Weniger Corona-Impfstoffe in der kommenden Woche erwartet

26.11.2021 Die Nachfrage nach Corona-Impfungen steigt. Doch gerade jetzt haben Praxen und Impfteams nicht genug Impfstoff. Die Kritik am Bundesgesundheitsministerium fällt deutlich aus.

Eine Medizinische Mitarbeiterin zieht eine Dosis eines Corona-Impfstoffes auf. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Impfteams und niedergelassene Ärzte in Niedersachsen bekommen in der kommenden Woche weniger Corona-Impfstoff als bislang angenommen. Das Gesundheitsministerium erhalte seit Freitagvormittag aus allen Landesteilen entsprechende Nachrichten, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) in einer Mitteilung. Die Beschränkung der Liefermengen gehe dabei nach den Schilderungen der Praxen und der Gesundheitsämter weit über die in der vergangenen Woche vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Kontingentierung hinaus und betreffe offenbar auch den Impfstoff von Moderna.

«Wenn der Bund hier nicht sofort Abhilfe schafft, werden in den Praxen bereits vereinbarte Impftermine ausfallen und Impfaktionen in den Kommunen kleiner ausfallen müssen als geplant. Auch der Start der 180 Impfpraxen, die ab dem kommenden Montag im ganzen Land zusätzliche Impftermine anbieten wollten, ist vor diesem Hintergrund massiv in Gefahr», sagte Behrens.

Um wie viele Impfdosen es dabei geht, konnte am Freitag zunächst nicht gesagt werden. Laut Ministerium endete am 30. September durch die Schließung der Impfzentren auch die Belieferung der Länder mit den Corona-Impfstoffen. Seitdem erfolge die Belieferung aller Impfstellen ausschließlich über den Arzneimittelgroßhandel und Apotheken.

«Ich erwarte, dass das Bundesgesundheitsministerium alle Hebel in Bewegung setzt, um die Auslieferung der fehlenden Impfstoffdosen noch in der kommenden Woche vollständig zu gewährleisten. Wenn dafür Sonderlieferungen an den Großhandel und die Apotheken notwendig sind, so müssen sie so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden», betonte Behrens.

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin wies in einer Mitteilung darauf hin, dass etwa Arztpraxen und weitere Abnehmer bis Dienstagmittag Bestellungen aufgeben müssen - dies sei seit April dieses Jahres bekannt. Dennoch haben den Angaben zufolge einige Impfzentren und Praxen in dieser Woche verspätet bestellt.

Kassenärzte in Niedersachsen und Bremen zeigten sich empört über Probleme bei der Versorgung mit Corona-Impfstoff. Wie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) am Freitag mitteilte, haben die Praxen, die sich an den Impfungen beteiligen, nicht die von ihnen bestellten Biontech-Impfstoffmengen erhalten, obwohl sie ihre Terminvergabe darauf aufgebaut hätten. Die Ärzte müssten daher viele Impfzusagen jetzt wieder zurückziehen, während die Praxen von Impfwilligen geradezu überrannt würden.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bremen kritisierte, dass Haus- und Fachärzte in Bremen und Bremerhaven für die kommende Woche voraussichtlich weniger als die Hälfte des bestellten Impfstoffes von Biontech erhalten.

Der amtierende Vorsitzende der Oberbürgermeisterkonferenz des Niedersächsischen Städtetages, Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel, zeigte sich entsetzt, dass die Zusagen des Bundes zur Impfstofflieferung nicht eingehalten würden. Der geschäftsführende Gesundheitsminister stehe in der Pflicht, «alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um kurzfristig Impfstoff für Ärzteschaft und Mobile Impfteams zu beschaffen», so Klingebiel.

Der Landkreis Verden teilte mit, eine stationäre Impfstelle am Verdener Kreishaus könne in der kommenden Woche keine Corona-Impfungen anbieten. «Grund dafür ist, dass im Apothekengroßhandel bestellte Impfmengen aufgrund von Lieferengpässen drastisch gekürzt wurden.» An mehreren Orten in Braunschweig mussten am Freitag Impfaktionen vorzeitig eingestellt werden.

Die Zahl der Corona-Erstimpfungen ist in Niedersachsen indes deutlich gestiegen. Derzeit seien es 9000 bis 10.000 Erstimpfungen pro Tag, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Dieser Wert sei fast fünf Mal so hoch wie die Zahlen, die in den vergangenen Wochen pro Tag erreicht wurden.

Seit vergangener Woche Donnerstag hätten etwa 300.000 Menschen in Niedersachsen eine Auffrischungsimpfung erhalten. Diese Impfung bekamen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bislang 9,4 Prozent aller Menschen in dem Bundesland - darunter 20,6 Prozent der Menschen, die älter als 60 Jahre sind.

Das Corona-Infektionsgeschehen spitzt sich unterdessen auch in Niedersachsen immer mehr zu. Der Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen stieg nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitag im Landesdurchschnitt von 195,1 auf 201,2 pro 100 000 Einwohner. Binnen eines Tages kamen 3415 neue Ansteckungen und 11 Todesfälle hinzu. Im Nachbarland Bremen lag die Inzidenz am Freitag bei 219,4 nach 190,4 am Vortag. Bundesweit betrug sie bereits 438,2.

Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz wurde am Freitag für Niedersachsen mit 6,7 Prozent angegeben, was einem leichten Anstieg im Vergleich zum Vortag (6,6 Prozent) entspricht. Der Wert gibt an, wie viele Infizierte in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner neu in den Krankenhäusern aufgenommen wurden. Auf den niedersächsischen Intensivstationen waren am Freitag 8,5 Prozent der maximal zur Verfügung stehenden Betten mit Covid-Erkrankten belegt (Vortag: 8,6 Prozent).

In Niedersachsen greifen die Corona-Warnstufen, wenn die Hospitalisierungsinzidenz sowie mindestens einer der anderen beiden Indikatoren (Neuinfizierte, Intensivbettenbelegung) bestimmte Schwellen überschreiten. Seit Mittwoch gilt landesweit die Warnstufe 1 mit einer flächendeckenden 2G-Regelung. Diese bedeutet, dass Ungeimpfte von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen sind. Bei einer weiteren Verschlechterung könnte bald mit der Warnstufe 2 regional die 2G-plus-Regelung verhängt werden, die für Geimpfte und Genesene zusätzlich eine Testpflicht vorsieht.

© dpa-infocom GmbH

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