Mehr Geringverdiener bei Vollzeitkräften in Niedersachsen

06.01.2022 Voll arbeiten und doch deutlich weniger Geld bekommen als andere - Gewerkschafter weisen immer wieder auf die große Spannweite am Jobmarkt hin. Tarifbindung soll helfen, Ungleichgewichte zu dämpfen. Forscher nun legen eine neue Analyse vor, auch für den Nordwesten.

Eine Frau hält Geldscheine und Münzen in der Hand. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Niedersachsen sind laut Berechnungen von Ökonomen etwas mehr der in Vollzeit arbeitenden Menschen Geringverdiener als im bundesweiten Schnitt. Den zuletzt verfügbaren Daten zufolge waren es vor gut einem Jahr 19,9 Prozent - verglichen mit 18,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in ganz Deutschland, die Ende 2020 mit einem Bruttoarbeitsentgelt von unter 2284 Euro pro Monat über die Runden kommen mussten.

Die Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung basiert auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Gemäß einer gängigen Definition sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hierzulande Geringverdienende, wenn sie weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erhalten. In Bremen war die relative Größe dieser Gruppe mit insgesamt 17,4 Prozent etwas kleiner.

Auf Länderebene erreichte Niedersachsen eine Platzierung ähnlich der Berlins, wo der Anteil der Beschäftigten mit brutto weniger als 2284 Euro Monatsverdienst 19,2 Prozent betrug. Bezogen auf manche andere große Flächenländer wie Baden-Württemberg (13,7 Prozent) oder Bayern (15,3 Prozent) war die Geringverdiener-Quote zum Jahreswechsel 2020/2021 im Nordwesten höher. Ostdeutsche Bundesländer wie Thüringen (32,9 Prozent) oder Mecklenburg-Vorpommern (34,2 Prozent) verzeichneten hierbei allerdings noch deutlich größere Werte.

Zwischen den einzelnen Regionen war die Situation teils sehr unterschiedlich. So arbeiteten auch in niedersächsischen Städten mit hochwertigen Industrie-, Finanz- und Wissens-Jobs wie Wolfsburg (6,4 Prozent) oder Salzgitter (10,2 Prozent) laut WSI vergleichsweise wenige Menschen im unteren Entgeltbereich. Strukturschwächere Gegenden wie Wittmund in Ostfriesland (29,0 Prozent) oder Helmstedt (28,1 Prozent) hatten merklich höhere Anteile der Einkommensgruppe. Ebenso fällt auf, dass die Stadt Bremen allein mit 16,7 Prozent besser abschneidet als Niedersachsen, Bremerhaven (20,6) schlechter.

Überdurchschnittlich häufig beziehen in der Bundesrepublik außerdem Frauen, jüngere Vollzeitbeschäftigte, solche mit ausländischer Staatsangehörigkeit oder Personen ohne Berufsabschluss nur geringe Löhne. Und es gibt weiterhin ein klares West-Ost-Gefälle.

Im direkten Vergleich der Geschlechter mussten Ende 2020 bundesweit 25,4 Prozent der Frauen trotz Vollzeitarbeit mit einem niedrigen Monatseinkommen auskommen, aber nur 15,4 Prozent der Männer. In Niedersachsen war die Spannweite noch größer (30,2 Prozent der Frauen/15,5 Prozent der Männer), in Bremen etwas kleiner (22,7/15,0).

© dpa-infocom GmbH

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