Fleischkontrolle: Hühner fallen häufiger durch als Schweine

Eiter, Entzündungen, Parasiten - Tierärzte erklären nach dem Schlachten immer wieder Schweine und Hühner für ungenießbar. Bei Geflügel hat sich vor allem ein Faktor verschlechtert.
2,1 Prozent der 634 Millionen im Jahr 2021 geschlachteten Masthühner waren nicht zum Verzehr geeignet - das sind mehr als 13,3 Millionen. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Hühner fallen bei Fleischuntersuchungen zunehmend häufiger durch als Schweine. Von den 50,4 Millionen im Jahr 2021 in deutschen Betrieben geschlachteten Mastschweinen wurden laut amtlicher Fleischuntersuchung 0,2 Prozent als ungenießbar eingestuft.

Bei den 634 Millionen geschlachteten Masthühnern waren 2,1 Prozent nicht zum Verzehr geeignet. Das berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

Der Anteil der zum Verzehr ungeeigneten Tiere blieb bei Schweinen gegenüber dem Vorjahr unverändert. Bei Masthühnern stieg er deutlich: Im Vorjahr hatte der Wert bei 1,7 Prozent gelegen.

Hauptgrund für die Untauglichkeitserklärung bei Schweinen waren Abszesse, also Eiteransammlungen im Gewebe (36,2 Prozent der Fälle). Danach folgten Abweichungen in Geruch, Konsistenz oder Farbe (15 Prozent) und nicht näher spezifizierte Allgemeinerkrankungen (12 Prozent).

Lungenentzündungen und Leberparasiten

Bei der Untersuchung der Organe zeigte sich, dass 5,4 Prozent der geschlachteten Mastschweine an einer Lungenentzündung litten. Der Anteil ist 2021 leicht gesunken: In den beiden Vorjahren hatten 5,7 beziehungsweise 6,6 Prozent eine entzündete Lunge. Bei Lebern zeigte sich ein entgegengesetzter Trend: Bei 10,4 Prozent der untersuchten Mastschweine war die Leber mit Parasiten befallen. In den Vorjahren hatte dieser Anteil bei 9,8 beziehungsweise 9,3 gelegen.

Bei den Masthühnern stellte die sogenannte tiefe Dermatitis - eine Hautentzündung im Bereich des Unterbauches und des Darmausgangs - die Hauptursache für eine Untauglichkeit dar (29,4 Prozent der Fälle). Bei 16,3 Prozent gab das Untersuchungspersonal Bauchwassersucht an, das war der zweithäufigste Befund.

Schlachtschäden

Neben solchen tierbezogenen Untauglichkeitsgründen dokumentiert das Personal auch sogenannte Schlachtschäden. Sie können laut Bundesamt zum Beispiel durch unzureichende Ausblutung der Tiere entstehen. Bei Mastschweinen war das bei 0,03 Prozent aller geschlachteten Tiere der Fall - etwas mehr als im Vorjahr, wo es 0,02 Prozent waren. Bei der Schlachtung von Masthühnern wurden 0,4 Prozent der Tiere wegen Schlachtschäden für untauglich erklärt. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 0,3 Prozent gelegen.

«Nutztiere werden in deutschen Ställen systematisch krank gemacht - und zwar in allen Haltungsformen, egal ob bio oder konventionell, ob kleiner Familienbetrieb oder große Tierfabrik», sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler. «Wir brauchen endlich unabhängige Kontrollen der Verletzungen und Gesundheitsschäden der Tiere in jedem einzelnen Stall. Betriebe, die es nicht schaffen, ihre Tiere gesund zu halten, müssen sanktioniert werden; Betriebe mit gesunden Tieren müssen belohnt werden.»

Bei der sogenannten Schlachttier- und Fleischuntersuchung untersucht amtliches Personal, also zum Beispiel Tierärzte, alle in zugelassenen Schlachtbetrieben angelieferten und geschlachteten Tiere. Die zuständige Veterinärbehörde meldet das Untersuchungsergebnis halbjährlich an das Statistische Bundesamt. Die Zahlen werden in dieser Form erst seit 2019 erhoben - daher ist ein langfristiger Vergleich nur eingeschränkt möglich.

© dpa
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