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Klimakrise: Warum manche Menschen lieber wegschauen

Die Schlagzeile über einen Hitzerekord wird weggeklickt, die Kritik an einer Flugreise abgewimmelt. Statt sich mit den Folgen des Klimawandels zu beschäftigen, verdrängen manche diese lieber. Warum?
Klimaprotest
Viele Menschen setzen sich für den Kampf gegen den Klimawandel ein. Manche schauen aber auch weg. © Philipp Znidar/dpa

Unangenehme Dinge werden gerne verdrängt, zum Beispiel die nächste Steuererklärung oder ein längst überfälliger Zahnarzttermin. Auch der Klimawandel reiht sich in die Liste der Themen, die viele gedanklich gerne mal beiseiteschieben. Dabei sollte das Ausmaß der Folgen eigentlich in höchste Alarmbereitschaft versetzen: Hitzerekorde, Dürren und Überschwemmungen machen längst auch in Deutschland regelmäßig Schlagzeilen.

Doch anstatt ins Handeln zu kommen, wird eine Auseinandersetzung mit dem Thema gerne auf später verschoben. Der Psychologin Lea Dohm zufolge ist dieses Verhalten für den Menschen typisch und an sich nicht ungewöhnlich: «Wir brauchen Verdrängung, damit wir uns im Alltag fokussieren können», sagt Dohm. «Auch psychisch kerngesunde Menschen verdrängen immerzu irgendwas.»

Bestimmte Themen müssten ausgeblendet werden, um nicht permanent gestresst zu sein. Die Expertin ist Psychotherapeutin bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit und Mitinitiatorin des Vereins Psychologists for Future.

Kein neues Phänomen

«Bei Klimathemen klappt das Verdrängen noch ganz gut. Wenn ich einfach bestimmte Nachrichten vermeide oder vielleicht bestimmte Menschen, die mich immer wieder darauf ansprechen, dann kann es ganz gut gelingen, das im Alltag auszublenden», sagt Dohm. Das Phänomen ist in diesen Tagen möglicherweise besonders ausgeprägt, schließlich gibt es wegen der laufenden Weltklimakonferenz in Dubai gerade sehr viele Meldungen zur Klimakrise.

Doch auch zuvor gingen viele Menschen solchen Nachrichten aus dem Weg. Bei einer Befragung des Projekts Planetary Health Action Survey (PACE) im September mit rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gaben knapp ein Drittel davon an, sich selten oder nie über den Klimawandel zu informieren.

Thematik vor allem für junge Menschen belastend

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist die psychische Abwehrstrategie von Kindern und Jugendlichen laut Dohm weniger gefestigt. Deswegen neigten sie eher dazu, die Klimakrise als belastend wahrzunehmen. Das hänge aber sicher auch damit zusammen, dass sie die Konsequenzen des Klimawandels viel länger miterleben müssten, sagt die Psychologin.

Egal ist das Thema vielen Menschen auf jeden Fall nicht - das zumindest zeigt eine Studie, die dieses Jahr vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt (Uba) veröffentlicht wurde. Bei der repräsentativen Bevölkerungsumfrage bewerteten 57 Prozent der Befragten das Thema Umwelt- und Klimaschutz als «sehr wichtig». 85 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen bereits sehr starke oder starke Auswirkungen des Klimawandels in Form von anhaltender Trockenheit, Niedrigwasser und Dürren wahr.

Die Klimakrise könne überfordern und unangenehme Gefühle hervorbringen, sagt Dohm. Dass viele Menschen die Probleme trotz eines scheinbar großen Bewusstseins verdrängen, kann ihr zufolge folgenden Grund haben:

«Das Problem ist, dass Menschen keine wirksamen Handlungsmöglichkeiten kennen. Wir wissen, dass das Wissen um die Klimakrise dann besser psychisch verarbeitet wird und Menschen das Thema eher auf dem Schirm haben, wenn sie gleichzeitig den Eindruck haben: Ich kann aktiv was tun.»

Gemeinsam Schritt für Schritt gehen

Dabei müssten Menschen, die sich einbringen möchten, nicht auf einen Schlag ihr ganzes Leben umkrempeln, meint die Psychologin. «Sie dürfen Bratwurst essen und sich für den Klimaschutz einsetzen.» Niemand in der Gesellschaft sei frei von Schuld. Ein großer Einfluss lasse sich vor allem durch gemeinschaftliches Handeln nehmen.

Der Konsumforscher Michael Bilharz sieht dafür auch den Einzelnen in der Verantwortung. Der Wissenschaftler ist für den CO2-Rechner des Uba zuständig, mit dem Nutzer sich die eigene CO2-Bilanz in Tonnen berechnen lassen können.

«Wenn ich wirklich runterkommen will von meinem persönlichen Fußabdruck, dann muss ich an die Big Points ran», meint Bilharz. Zu den sogenannten Big Points, also den Bereichen, die einen besonders großen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck haben, zählten unter anderem Heizenergie, Mobilität, Ernährung und die Stromerzeugung. Generell gilt: Je höher das Einkommen, desto höher in der Regel auch das Konsumniveau, erklärt Bilharz.

Umweltschutz kann auch den Geldbeutel schützen

Wird eine Umstellung des eigenen Verhalten nicht teuer? Nicht zwangsläufig, sagt der Wissenschaftler. «So schützt ein bescheidenes Konsumniveau zum Beispiel in sehr hohem Maße die Umwelt - die kleinere Wohnung, das kleinere Auto, den Verzicht auf eine Flugreise. Das sind alles Maßnahmen, die dem Klima und der Umwelt nützen würden und erst mal ganz viel Geld sparen.»

Es gehe dabei nicht darum, das Maximale aus jeder Strategie herauszuholen. Jeder müsse abwägen, was für ihn persönlich möglich sei.

Sich mit kleinen Maßnahmen wie dem Kauf einer Bambuszahnbürste zufriedenzugeben, hält der Wissenschaftler für falsch. «Das ist fürs gute Gefühl», meint Bilharz. «Wenn wir unseren Wohlstand retten wollen, müssen wir die Klimakrise in den Griff bekommen und eine klimaneutrale Wirtschaft und Lebensweise erreichen.»

© dpa ⁄ Mia Bucher, dpa
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