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Tierheime verzweifelt: Überfüllt und defizitär ins neue Jahr

Die Tierheime sind nicht deshalb überfüllt, weil viel mehr Tiere abgegeben werden. Die Gründe sind vielfältiger - und die Verantwortlichen zunehmend ratlos, wie die Heime weiter zu finanzieren sind.
Katze
Früher tauschten dann Tierheime in verschiedenen Regionen schon mal Tiere aus - aber jetzt seien eben alle voll. © Philipp von Ditfurth/dpa

Es gibt eine gute Nachricht, die aber eigentlich gar keine ist: Nach Weihnachten werden nicht mehr wie früher viele verschenkte Tiere ausgesetzt. So eine Abgabewelle wie kurz vor den langen Sommerferien gibt es nicht mehr, wie Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund sagt. Aber: Die Tierheime in Deutschland sind trotzdem voll. Dauerhaft voll. Und die Verantwortlichen frustriert.

«Die Lage in den Tierheimen hat sich weiter zugespitzt zum Negativen», sagt Schröder der Deutschen Presse-Agentur. «Bestimmt drei Viertel der Tierheime können durchweg kein Tier mehr aufnehmen. Wir haben dort immer mehr Tiere, die länger bleiben und einen höheren Betreuungsbedarf haben.» Die Gründe dafür sind vielfältig.

So waren zum Beispiel während der Hochphase der Pandemie Hundeschulen geschlossen. «Also konnte keiner Hilfe kriegen, wenn er einen neuen Hund aufgenommen hat», erläutert Schröder. «So haben wir relativ viele gute, aber eben schlecht erzogene Hunde in Tierheimen.

Pandemie-Run auf Haustiere hat den Markt verstopft

Auch Hunde, die von Veterinärämtern ihren Besitzern entzogen werden, sind oft Dauergäste. «Erstmal kann das Tier nicht vermittelt werden, weil in der Regel der Besitzer dagegen klagt», sagt der Verbandspräsident. «Und selbst wenn die Freigabe geklärt ist: Wir haben Langsitzer in den Tierheimen, die friedlich, die wunderbar sind, aber zu einer Rasse gehören, die nicht in dem Bundesland, wo sie aufgefangen wurden, gehalten werden dürfen.»

Früher tauschten dann Tierheime in verschiedenen Regionen schon mal Tiere aus - aber jetzt seien eben alle voll. Dazu kommt: «Es fehlt die Qualifikation in den Tierheimen. Der Umgang mit schwierigen Hunden zum Beispiel ist in der üblichen Tierpflegeausbildung nicht drin», so der Präsident der Vereinigung mit 550 Tierheimen und Auffangstationen.

Aber Schröder zufolge gibt es selbst für Hunde, Katzen oder Hasen, die einfach zu vermitteln wären, derzeit keinen Markt. «Wer ein Haustier wollte, hat es sich in der Pandemie geholt - und wer es doch nicht haben wollte, hat es abgegeben und holt sich ja kein neues.»

Höhere Tierarztkosten seit einem Jahr

Vor diesen Problemen stehen die Einrichtungen bei dauerhaft zu kleinem Budget. Die meisten Heime erhielten keine kostendeckende Finanzierung von den Veterinärämtern oder Kommunen, so Schröder. Zudem sehe die Finanzierung in jeder Kommune anders aus - teils müsse ein Heimleiter mit jedem Bürgermeister im Landkreis einzeln verhandeln. «Wir sind einem wahnsinnigen Bürokratismus unterworfen.»

Verschlimmert hat die Finanzierung die neue Gebührenverordnung für Behandlungen durch Tierärzte, die im November 2022 in Kraft trat. Als weitere Folge berichten Einrichtungen davon, dass ältere oder kranke Tiere mit hohen Tierarztkosten nun auch eher abgegeben würden.

Schröder hat daher einen Wunsch: Mehr Hilfe der Kommunen, Länder und auch des Bundes, obwohl dieser bislang direkt nicht an der Finanzierung beteiligt sei. «Es würgt uns im Moment von vielen Seiten. Die Tierheime sind an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Wir brauchen Unterstützung.»

© dpa
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