Schwere Schäden nach Tornado in Ostfriesland

17.08.2021 Nach einem Tornado in der Gemeinde Großheide in Ostfriesland werden bei Tageslicht die massiven Schäden sichtbar: Häuser sind abgedeckt, Gebäudeteile herausgerissen, überall liegen umgekippte Bäume. Dass niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder.

Andreas Friedrich ist Tornadobeauftragter und Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes. Foto: Deutscher Wetterdienst/dpa-tmn/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weggerissene Hausgiebel, umgestürzte Fahrzeuge und zahllose Trümmerteile von Dächern und Zäunen zeugen davon, mit welcher Gewalt ein Tornado über die Gemeinde Großheide in Ostfriesland gezogen ist. Wie durch ein Wunder sei niemand verletzt worden, sagte der Feuerwehrsprecher des Kreises Aurich, Manuel Goldenstein, am Dienstag. Mehr als 50 Häuser wurden demnach durch den Wirbelsturm am Montagabend beschädigt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte, dass es sich um einem mittelschweren Tornado handelte.

«Aufgrund von Augenzeugen und Videomaterial kann man eindeutig sagen, es war ein Tornado gestern Abend», sagte der DWD-Tornadoexperte Andreas Friedrich am Dienstag.

Demnach hatte der Wirbelsturm schätzungsweise Drehgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 Stundenkilometern und einen Durchmesser von mehreren Dutzend bis zu 100 Meter. Er wurde als mittelschwer in der Klasse F2 eingestuft - solche Tornados seien in Deutschland vergleichsweise selten, erklärte Friedrich. Jährlich würden im Schnitt insgesamt in Deutschland zwischen 20 bis 60 Tornados nachgewiesen. Zuvor hatten bereits auch andere Wetterseiten im Netz, wie etwa Tornadoliste.de, den Sturm als Tornado eingestuft.

Das Ausmaß der Schäden in der rund 8500 Einwohner zählenden Gemeinde Großheide ließ sich am Dienstag noch nicht voll absehen. Bürgermeister Fredy Fischer berichtete, das Unwetter-Ereignis habe eine Verwüstung hinterlassen, die sich durch den Ortsteil Berumerfehn bis in den angrenzenden Ortsteil Ostermoordorf ziehe. Klar sei bereits, einige Häuser seien nicht mehr reparabel. «Es ist katastrophal», sagte Fischer.

Fünf Häuser sind laut Feuerwehr nicht mehr bewohnbar, da Gebäudeteile durch den Sturm herausgerissen wurden. Die Gemeinde startete noch in der Nacht über Soziale Netzwerke eine Suche nach Ersatzunterkünften für die Menschen ohne Obdach. Zahlreiche Hilfsangebote liefen ein, berichtete Fischer. Die Bewohnerinnen und Bewohner seien dann schließlich aber alle bei Nachbarn untergekommen.

Auch Johann Graver und seine Familie aus Berumerfehn traf der Tornado. Da, wo der Vordergiebel seines Einfamilienhauses mal war, hängen nur noch Reste von Isoliermatten und Holzbalken. Vor Gravers Einfahrt stürzte der Wirbelsturm ein Wohnmobil um. «In dem Moment krachte auch bei uns im Haus alles», sagte Graver. Die Fenster seien aufgeflogen.

Seine 21 Jahre alte Tochter, die sich zum Zeitpunkt des Unwetters im ersten Stock aufhielt, habe geistesgegenwärtig reagiert und Deckung gesucht. «Das ging alles so schnell.»

Neben verwüsteten Vorgärten und abgedeckten Häusern mussten die über 100 Einsatzkräfte umliegender Feuerwehren auch zahlreiche umgeknickte Bäume von Straßen räumen. Dazu rückten auch Firmen aus der Gemeinde mit Treckern und Radladern an.

Nur mit Mühe hätten sich seine Kameradinnen und Kameraden einen Weg zum eigenen Feuerwehrhaus bahnen können, berichtete Feuerwehrsprecher Goldenstein. «Es war ein blankes Chaos, das beseitigt werden musste.» Ein ähnliches Unwetter habe es im Kreis Aurich bislang nicht gegeben. Auch einzelne Gas-, Wasser-, und Stromleitungen wurden durch umgestürzte Bäume beschädigt. Techniker waren im Einsatz, um die Versorgungsleitungen zu sichern.

Niedersachens Innenminister Boris Pistorius dankte in einer Mitteilung den Rettungskräften, Handwerkern und Freiwilligen. «Besonders beeindruckt haben mich die vielen Helferinnen und Helfer, die sofort bereit waren, mit ihren eigenen Geräten Hilfe zu leisten», sagte der SPD-Politiker. «Ich gehe davon aus, dass die, nach jetzigem Stand in erster Linie materiellen Schäden schnell und durch gemeinsames Zupacken behoben und ersetzt werden können.»

Nachdem bereits in der Nacht Einsatzkräfte damit begonnen hatten, erste Sturmschäden zu beseitigen und Gebäude provisorisch zu sichern, liefen am Dienstag die Aufräumarbeiten in vollem Maß an. Bürgermeister Fischer sagte, die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei sehr groß. Es gebe viele Menschen, «die einfach mitanpacken». Dachdecker und Baufirmen waren zur Stelle, um Schäden zu reparieren. Hausbesitzer kehrten Trümmer zusammen.

Allerdings hatten Rettungskräfte und Helfer am Dienstag auch mit Schaulustigen zu tun, die in die betroffenen Ortsteile kamen. Die Gemeinde und Feuerwehrkräfte mussten deswegen Straßen absperren. Bürgermeister Fischer appellierte an die Schaulustigen, nicht an die Einsatzorte zu kommen, damit die Aufräumarbeiten nicht behindert würden.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Sport news

Handball-EM: DHB-Team weiter - Gislason sieht Steigerungspotenzial

People news

Mit 91 Jahren: Designer der Stars: Modeschöpfer Nino Cerruti gestorben

People news

#verlobt: Luca Hänni und Christina Luft zeigen sich mit Verlobungsring

People news

Harry Potter: Rupert Grint: «Ich fühle mich so alt»

Internet news & surftipps

Kommunikation: «Smishing»-Masche: Weiter massenhaft Betrugs-SMS auf Handys

Internet news & surftipps

Software: Über drei Millionen PCs mit unsicherem Windows-System

Auto news

Minimale Mobilität: Fahrzeuge für den Moped-Führerschein

Mode & beauty

Abgelaufene Kosmetika: Wie lange hält sich meine Hautcreme?

Empfehlungen der Redaktion

Panorama

Wirbelsturm: Tornado in Ostfriesland hinterlässt schwere Schäden

Regional niedersachsen & bremen

Gemeinde geht nach Tornado von Millionen Euro Schaden aus

Regional niedersachsen & bremen

Aufräumarbeiten nach Sturm in Ostfriesland laufen an

Regional niedersachsen & bremen

Aurich: 75.000 Euro Spenden für Geschädigte des Tornados

Regional hamburg & schleswig holstein

Schwentinental: Bäume geknickt und Häuser beschädigt

Wetter

Sturmtief: Wirbelsturm richtet schwere Schäden in Schwentinental an

Regional niedersachsen & bremen

Gemeinde verschafft sich Überblick über Sturmschäden

Regional niedersachsen & bremen

Tief Daniel: Schwere Sturmböen über Niedersachsen