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Baumängel am Hotel? Großprozess nach Beben in Türkei

Beim Bau eines Hotels, das beim Erdbeben in der Türkei einstürzte, wurde mutmaßlich gepfuscht. Unter den 72 Todesopfern waren auch junge Volleyballer aus Zypern. Die Eltern fordern nun Gerechtigkeit.
Türkei
Das Isias-Hotel im südtürkischen Adiyaman stürzte bei dem Erdbeben am 6. Februar 2023 vollständig ein. © Mirjam Schmitt/dpa

Elf Monate nach den schweren Erdbeben in der Türkei soll in einem ersten großen Prozess der Einsturz eines Hotels und der Tod von jungen Volleyballern aufgearbeitet werden.

Heute müssen sich dafür im südtürkischen Adiyaman ein Hotelbesitzer und zehn weitere Angeklagte vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, für den Tod von 72 Menschen verantwortlich zu sein. Gutachtern zufolge wies das Hotel massive Baumängel auf.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Das Vier-Sterne-Hotel war am 6. Februar 2023 bei dem Beben am frühen Morgen eingestürzt und hatte unter anderem zwei Volleyball-Schulteams aus Nordzypern mit 26 Kindern unter sich begraben. Auch eine Gruppe Reiseführer, die auf Fortbildung waren, wurde verschüttet. Das jüngste Todesopfer war zehn Jahre alt. Eltern der Opfer und Beobachter aus Nordzypern reisten zu dem Prozess an. Sie hielten vor dem Gericht in Adiyaman unter Tränen Schilder mit Bildern ihrer toten Kinder hoch.

Rusen Karakaya, die ihre 14-jährige Tochter verloren hat, sagte: «Jeder, der das Grand Isias-Hotel gebaut hat, ist schuldig.» Sie werde nicht ruhen, bis die Verantwortlichen, vom Bauherrn bis zu denen, die die Genehmigung erteilt haben, zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten bewusste fahrlässige Tötung und die Verletzung von mehr als einer Person vor. Den Beschuldigten drohen im äußersten Fall mehr als 22 Jahre Haft. Fünf von ihnen, darunter der als Bauherr agierende Hotelbesitzer und der Architekt, sitzen in Untersuchungshaft. Sie weisen die Vorwürfe von sich.

Baumängel und Planungsfehler

Die Angehörigen fordern angesichts von Baumängeln und Planungsfehlern eine Anklage wegen mutmaßlichen Vorsatzes. Das hätte härtere Strafen zur Folge. In einer separaten Ermittlung soll die Verantwortung der Behördenmitarbeiter geklärt werden, die Genehmigungen ausstellten.

Am 6. Februar hatte um 4.17 Uhr ein Beben der Stärke 7,7 den Südosten der Türkei und Nordsyrien erschüttert, ein weiteres Beben der Stärke 7,6 folgte am Nachmittag desselben Tages. Allein in der Türkei kamen nach Regierungsangaben rund 50.800 Menschen ums Leben. Mehr als 35.000 Gebäude stürzten einem offiziellen Bericht zufolge vollständig ein, Zehntausende weitere wurden beschädigt.

© dpa
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