Staatsanwalt: Todesfahrer vom Ku'damm wohl schuldunfähig

Ein 29-Jähriger soll im Juni in Berlin laut Staatsanwaltschaft zunächst in eine Schülergruppe aus Hessen gefahren sein. Dabei kam eine 51 Jahre alte Lehrerin ums Leben. Wie es mit ihm weitergeht.
Polizei und Rettungsdienste sichern das Areal nach der Todesfahrt am Kurfürstendamm. Nun liegt ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten die Schuldunfähigkeit des 29-jährigen Tatverdächtigen nahe. © Fabian Sommer/dpa

Nach der Todesfahrt auf dem Kurfürstendamm mit einer Toten und zahlreichen Schwerverletzten legt ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten die Schuldunfähigkeit des 29-jährigen Tatverdächtigen nahe. Die Staatsanwaltschaft habe deshalb einen Antrag im sogenannten Sicherungsverfahren beim Landgericht Berlin eingereicht, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Ein solches Verfahren wird angestrebt, wenn der mutmaßliche Täter etwa wegen einer psychischen Erkrankung während der Tat schuldunfähig gewesen sein könnte.

Sollte sich die Schuldunfähigkeit des Mannes in der Hauptverhandlung bewahrheiten, «bestünde keine strafrechtliche Verantwortlichkeit», teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. In diesem Fall strebe sie an, dass der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werde. Es sei zu befürchten, dass er ohne Behandlung weitere gefährliche Taten begehen werde.

In Schülergruppe gefahren

Der 29-Jährige soll am 8. Juni mit einem Auto auf dem Ku'damm in der Nähe des Breitscheidplatzes laut Staatsanwaltschaft zunächst «bewusst» in eine Schülergruppe aus Hessen gefahren sein. Dabei kam eine 51 Jahre alte Lehrerin ums Leben. Ein Kollege sowie zwölf Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren wurden verletzt, manche lebensgefährlich.

Danach setzte der Täter die Fahrt fort und fuhr ungebremst über die Einmündung der Marburger Straße hinweg auf den gegenüberliegenden Gehweg. Dort erfasste er zwei Männer und eine schwangere Frau und verletzte sie ebenfalls schwer. Schließlich krachte der Mann mit dem Fahrzeug in die Schaufensterscheibe eines Parfum-Geschäfts.

Der Beschuldigte ist seither in einem Krankenhaus des Maßregelvollzugs untergebracht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann in dem Antrag unter anderem vollendeten «Heimtückemord» sowie 16-fachen Mordversuch vor.

© dpa
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