Vertrauen erschlichen: 32-Jährige um Tausende Euro gebracht

05.08.2021 Sie war depressiv, Gespräche mit einem angeblichen «Dennis» sorgten dafür, dass sie sich besser fühlte. Er verlangte Geld für Schleuser, um aus der Türkei zu ihr kommen zu können. Doch er blieb in der Türkei - und vor Gericht stehen jetzt seine mutmaßliche Komplizen.

Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein Mann soll sich unter falschem Namen das Vertrauen einer jungen Frau erschlichen, Geld für Schleuser verlangt und sein Opfer um 8500 Euro erleichtert haben: Wegen des Verdachts der Geldwäsche müssen sich jetzt zwei mutmaßliche Komplizen des Mannes in Hannover vor Gericht verantworten - darunter seine eigene Mutter (Az: 216 Ds 3/19).

Zum Prozessauftakt am Amtsgericht gab ein 47 Jahre alter Angeklagter am Donnerstag über seinen Anwalt zu, er habe bei der 32 Jahre alten Altenpflegerin in Northeim Geld abgeholt und in Hannover abgegeben. Die 61 Jahre alte Mutter wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Laut Anklage soll der Sohn der 61-Jährigen dem Opfer im Juli 2018 unter falschem Namen und mit falschen Bildern von sich über eine Flirt-Chat vorgespielt haben, dass er aus der Türkei nach Deutschland kommen, sie hier treffen und hier arbeiten wolle. Er sei zwei Jahre zuvor aus Deutschland abgeschoben worden, müsse also 7500 Euro an Schleuserlohn zahlen, um zurückkommen zu können. Später verlangte er 10 000 Euro.

Die 32-Jährige übergab 4000 Euro an eine angebliche Cousine des Mannes und 4500 Euro an den 47-Jährigen. Die Mutter des Mannes wiederum soll das Geld dann zum großen Teil über Western Union in die Türkei transferiert haben. Beide sollen laut Anklage von der Herkunft des Geldes gewusst haben.

Im Chat nannte der angebliche «Dennis» die Altenpflegerin «Schatz», wie Richter Reinhard Meffert sagte. Der Polizei habe sie gesagt, der Mann habe sie «richtig um den Finger wickeln» können, habe ihr auch Geschenke gemacht. Die Frau, die nur sehr zurückhaltend und ganz leise sprach, sagte, sie habe in der Zeit Depressionen gehabt - allerdings habe sie sich besser gefühlt, wenn sie mit dem Mann gesprochen und gechattet habe. Nach seiner Ankunft in Deutschland habe er hier arbeiten und das Geld zurückzahlen wollen.

Er sei allerdings weiterhin in der Türkei, erklärte die Staatsanwältin. Die Polizei habe einen Betrag von 2800 Euro gesichert. Als «Wiedergutmachung», wie sein Anwalt sagte, ließ der 47-Jährige ihr 800 Euro übergeben, die er angespart habe - und er entschuldigte sich bei dem Opfer.

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