Corona-Impfungen von Kindern ab fünf Jahren in NRW gestartet

13.12.2021 In ersten Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen hat die Corona-Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren begonnen. Die meisten Praxen erhalten das spezielle Vakzin aber erst in einigen Tagen. Ein mobiles Impfangebot vor Grundschulen lehnen die Kinderärzte ab.

Ein Pflaster klebt auf den Arm eines Mädchens, nachdem es gegen das Covid-19-Virus geimpft wurde. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erste Kinderärzte in Nordrhein-Westfalen haben am Montag mit der Corona-Impfung von Fünf- bis Elfjährigen begonnen. Zu ihnen gehörte Kinderarzt Michael Achenbach aus Plettenberg im Sauerland, der am Nachmittag mit der Impfung von Jungen und Mädchen in dieser Altersgruppe startete. Es waren Kinder mit Herzproblemen, Asthma, Diabetes oder mit Behinderungen. Deren Eltern hätten sich vorab gut informiert, sagte der Mediziner der Deutschen Presse-Agentur. Zudem hätten sich bereits viele auf eine Warteliste setzen lassen. Die Stadt Düsseldorf meldete eine große Nachfrage zum Start der Terminvergabe für eine Impfung ab Freitag.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren empfohlen, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen. Es handelt sich noch nicht um eine finale Stiko-Entscheidung.

Achenbach, der auch Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BKJD) in Westfalen-Lippe ist, rechnete zunächst mit einem etwas holprigen Start in NRW. Erst müssten die Impfstoff-Lieferungen alle erreichen, außerdem werde es in den Praxen rund um die Weihnachtstage eingeschränkte Kapazitäten geben. Die Vorsitzende des BKJD Nordrhein, Christiane Thiele, sprach am Montag von einem Impfstart nur «ganz vereinzelt in ersten Praxen». Lieferungen würden überwiegend nicht vor Mittwoch erwartet.

Achenbach schilderte, er gehe nach einer «gewissen Priorisierung» nach medizinischen Aspekten vor. Er werde Eltern grundsätzlich weder drängen noch abweisen. «Wenn Eltern seit Monaten in Angst um ihre Kinder leben, sie isoliert haben und einen psychischen und sozialen Vorteil in der Impfung sehen, ist das sehr verständlich. Ich habe noch nie so viele Kinder mit psychischen Problemen gesehen wie in den Zeiten des Lockdowns.» Letztlich müsse die Entscheidung nach Beratung und Abwägung «aus der Familie» kommen.

Seit der Stiko-Einschätzung vom vergangenen Donnerstag werden die Kinderärzte mit Anfragen überhäuft, sagte Sprecher des BKJD Nordrhein, Axel Gerschlauer. Thiele berichtete, sie habe in ihrer Praxis bereits rund 100 Patienten auf einer Impfwarteliste.

Laut Apothekerverband Nordrhein soll das Kindervakzin ab nun landesweit weiterverteilt werden. Die meisten Kinderärzte beginnen am Ende dieser oder in der kommenden Woche mit der Immunisierung von Jungen und Mädchen ab fünf Jahren. In den Impfstellen der Kommunen und Kreise soll es von Freitag an Angebote geben.

Aus der Landeshauptstadt hieß es, die Terminvergabe für die Impfungen der Fünf- bis Elfjährigen im «Impfzentrum 2.0» sei mit großer Nachfrage gestartet. Bis nachmittags seien fast 15 000 Anrufe bei der Corona-Hotline eingegangen, rund 1400 Termine für Kinderimpfungen abgemacht worden. Wegen der knappen Liefermenge des Kindervakzins könnten aber nur 200 Kinderimpftermine pro Tag vereinbart werden. Die Mengen müssten erhöhen werden.

Für Fünf- bis Elfjährige wird ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat im Vergleich zum herkömmlichen Biontech/Pfizer-Impfstoff verwendet. Von dem mRNA-Vakzin sollen laut Stiko zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen gegeben werden. Für jüngere Kinder gibt es keinen zugelassenen Impfstoff.

Zur Debatte um ein mobiles Impfangebot auch etwa an Grundschulen zeichnete sich Konfliktpotenzial ab. In einer Mail des NRW-Schulministeriums hieß es, falls die für die Durchführung der Impfaktion zuständigen Kommunen mit «aufsuchenden» Angeboten auf die Schulen zukämen, sollten diese «nach besten Kräften unbedingt ermöglicht werden». Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, es sei «naheliegend und konsequent», dass Städte und Kreise dies auch für jüngere Kinder anböten. «Allerdings kommt mit Blick auf die betroffene Altersgruppe dem medizinischen Aufklärungs- und Beratungsbedarf der Eltern hier eine besondere Bedeutung zu.» Die Verantwortung liege bei Gesundheitsbehörden und Ärzten, nicht bei den Schulen, denen aber dennoch in Kürze Info-Material für Eltern und Lehrkräfte bekämen.

Medizinerin Thiele betonte, Kinderärzte lehnten dies ab: «Es geht um sehr junge Kinder im Kita- und Grundschulalter, die oft Angst vor einer Spritze haben und bei den Eltern auf dem Schoß sitzen.» Sie verwies auch auf einen erhöhten Aufklärungsbedarf. Zudem sei es wichtig, dass der Impfende das Kind gut kenne. Für die Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen sei es nicht ratsam, Kita und Schule als sichere Orte des Spielens und des Lernens einerseits und das Impfen per Spitze beim Arzt andererseits zu vermischen.

© dpa-infocom GmbH

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