Hausärzte: Viele zusätzliche Patientenanfragen zu Impfungen

22.11.2021 Die Nachfrage nach Corona-Impfungen ist deutlich gestiegen. Dabei spielte auch Weihnachten eine Rolle. Jetzt kommt noch eine erneute Impfstoff-Debatte dazu. Die Hausärzte müssen deshalb viele Fragen beantworten. Heftige Kritik gibt es an Bundesminister Spahn.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die erneute Debatte um die Corona-Impfstoffe hat viele zusätzliche Patientenfragen in den Praxen ausgelöst. Der Andrang von Impfwilligen sei ohnehin schon groß, weil zahlreiche Geimpfte für das kommende Weihnachtsfest einen möglichst hohen Schutz wollten, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, am Montag der dpa.

Etliche kämen auch schon vor den empfohlenen Abstandsfristen zwischen Zweitimpfung und Boostern. Das sei auch bei den Impfzentren so zu beobachten. Auch die Sorge um mögliche Einschränkungen werde in den Gesprächen deutlich: «Das Ganze wird wieder emotional.» Erst- und Zweitimpfungen machten nach seiner Beobachtung unter fünf Prozent bei den Corona-Impfungen aktuell aus. Auch beim Booster gingen die besonders gefährdeten Personenkreise vor.

«Es reicht!» Mit diesen Worten reagierte die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, Anke Richter-Scheer, auf die Ankündigung des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), die Biontech-Liefermenge zu begrenzen. «Erst werden wir aufgefordert, mehr zu impfen und in dem Moment, in dem die Impfzahlen in den Praxen nach oben schnellen, wird uns der Impfstoff von Biontech wieder gekürzt», kritisierte sie die Politik. «Wir können hier jetzt nur fordern, dass sie bitte auch die erneute Aufklärung der Bürger übernimmt, denn für Diskussionen haben wir und vor allem unsere Praxisteams keine Zeit, die benötigen wir für das Impfen und für kranke Menschen, die ja auch noch behandelt werden wollen.»

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe zeigte großes Unverständnis. Während die Arztpraxen in dieser Woche regulär noch rund 4,6 Millionen Dosen erhalten würden, wolle Spahn ab 29. November den Impfstoff von Biontech/Pfizer rationieren. Dann sollten Ärztinnen und Ärzte nur noch maximal 30 Impfstoffdosen pro Woche bestellen können. «Der Versuch des Ministers, eine derartige Mitteilung an einem Freitagabend zu verstecken, ist schon sehr durchsichtig – verhindert das ungeheuerliche Eingeständnis seiner eigenen eklatanten Fehleinschätzung der Lage aber nicht im Geringsten», erklärte der KVWL-Vorstandsvorsitzende Dirk Spelmeyer.

«Er ist kein Kommunikationsweltmeister in solchen Sachen», sagte Funken angesprochen auf die heftigen Kritik an Spahn. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein sieht allerdings Vorteile beim Boostern mit dem dafür auch zur Verfügung stehenden Impfstoff von Moderna. Das gehe bei Moderna schneller und einfacher, erklärte er bezüglich der Menge in den Fläschchen und der Frage der Aufbereitung. Die Aufklärungsbogen zum Impfen müssten von den Patienten auch nicht neu ausgefüllt werden, da sie für beide mRNA-Impfstoffe gelten würden.

Den Menschen in Deutschland steht laut Spahn genug Corona-Impfstoff für alle Auffrisch-, Erst- und Zweitimpfungen in diesem Jahr zur Verfügung. Dabei wirke der Moderna-Impfstoff genauso gut und habe genauso wenig Nebenwirkungen wie der von Biontech/Pfizer, betonte er in Berlin. Ein Großteil der Booster-Impfungen werde aber mit dem von vielen Bürgern bevorzugten Impfstoff von Biontech vorgenommen werden können. Spahn hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff angekündigt. Dafür solle Moderna bei Auffrischungen vermehrt zum Einsatz kommen. Zur Begründung wurde auch darauf verwiesen, dass andernfalls Moderna-Dosen zu verfallen drohten. Aktuell mache der Impfstoff von Biontech über 90 Prozent der Bestellungen aus.

© dpa-infocom GmbH

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