Ischgl-Prozess: 90.000 Euro wegen «Long Covid» gefordert

30.09.2021 Er lag nach seiner Rückkehr aus dem Tiroler Ski-Ort über Wochen im Koma und leidet noch immer an Spätfolgen. Nun will ein Mann aus Baden-Württemberg vom Staat Österreich eine hohe Entschädigung.

Ein Ortsschild mit durchgezogener roter Linie steht am Ende der Ortschaft Ischgl. Foto: Jakob Gruber/APA/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Streit um Corona-Infektionen im österreichischen Skiort Ischgl hat ein schwer erkrankter deutscher Urlauber den Staat Österreich auf insgesamt 90.000 Euro Schadenersatz geklagt.

Die Verhandlung vor dem Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen am Donnerstag war der erste Prozess eines deutschen Klägers im Zusammenhang mit den Vorgängen in Ischgl im März 2020. Der Vorwurf: Politik und Behörden hätten bei der Eindämmung des Virus versagt. Mit einem Urteil wird bis Jahresende gerechnet.

Der Kläger, ein Mann Mitte fünfzig aus Baden-Württemberg, bekam kurz nach seiner Rückkehr aus dem beliebten Tiroler Ski- und Partyort Covid-19-Symptome. Er lag laut seinem Anwalt Alexander Klauser wochenlang im künstlichen Koma und leidet noch immer an Spätfolgen (Long Covid). «Es liegt ein richtig schwerer Fall vor», sagte Klauser. Wegen zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit wurde die Forderung von ursprünglich 76.000 auf 90.000 Euro angehoben.

Wie schon im ersten Ischgl-Prozess um einen gestorbenen österreichischen Urlauber am 17. September ließ das Gericht auch am Donnerstag kein ausgedehntes Beweisverfahren zu. Aus Sicht der Richterin lagen bereits ausreichende Unterlagen vor.

Klauser beantragte erfolglos Vernehmungen von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, Innenminister Karl Nehammer und dem ehemaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober, um unter anderem die chaotische Massenabreise aus Ischgl nach der plötzlichen Schließung des Skiortes zu untersuchen. Vertreter des Staates argumentierten, dass die Klage nach dem Epidemiegesetz ins Leere laufe, weil es die öffentliche Gesundheit schütze, aber nicht auf einzelne Menschen anwendbar sei.

Insgesamt haben rund ein Dutzend Menschen Klagen wegen Ischgl eingebracht. Der Fall eines weiteren Deutschen wird am Freitag verhandelt.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Fußball news

Fußballweltmeisterschaft: Argentinien schlägt Chile in WM-Qualifikation

People news

Musiker: «Aloha heja he»: Achim Reichel wird 78

Job & geld

Altersvorsorge: Lohnt sich ein Riester-Vertrag?

Internet news & surftipps

Rechtsstreit: Mit Pseudonym auf Facebook? Für Altfälle rechtens

People news

Hauptstadt: Straße in Kanada soll nach Ryan Reynolds benannt werden

Internet news & surftipps

Datenschutz: EU-Kommission nimmt WhatsApp ins Visier

People news

Royal: Prinz Andrew: Missbrauchsvorwürfe sollen vor Gericht

Internet news & surftipps

Klage: Tiktok will Nutzerdaten nicht massenhaft ans BKA melden

Empfehlungen der Redaktion

Regional baden württemberg

Ischgl-Prozess: Deutscher fordert 90.000 Euro

Regional nordrhein westfalen

Verbraucherschützer: Ischgl-Klagen wohl chancenlos

Regional bayern

Corona-Prozess: Staat könnte auf Verjährung verzichten

Panorama

Covid-Hotspot: Ischgl-Prozess: Corona-Hinterbliebene wollen Gerechtigkeit

Regional bayern

Lauterbach sieht Après-Ski in der Wintersaison kritisch

Panorama

Justiz: Erster Prozess im Fall Ischgl: Witwe fordert 100.000 Euro

Ausland

Hohe Infektionszahlen: Österreich wird Hochrisikogebiet

Panorama

Wintersport: Ex-Hotspot Ischgl startet Skisaison