Reul zieht als Direktkandidat in die NRW-Landtagswahl

25.10.2021 Landesminister oder Lokalchef: Diese Auswahl hatten CDU-Mitglieder im Bergischen Land. Es ging um eine Direktkandidatur in einer Hochburg der Partei. Eine Überraschung lag in der Luft. Doch mit einer guten Rede stellte der erfahrene Politiker die Weichen auf Erfolg.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht bei der Wahlkreismitgliederversammlung. Foto: Federico Gambarini/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) tritt bei der kommenden Landtagswahl als Direktkandidat seines Wahlkreises an. Der 69-Jährige setzte sich am Montagabend bei einer CDU-Versammlung in Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis durch. Die Abstimmung war für ihn eine Zitterpartie, denn mit dem Kreisvorsitzenden Uwe Pakendorf hatte er einen einflussreichen Widersacher. Der 43-Jährige war überraschend gegen Reul angetreten und hatte eine «Aufbruchmentalität» in der Partei eingefordert. Reul wiederum betonte, dass er nach der Wahl im Mai 2022 Innenminister bleiben wolle und mit dem Landtagsmandat mehr politischen Einfluss hätte.

Nach einer emotionalen Rede bekam der erfahrene Politiker eine deutliche Mehrheit von rund 71 Prozent der 227 anwesenden Wahlberechtigten. «Dass ich alter Kerl mich nochmal so saumäßig freue über so ein Ergebnis, hätte ich auch nicht gedacht», sagte Reul nach dem Votum sichtlich erleichtert.

Vor der Wahl hatten Parteimitglieder mit einem knappen Ergebnis gerechnet - sowohl Anhänger Reuls als auch Befürworter Pakendorfs hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert. Doch während die Rede von Pakendorf blass blieb und eher höflichen Applaus bekam, konnte der erfahrene Altpolitiker Reul in seiner viertelstündigen Rede beim Publikum punkten. Er betonte, dass die nächste Wahl im Land nach der herben Schlappe bei der Bundestagswahl enorm wichtig sei - da wolle er sich nicht «vom Acker machen» und in den politischen Ruhestand gehen. Er wolle alles geben, damit die CDU wieder auf Kurs komme.

Wenn er als aktiver Politiker weitermache, dann «vollständig und nicht halbherzig - mit einem Landtagsmandat, mit dem Beleg, dass ich es wirklich ernst meine». Reul warf Pakendorf schlechten Stil vor: Dieser habe seine Wahlkreis-Kandidatur nach ihm bekanntgegeben. Hätte er gewusst, dass der Kreisvorsitzende selbst die Kandidatur haben wolle, wäre er nicht angetreten, betonte Reul. Doch Pakendorf habe erst spät die Karten auf den Tisch gelegt und die Konfrontation gesucht. Mit Blick auf Pakendorf sagte er vor dem Publikum: «Er hat entschieden, ich soll den Wahlkreis nicht machen.»

Die Frauen Union hatte vor der Wahl vor einer Demontage des Innenministers gewarnt. Pakendorf wiederum hatte die Unterstützung der Jungen Union bekommen. Das allerdings half wenig: Der Altersdurchschnitt in dem Saal war gehoben. Nach dem klaren Wahlausgang bemühte sich Pakendorf um persönliche Schadensbegrenzung und stellte sich demonstrativ hinter seinen Vor-Vorgänger als Kreisvorsitzenden: Im anstehenden Wahlkampf werde man «Vollgas mit Herbert Reul» geben, so der Unterlegene.

Derzeit hat Reul keinen Sitz im Landtag. Das liegt daran, dass er vor seiner Ernennung zum Innenminister 2017 Europaabgeordneter war. Mit der Direktkandidatur hat Reul sehr gute Chancen, nach fast zwei Jahrzehnten wieder Mitglied von Nordrhein-Westfalens Landtag zu werden: Von 1985 bis 2004 saß er schon einmal in dem Landesparlament, danach wechselte er nach Brüssel. Der Wahlkreis im Bergischen Land ist eine CDU-Hochburg - bei der Landtagswahl 2017 bekam der damalige Kandidat der Christdemokraten, Rainer Deppe, 47 Prozent der Erststimmen und damit fast 20 Prozentpunkte mehr als seine SPD-Konkurrentin.

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