Die Party ist aus: Elektro-Sound und Club-Kultur im Museum

08.12.2021 Wie die Feierkultur der vergangenen Jahrzehnte aussah, kann die Pandemie-Jugend der 2020er Jahre angesichts geschlossener Clubs nun wenigstens im Museum bestaunen. Die Düsseldorfer Schau «Electro. Von Kraftwerk bis Techno» umweht deshalb ein Hauch von Melancholie.

Das Werk «I've never been to Berghain» von Philip Topolovac ist in der Ausstellung zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Clubs sind geschlossen, die Party ist vorbei: Die elektronische Musik und die globale Rave-Kultur sind, eben noch schwer im Trend, von der Pandemie ausgebremst und ins Museum verbannt worden: «Electro. Von Kraftwerk bis Techno»: Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast widmet der über 100-jährigen Geschichte der elektronischen Musik und der globalen Club-Kultur erstmals in Deutschland eine so umfangreiche Schau. Sie öffnet an diesem Donnerstag (9. Dezember) und ist bis 15. Mai 2022 zu sehen.

Museums-Generaldirektor Felix Krämer verspricht «eine der lautesten Ausstellungen, die Sie je besucht haben», musikalisch garniert von der DJ-Legende Laurent Garnier. Fotokünstler Andreas Gursky, jahrelanger Wegbegleiter der Techno-Szene, hat seine monumentalen Werke aus dem Frankfurter Cocoon-Club, von der Loveparade und der Mayday zur Verfügung gestellt.

Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter hat die silbernen Helm-Masken des französischen Elektro-Duos Daft Punk besorgt. Eine Lichtinstallation vor dem Museum erinnert an den 2020 gestorbenen Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider-Esleben. Dort hatte die Gruppe noch 2017 zum Auftakt der Tour de France einen klanggewaltigen Open-air-Auftritt geboten.

Aus den Anfängen der Avantgarde, von den Tüftlern, die ab 1951 im WDR-Studio für elektronische Musik in Köln am Werk waren, sind seltsame Apparaturen herbeigeschafft worden: der Maschinenpark eines Komponisten wie Karlheinz Stockhausen.

Ein Multimedia-Raum ist den Pionieren von Kraftwerk gewidmet, die ab 1970 im legendären Düsseldorfer Kling-Klang-Studio an neuen Klängen für die Welt bastelten. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis die elektronische Musik von der Avantgarde zum globalen Mainstream wurde, die Flyer-Kultur der 1990er-Jahre die Raves ankündigte.

Mit der Schau schwinge eine gewisse Melancholie mit, sagt Kurator Alain Bieber. Die Euphorie in den Clubs, die Hunderttausende rund um die Siegessäule bei der Loveparade in Berlin: «Zeiten, wie es sie so vielleicht nicht wieder geben wird.»

Den Teil der Schau, der die globale Club-Kultur zeigt, hat Kurator Jean-Yves Leloup beigesteuert. Er war bereits in Paris und London zu sehen. Gezeigt werden über 500 teils interaktive Exponate von gut 100 Künstlern. Statt weißer Wände sind weite Teile der Ausstellung in düsteres Club-Licht getaucht. Den Blick in die Zukunft darf Musiker Jean-Michel Jarre wagen: In zehn Jahren könnten Algorithmen, könnte Künstliche Intelligenz die elektronische Musik kreieren.

Melancholische «Bonus-Tracks» gibt es im Stockwerk über der eigentlichen Schau in visueller statt akustischer Form: Fotografien von legendären, aber leeren Clubs - aufgenommen, als der letzte Gast den Laden verlassen hat und die Party vorbei ist.

© dpa-infocom GmbH

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