Sturm schüttelt Niedersachsen durch

21.10.2021 Umgestürzte Bäume und Beeinträchtigungen im Bahnverkehr: Niedersachsen bekommt den ersten Herbststurm zu spüren. Nach ersten Erkenntnissen lief der Sturm im Nordwesten jedoch glimpflich ab. Entwarnung für die Küste geben Meteorologen noch nicht.

Starkregen, Hagel und starke Sturmböen ziehen während des Sturmtiefs «Ignatz» über einen Feld mit Birken in der Region Hannover hinweg. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zahlreiche umgekippte Bäume im Harz, Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und eine leichte Sturmflut an der Nordseeküste: Der erste kräftigere Herbststurm hat am Donnerstag Niedersachsen erfasst - mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Nachmittag mitteilte. Die Feuerwehren waren vielerorts im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen. Berichte über Schwerverletzte oder größere Schäden gab es zunächst nicht. Auch am Freitag soll es stürmisch bleiben - dann vor allem an der Nordseeküste.

Der Sturm hatte Niedersachsen nach DWD-Angaben am frühen Morgen erreicht. Spitzenwindgeschwindigkeiten wurden in Hameln (Landkreis Hameln-Pyrmont) mit 90 Stundenkilometern und auf der Nordseeinsel Spiekeroog mit 100 Stundenkilometern registriert. Auf dem höchsten Berg Norddeutschlands, dem Brocken in Sachsen-Anhalt, erreichte der Sturm sogar Orkanstärke. Dort wurde am Donnerstagmittag eine Böe mit 151 Stundenkilometern gemessen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit.

Vor allem im Harz kippten zahlreiche Bäume um und versperrten einige Straßen, wie der Nationalpark und die Polizei berichteten. Der Sturm habe im Harz leichtes Spiel gehabt, sagte Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz. Speziell seit dem Dürrejahr 2018 seien die Fichtenwälder im Harz vorgeschädigt und daher sturmanfällig. Der Nationalpark und die Landesforsten warnten daher davor, Wälder im Harz und andernorts zu betreten. «Jetzt in den Wald zu gehen, ist absolut unverantwortlich. Auch wenn der Sturm abgeflaut ist, dann können Bäume noch jederzeit umfallen», warnte Knolle.

Die Feuerwehren waren vor allem im Einsatz, um die umgekippten Bäume von den Straßen zu räumen. In Wolfsburg stürzte ein Baum laut Polizei auf zwei geparkte Autos. Eine 20 Jahre alte Autofahrerin hatte dabei den Beamten zufolge großes Glück. Der Baum verfehlte demnach die Frau nur um wenige Zentimeter, als diese gerade aus ihrem Auto stieg. Ein Ast traf die Frau aber am Kopf - sie kam in eine Klinik.

Auf der Autobahn 31 nahe Wietmarschen (Landkreis Grafschaft Bentheim) verunglückte eine 22-Jährige im Sturm mit ihrem Auto. Eine Polizeisprecherin sagte am Donnerstag, die Frau habe angegeben, ihr Wagen sei am Donnerstagmorgen von einer Windböe erfasst worden. Daraufhin verlor die Fahrerin die Kontrolle und kam nach rechts von der Fahrbahn ab. Sie kam schwer verletzt in eine Klinik.

Der Sturm beeinträchtigte zum Teil auch den Bahn- und Fährverkehr. Zu Behinderungen kam es demnach zeitweise vor allem im S-Bahn-Verkehr rund um Hannover. Züge der Linien S1 und S2 fielen aus oder verspäteten sich. Auch auf Strecken um Northeim und Richtung Küste kam es zu Verspätungen. Die Bahngesellschaft Erixx meldete im Harz und in der Heide auf einigen Linien Störungen durch Äste und Bäume in den Gleisen. Zu den Ostfriesischen Inseln fielen einzelne Fährverbindungen wegen erwarteter höherer Wasserstände am Mittag aus.

An der Nordseeküste kam es nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zu einer leichten Sturmflut. Bei stürmischem Wind aus West-Nordwest überschritten alle Pegelstände klar die Grenzwerte einer leichten Sturmflut, sagte NLWKN-Sprecher Carsten Lippe am Donnerstagnachmittag. Für die Küstenschutzbauwerke stellten solche leichten Sturmfluten, die statistisch bis zu zehn Mal in der Saison auftreten können, aber keine größere Herausforderung dar. «Das ist ein Sturmflutgeschehen, wie wir es erwarten», sagte Lippe.

Durch die erhöhten Wasserstände wurden einzelne Hafenbereiche überspült. In Wilhelmshaven stand laut Wasserschutzpolizei ein Auto auf einem Parkplatz im Hafen bis zu den Reifen im Wasser. Der Besitzer hatte es nicht rechtzeitig entfernt. Auch für das Hochwasser in der Nacht zum Freitag sowie für das Mittagshochwasser am Freitag erwartet der NLWKN leichte Sturmfluten.

Die schlimmsten Sturmböen waren am Donnerstagnachmittag unterdessen für das Binnenland überstanden, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Eine Entwarnung gibt es aber noch nicht ganz: Insbesondere an der Nordseeküste bleibe es weiterhin stürmisch, sagte DWD-Meteorologe Karsten Kürbis. «Da erwarten wir morgen erst den Höhepunkt des Windes.»

Direkt an der Küste und auf den Inseln seien dann erneut Windgeschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometern möglich. Auch im Binnenland gebe es weiterhin Sturmböen der Stärke 8 zwischen 65 km/h und der Stärke 9 mit bis zu 85 km/h. Erst am Freitagabend soll der Wind insgesamt nachlassen.

© dpa-infocom GmbH

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