Rumänien: Tate-Brüder aus U-Haft entlassen - Hausarrest

Dem Influencer Andrew Tate und seinem Bruder Tristan wirft die Justiz sexuelle Ausbeutung junger Frauen vor. Nach drei Monaten U-Haft dürfen die Tate-Brüder vorläufig zurück in ihre Villa bei Bukarest.
Der Influencer Andrew Tate (l) und sein Bruder Tristan wurden nach drei Monaten Untersuchungshaft in Bukarest aus dem Gefängnis entlassen. © Alexandru Dobre/AP

Nach drei Monaten Untersuchungshaft in Bukarest sind der britisch-amerikanische Influencer Andrew Tate und drei mutmaßliche Komplizen aus dem Gefängnis entlassen worden.  Stattdessen wurden die Vier, denen vorgeworfen wird, junge Frauen sexuell ausgebeutet zu haben, unter Hausarrest gestellt. Das entschied das Bukarester Appellationsgericht am Freitagabend. Die Vier verließen das Gefängnis unter dem Beifall vieler Fans vor dem Tor, wie der TV-Sender Digi24 live zeigte.

Der Hausarrest solle für 30 Tage gelten. Danach dürfte auf Antrag der Staatsanwaltschaft erneut vor Gericht entschieden werden, ob der Hausarrest verlängert, eine neue Untersuchungshaft verhängt wird oder ob die Vier völlig auf freien Fuß gesetzt werden. Das Appellationsgericht hatte am Freitag über einen Antrag der Vier auf Beendigung der Untersuchungshaft entschieden, die eine niedrigere Instanz bis Ende April verlängert hatte.

Die Fluchtgefahr ist gering

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft habe die U-Haft verhindern sollen, dass Tate Zeugen beeinflusse. Eine Fluchtgefahr sei jetzt aber gering, weil der Hausarrest auch bedeute, dass der Betroffene seine Ausweise bei der Polizei abgeben müsse und dass der Grenzschutz alarmiert werde, sagen Experten. Rumäniens Grenzen werden kontrolliert, weil das Land nicht zum Schengen-Raum gehört.

«Es ist die richtige Entscheidung, weil ich unschuldig bin und darauf warte, es zu beweisen», erklärte Tristan Tate nach einem Bericht des rumänischen Portals «libertatea.ro». Er habe sich in der Haft auf Liegestütze und das Lesen des Korans konzentriert, sagte sein Bruder Andrew.

Die vier Verdächtigen wurden am 30. Dezember 2022 im Bukarester Vorort Voluntari verhaftet. Die Ankläger werfen Andrew Tate, seinem Bruder Tristan Tate und zwei Rumäninnen vor, eine organisierte Verbrechergruppe gebildet zu haben mit dem Ziel, Frauen sexuell auszubeuten. Sie sollen junge Frauen dazu gezwungen haben, bei kommerziell verbreiteten Sex-Videos mitzuwirken.

Dazu sollen sie die sogenannte Loverboy-Methode verwendet haben: Mit Manipulationstechniken hätten sie die Mädchen von sich abhängig gemacht. Einige Opfer sollen sie dabei auch bedroht und erpresst haben. Eine der zwei mutmaßlichen rumänischen Komplizinnen der Tate-Brüder war früher Polizistin. Bislang seien sechs Opfer ermittelt worden. Die Tate-Brüder bestreiten die Vorwürfe.

«Küchenschaben, Läuse und Wanzen sind nachts meine einzigen Freunde»

Bei ihrer Verhaftung entdeckten die Ermittler in der Villa der Tate-Brüder Waffen und hohe Summen an Bargeld - darunter eine Gorilla-Figur, die aus US-Dollar-Banknoten gebastelt worden war. Später wurden zehn Immobilien und 15 Luxusautos beschlagnahmt, die die Tates in Rumänien besaßen. Aus dem Arrest in Bukarest beklagte sich Andrew Tate über die Haftbedingungen: «Küchenschaben, Läuse und Wanzen sind nachts meine einzigen Freunde», sagte er.

Bekannt wurde Andrew Tate 2016, als er aus der britischen Big-Brother-Show herausgeworfen wurde, nachdem ein Video publik geworden war, in dem er eine Frau mit einem Gürtel schlägt. Als Influencer hatte er sich mit frauenverachtenden Aussagen in Szene gesetzt. In Großbritannien und darüber hinaus gilt er als Inbegriff der sogenannten «toxischen Männlichkeit».

Unmittelbar vor seiner Verhaftung in Rumänien hatte Tate die Klimaaktivistin Greta Thunberg attackiert und damit die Aufmerksamkeit eines Millionenpublikums auf sich gezogen. In einem Tweet, den er an Thunberg gerichtet hatte, prahlte er mit der Zahl seiner Autos. «Bitte gib mir deine E-Mail-Adresse, damit ich dir eine vollständige Liste meiner Autosammlung und der enormen Emissionen schicken kann», schrieb er.

Die Vorreiterin der weltweiten Klimaschutzbewegung Fridays for Future reagierte jedoch schlagfertig: «Ja, bitte kläre mich auf, schreib mir an smalldickenergy@getalife.com.» (also so viel wie «Kleiner-Schwanz-Kraft» @ «Hast Du eigentlich nichts Besseres zu tun?»). Ihr Post verzeichnete mehr als 3,4 Millionen «Gefällt mir»-Angaben - der Post des ehemaligen Kickboxers dagegen nur gut 213 000.

© dpa
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