens und 12 Uhr gestorben sei. Der Grund für den Absturz sei unklar. Zuvor sei eine Lawine abgegangen, möglicherweise sei auch eine Eisplatte weggebrochen, so Steindl. «Für einen zahlenden Kunden aus dem Westen wäre auf alle Fälle eine Rettungsaktion gestartet worden.»

Kritik kam auch vom Präsidenten des pakistanischen Alpinclubs: «Es ist bedauerlich, dass niemand anhielt, um dem sterbenden Mann zu helfen», sagte Abu Zafar Sadiq der dpa. Mehrere Lawinen seien am Unglückstag an einem Engpass am K2 ausgelöst worden, der schwierigsten und tödlichsten Stelle vor dem Gipfel. Vielleicht seien deshalb Bergsteiger selbst nicht zur Hilfe geeilt, sagte Sadiq.

«Einige der Bergsteiger wurden von den Lawinen getroffen, aber zum Glück wurde niemand mitgerissen», berichtete der Präsident des Alpinvereins. «Ein weiterer Grund könnte sein, dass Menschen sich beeilen wollen, um ihren Traum zu erfüllen, wenn sie nur noch wenige Meter von ihrem Ziel entfernt sind. Wie auch immer die Umstände waren, jemand hätte dem armen Kerl helfen müssen», sagte Sadiq.

Sturm auf die Gipfel

Nach der Coronapandemie verzeichnete das südasiatische Land einen regelrechten Sturm auf seine Gipfel, sagte Naiknam Karim, ein früherer Bergsteigerprofi der dpa. Damit sei auch die Zahl der benötigten Helfer gestiegen. «Deshalb sind so viele Menschen mit einer geringen oder gar keiner Ausbildung in diesem Bereich tätig geworden, um schnelles Geld zu verdienen», sagte Karim. Er kritisierte zudem fehlendes Training und Rechtssicherheit.

Auch die norwegische Bergsteigerin Kristin Harila bestieg am Unglückstag im Rahmen einer Rekordjagd den K2. Im Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» erzählte Harila vor rund einer Woche vom Absturz Hassans. «Er hing kopfüber in seinem Seil. Nach unserem Abstieg haben wir erfahren, dass er gestorben ist.»

Immer wieder kommt es im pakistanischen Gebirge und den angrenzenden Ländern im Himalaya zu tödlichen Unfällen. Der 8611 Meter hohe K2 in Pakistan ist der zweithöchste Berg der Erde und gilt als weit anspruchsvoller als der Mount Everest, der höchste Berg der Welt. Gründe sind unter anderem die steile Route und die Lawinengefahr. Den K2 haben bisher nur gut 300 Menschen bestiegen.

© dpa
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