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Deutsche lieben ihr Sofa - aber auch Kultur und Sport boomen

Koch- oder Spieleabende zu Hause liegen im Trend - aber die Deutschen haben nach Corona auch einiges nachzuholen: Dann geht es ins Theater, Kino oder ins Fitnessstudio. Nur ein Ort kann nicht profitieren.
Freizeit
Segeln auf der Alster: Den Deutschen bleibt weniger Zeit für Freizeitaktivitäten. © Jonas Walzberg/dpa

Die Folgen der Corona-Pandemie machen sich laut einer neuen Studie weiterhin im Freizeitverhalten der Deutschen bemerkbar.

«Die Bürger surfen im Internet, lassen sich durch das Fernsehprogramm informieren, unterhalten oder berieseln, sind in sozialen Netzwerken unterwegs, telefonieren, texten oder streamen. Die eigene Couch wird so zum Epizentrum der modernen Freizeitgestaltung», sagte Prof. Ulrich Reinhardt in Hamburg bei der Vorstellung des «Freizeit-Monitor 2023». Die Umfrage wird seit mehr als 40 Jahren von der Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT) erhoben.

«Internetnutzung» verlässlich auf Platz 1

Auf der Rangliste der beliebtesten Freizeitaktivitäten landete wie in den vergangenen vier Jahren «Internet nutzen» auf Platz 1. Von je 100 Befragten gaben 97 das als regelmäßige Freizeitaktivität an (wenigstens einmal pro Woche). Auf den weiteren Plätzen landeten «Fernsehen» (84), «Musik hören» (83), «sich mit PC, Laptop, Tablet beschäftigen» (82) und «E-Mails lesen oder schreiben» (81). Danach folgen «Handy spielen» (78), «Radio hören» (72) und «Eigenen Gedanken nachgehen» (72). «Fernsehen bleibt sehr beliebt, hat aber auf Dauer kaum eine Chance gegen das Netz», sagte Reinhardt.

Laut der Studie finden auch gemeinsame Aktivitäten mit dem Partner, den Freunden und der Familie gerne im häuslichen Umfeld statt - seien es Koch- oder Spieleabende, Zeit für Gespräche, gesellige oder gemütliche Abende. «In einer Zeit und Welt, die oftmals von äußeren Einflüssen und Schnelllebigkeit geprägt ist, gewinnt die Gestaltung der Freizeit daheim immer mehr an Bedeutung - sei es als Quelle der Erholung, der persönlichen Interessen und der zwischenmenschlichen Verbundenheit», sagte Reinhardt, der Leiter der Stiftung.

Kulturboom

Aber auch kulturelle Freizeitangebote - von Museen über Konzerte bis hin zu Kinovorstellungen und Freizeitparks - erfreuten sich bei vielen Deutschen einer steigenden Beliebtheit, allerdings auf deutlich geringerem Niveau als häusliche Aktivitäten. «Hierbei spielt das Nachholbedürfnis nach der Corona-Zeit nach wie vor eine große Rolle», sagte Reinhardt. Vom Kulturboom nicht profitieren könnten einzig Diskotheken und Clubs. Galten die Tanzflächen einst als Inbegriffe des Nachtlebens und des sozialen Treffpunkts würden sie mittlerweile deutlich seltener besucht als vor zehn Jahren.

Ebenfalls deutlich häufiger als vor zehn Jahren werden sportliche Aktivitäten wie Spazieren gehen oder Jogging ausgeübt. «Viele Bürger schnüren ihre Laufschuhe, setzen die Schwimmbrillen auf oder besuchen ein Fitnessstudio», sagte Reinhardt. Das sei einerseits auf das zunehmende Gesundheitsbewusstsein zurückzuführen, anderseits auch auf das gesteigerte Bedürfnis nach Bewegung und nach einem Ausgleich zur Arbeits- sowie Freizeit am Schreibtisch oder Bildschirm.

Freie Zeit im Schnitt knapp vier Stunden am Tag

Weniger Zeit haben die Bürger laut der Studie für zwischenmenschliche Beziehungen - sei es mit den Nachbarn, Kindern oder Großeltern. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass die Menschen im Vergleich zum ersten Coronajahr 2020 durchschnittlich eine halbe Stunde weniger Freizeit haben. Während die Menschen im Durchschnitt vor drei Jahren täglich noch 4 Stunden und 19 Minuten für ihre persönlichen Aktivitäten aufwenden konnten, ging diese Zeit nun auf 3 Stunden und 55 Minuten zurück, wie die Studie ergab.

Die Veränderung lasse sich auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. «Ein Hauptgrund ist weniger Home-Office. Zwar offerieren viele Firmen ihren Mitarbeitern noch, einen Teil ihrer Arbeitszeit daheim zu verbringen, jedoch kehren viele auch wieder zurück in die Unternehmen. Die entsprechenden Wegezeiten fehlen im Freizeitbudget», sagte Reinhardt. Auch habe der Anteil an Verpflichtungen zugenommen - seien es die Einkäufe im Supermarkt, die Treffen mit Familienangehörigen oder die Stunden als Trainer im Verein.

© dpa ⁄ Carola Große-Wilde, dpa
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