Hamburg bereitet Charles und Camilla jubelnden Empfang

Das Wetter bringt König Charles und Queen Camilla richtig heimatliche Gefühle. Hamburg präsentiert sich dem königlichen Paar mit bestem Londoner Nieselregen. Zum Abschluss gibt es Hamburger Folklore.

Tausende Hamburger jubeln dem britischen Königspaar auf dem Hamburger Rathausmarkt zu. Die Hansestadt bereitet König Charles III. und seiner Frau Camilla zum Abschluss ihres Deutschlandbesuchs am Freitag einen herzlichen Empfang. Beide gehen mehrfach auf die im Nieselregen wartenden Menschen zu, nehmen Blumen und Geschenke entgegen, schütteln Hände und wechseln freundlich und gut gelaunt ein paar Worte. Jede Menge Handys speichern den besonderen Augenblick in Fotos und Filmchen.

Einige Anhänger des britischen Königshauses haben sich mit allerlei royalen Fanartikeln ausgestattet. Von Union-Jack-Regenschirm und Fähnchen bis Hut und Transparent ist alles dabei. Ramona Wulf aus Kiel steht in der ersten Reihe und strahlt. Der König habe sich kurz mit ihr unterhalten, sagt sie. «Ich konnte ihm auch meinen hausgemachten Honig überreichen.» Und dann habe Camilla ihr noch gesagt, dass sie ihren Hut mag. «Jetzt sind wir ganz beseelt.»

Kevin Franklin aus Birmingham wartet mit einem kleinen Tulpenstrauß an der Absperrung. Er wohnt seit vielen Jahren in Hamburg und hat Charles bereits beim Staatsbegräbnis der Queen gesehen. «Jetzt sind wir stolz, einen neuen König zu haben.» Als sich das dunkelblau gekleidete Paar zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und deren Ehefrauen auf dem Rathaus-Balkon zeigt, ist die Menge begeistert.

Charles trägt sich mit eigenem Füller ins Goldene Buch ein

Im Rathaus tragen sich der König und seine Frau in das Goldene Buch der Stadt Hamburg ein. Zuerst greift Charles zum bereit gelegten Stift - doch dann überlegt er es sich anders und zieht einen eigenen Füller aus dem Anzug. Im vergangenen Herbst hatte ihn in Nordirland ein auslaufender Füllfederhalter in Rage gebracht, als der Stift zu schmieren begann. Der König schreibt Name und Datum auf das Blatt. Bürgermeister Tschentscher öffnet anschließend das Goldene Buch und zeigt Charles die Unterschriften seiner Eltern Elizabeth und Philip bei ihrem Besuch 1965 in der Hansestadt.

Am dritten Tag ihres Deutschland-Besuches ist das Königspaar mit einem normalen ICE aus Berlin gekommen, geschmückt mit einer Banderole in den Farben der Deutschlandflagge. Mit «Moin, and welcome dear passengers», begrüßt der Zugbegleiter alle bürgerlichen und royalen Passagiere nach der Abfahrt.

Vor dem Bahnhof warten Fans und Neugierige im Nieselregen auf den Monarchen, darunter auch die Klasse 5g der Stadtteilschule Bergedorf. Die elfjährige Nova sagt: «Ich bin total aufgeregt. Bisher habe ich den König nur im Fernsehen gesehen. Jetzt finde ich es richtig cool, wenn ich ihn in echt sehen kann.» Das Königspaar nutzt die Gelegenheit, um unter dem Jubel der Menschen einigen die Hände zu schütteln.

Erste Station: Denkmal «Kindertransport – der letzte Abschied»

Am Südausgang des Dammtor-Bahnhofs besuchen die Royals das Denkmal «Kindertransport – der letzte Abschied». Die Skulpturengruppe stellt den Moment des Abschieds von zwei Kindern an einem Gleis dar, während eine junge Frau und vier weitere Kinder zurückbleiben. Das Denkmal erinnert an eine große Rettungsaktion vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: Von Dezember 1938 bis August 1939 wurden mehr als zehntausend überwiegend jüdische Kinder per Zug und Schiff nach Großbritannien gebracht.

Im Anschluss legen der König, der Bundespräsident und der Bürgermeister am Mahnmal St. Nikolai Kränze nieder. Die Kirche wurde während britischer und amerikanischer Luftangriffe auf Hamburg 1943 zerstört.

Vom Rathaus geht es dann weiter zur Schiffsanlegestelle Dockland. Dort unternimmt der König eine Hafenrundfahrt mit dem Schiff «Hamburg». Eine Station ist das ehemalige Kohlekraftwerk Moorburg, das Wasserstoffstandort werden soll. An Bord spricht der 74 Jahre alte Monarch mit Vertreterinnen und Vertretern des Hafens über die Dekarbonisierung der maritimen Wirtschaft, die Förderung der regenerativen Energien und der Wasserstofftechnologie sowie die umwelt- und klimagerechte Transformation der Industrie.

Wie man Grüffelo zeichnet

Unterdessen ist Camilla in der Rudolf-Roß-Grundschule. Der Besuch steht ganz im Zeichen des Monsters «Grüffelo». In der Schulbücherei lesen Camilla und Elke Büdenbender das Kinderbuch der englischen Autorin Julia Donaldson mit verteilten Rollen. Die Stimmen der Tiere, die die kleine Maus in der Geschichte trifft, sprechen die Schüler einer dritten Klasse auf Englisch. Der durch seine Illustrationen zu dem Buch bekannt gewordene Künstler Axel Scheffler übernimmt die angstmachende Stimme des Grüffelo.

Anschließend zeigt Scheffler in einer anderen dritten Klasse, wie man das Monster zeichnet. Auch Camilla und Elke Büdenbender sitzen an Schultischen und machen mit. Die beiden Damen sind nahbar und suchen den Kontakt mit den Kindern. Camilla beantwortet Fragen nach ihren Haustieren - Hunde und Pferde - und ihren Hobbys - Gärtnern und Lesen. In Hamburg sei sie zum ersten Mal, die Stadt gefalle ihr sehr gut.

Im Anschluss geht es für Charles und Camilla zu einem Fest der britischen Botschaft mit rund 1000 Gästen im Schuppen 52 im Hafen - empfangen werden sie mit britischer und deutscher Musik. Beatles-Expertin Stefanie Hempel und ihre Coverband The Silver Spoons präsentieren Lieder der Jungs aus Liverpool, die in Hamburg berühmt wurden. «Das Beatles-Programm ist ein ausdrücklicher Wunsch vom Palast gewesen», sagt Hempel der Deutschen Presse-Agentur. Der Hamburger Shanty-Chor De Tampentrekker spielte «Auf der Reeperbahn nachts um halb eins». Mehr Hamburg geht nicht.

© dpa ⁄ den dpa-Korrespondenten
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