Stühlerücken bei der Post: Langjähriger Chef Appel geht 2023

08.12.2021 Als die Bundespost in den 1990ern privatisiert wird, ist die Post-Sparte ein Sorgenkind. Das ist lange her, der Weltkonzern ist längst auf profitablem Erfolgskurs. Für Konzernboss Frank Appel wird nun aber dennoch der Abschied eingeleitet.

Tobias Meyer wird ab Mai 2023 neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post. Foto: Patrick Pleul/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Deutsche Post bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Frank Appel soll im Mai 2023 vom bisherigen Post & Paket-Deutschlandchef Tobias Meyer abgelöst werden, wie das Bonner Dax-Unternehmen am Mittwoch nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mitteilte. Wie aus informierten Kreisen verlautete, strebt der 60-jährige Appel den Vorsitz des Aufsichtsrats bei der Deutschen Telekom an, dieses Mandat könnte er im Frühjahr nächsten Jahres bekommen. Über Appels Telekom-Pläne hatten zuvor «Handelsblatt» und das «Manager Magazin» berichtet.

Appel kam 2008 auf den Chefposten bei der Post, so lang ist kaum ein anderer Vorstandsvorsitzender eines Dax-Konzerns im Amt - nur Joachim Kreuzburg vom Laborausrüster Sartorius ist schon seit 2003 Firmenchef. Unter Appels Regie wuchs der Konzern kräftig. Zuletzt hob das Unternehmen mehrfach nacheinander die Gewinnprognose an. Der Boom im Online-Handel und zuletzt die Folgen der Corona-Pandemie sorgten für einen starken Nachfrageanstieg bei Paketen. Das Briefgeschäft schrumpft zwar wegen der Digitalisierung, ist aber ebenfalls profitabel.

Appels designierter Nachfolger Meyer ist seit 2013 im Konzern, davor war er zwölf Jahre bei McKinsey - bei dieser Unternehmensberatung war der Noch-Vorstandsboss Appel ebenfalls vor seiner Post-Karriere. Der Aufsichtsratschef der Post, Nikolaus von Bomhard, nannte den designierten Vorstandsvorsitzenden Meyer einen «ausgewiesenen Kenner des Konzerns». «Er ist die ideale Besetzung, um den eingeschlagenen Kurs erfolgreich weiterzuführen.»

Ursprünglich lief Appels Vertrag bis Herbst 2022. Nun wird dieser Vertrag um ein halbes Jahr verlängert, und zwar bis zur Hauptversammlung im Mai 2023. Dann soll Appel den Staffelstab an Meyer übergeben. «Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, mich nicht mehr für eine weitere volle Amtszeit zur Verfügung zu stellen», sagte Appel. Mit Meyer übernehme «ein Top-Manager und großartiger Kollege»: «Ich könnte mir keinen besseren Nachfolger vorstellen.»

Meyer übergibt seine jetzige Funktion als Vorstand für Post & Paket Deutschland im Juli 2022 an Nikola Hagleitner, die bisher Vertriebschefin dieses Konzernbereichs ist. Dann übernimmt Meyer von Appel die «Global Business Services» des Konzerns, die unter anderem die IT enthält, um im darauffolgenden Frühjahr auf dem Chefsessel im Bonner Post-Tower Platz zu nehmen.

Die Deutsche Post DHL hat weltweit rund 570.000 Beschäftigte, davon sind 200.000 im Konzernbereich Post & Paket Deutschland tätig. Neben der Zustellung von Briefen und Paketen gibt es auch Konzernbereiche für Frachtgut, Expresszustellungen und Lieferketten.

© dpa-infocom GmbH

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