Baby-Boom in der Pandemie 

Spontaner Sex im Lockdown oder bewusste Familienplanung? Die Corona-Pandemie scheint sich auf die Geburtenzahlen in Deutschland ausgewirkt zu haben. Es gibt jedenfalls deutlich mehr Kinder.
Die Zahl der Geburten in Deutschland ist ersmals 2017 wieder gestiegen. © Sebastian Gollnow/dpa

Mit 795 492 Neugeborenen sind im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 22 000 Babys mehr zur Welt gekommen als im Jahr davor.

Damit sei 2021 die zusammengefasste Geburtenziffer erstmals seit 2017 wieder gestiegen, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Waren im Jahr 2020 noch 1,53 Kindern je Frau geboren worden, betrug die Geburtenziffer im vergangenen Jahr 1,58 Kinder je Frau. Zu diesem Anstieg dürfte die relativ stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung mit der besonderen Situation der Corona-Pandemie zum Zeitpunkt der Zeugung beigetragen haben, hieß es.

Kann man da schon von einem Baby-Boom in der Pandemie sprechen? «Es ist auf jeden Fall ein deutlicher, starker Zuwachs» sagte eine Sprecherin des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden.

Lockdown für Familienplanung genutzt

Da der Anstieg vor allem auf Geburten im ersten und im vierten Quartal zurückzuführen ist, dürften die Gründe vielschichtig sein: «Bei Geburten im ersten Quartal liegt der Zeitpunkt der Zeugung im ersten Lockdown, da waren die Menschen noch optimistisch, dass Corona bald vorbei ist.» Dank Kurzarbeitergeld und Beihilfen sei auch die wirtschaftliche Situation vieler Menschen sicherer gewesen. Da es sich bei den Neugeborenen vor allem um weitere Kinder verheirateter Eltern gehandelt habe, dürfte der Lockdown für die Familienplanung genutzt worden sein.

Mehr Rätsel gibt den Statistikern der Geburtenanstieg im vierten Quartal 2021 auf. Denn der Zeugungszeitpunkt habe in einer «eher schwierigen Zeit» gelegen: Der Herbst-Lockdown 2020 war noch nicht vorbei, das Warten auf eine Impfmöglichkeit dauerte an. «Wir haben noch zu wenige Daten, welche Familien betroffen sind», hieß es beim Statistischen Bundesamt.

Neue Erkenntnisse könnte der Mikrozensus geben, der derzeit durchgeführt wird. «Viele Fragen sind noch offen.» Die Ergebnisse des Mikrozensus werden erst im kommenden Jahr veröffentlicht.

Vor allem in den westlichen Bundesländern stieg die Geburtenziffer - am stärksten in Baden-Württemberg mit einem Anstieg um fünf Prozent, gefolgt von Bayern und Hessen mit jeweils vier Prozent.

In den ostdeutschen Bundesländern betrugen die Zuwächse der Geburtenziffer nur ein bis zwei Prozent, in Thüringen und Sachsen nahm sie sogar leicht ab. Die höchste Geburtenziffer wurde 2021 in Niedersachsen mit 1,66 Kindern je Frau gemessen. Am niedrigsten war sie in Berlin mit 1,39.

Bei den Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit war die Geburtenziffer mit 1,49 Kindern je Frau im vergangenen Jahr deutlich höher als 2020. Damals wurden 1,43 Kinder je Frau geboren. Bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit blieb die Geburtenziffer mit 2,01 Kindern je Frau nahezu unverändert.

Beim erstgeborenen Kind der Frau betrug das durchschnittliche Alter der Mütter im vergangenen Jahr 30,5 Jahre, der Vater war durchschnittlich 33,3 Jahre alt. Unabhängig davon seien Mütter 2021 bei einer Geburt im Durchschnitt 31,8 Jahre alt gewesen - Väter 34,7.

© dpa
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