Hoher Corona-Infektionswert: Bremen setzt auf Boostern

10.01.2022 Das kleine Bundesland Bremen lag schon einmal bei den Corona-Infektionen an der Spitze. Das war im November 2020. Nun ist es hier wieder mit Abstand ganz vorn. Experten warnen, Bremen könne bald überall sein.

Ein Mann steht an einem Covid-19-Impfcenter hinter der Bodenaufschrift "Impfen". Foto: Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts der deutschlandweit höchsten Corona-Infektionsrate setzt das Bundesland Bremen auf schnelles Boostern zur Abwehr der besonders ansteckenden Omikron-Variante. Zugleich appellierte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) am Montag an alle Bürgerinnen und Bürger, private Kontakte zu beschränken. «Die aktuelle Situation ist angespannt, und wir müssen alle an einem Strang ziehen, um uns selbst und andere zu schützen.» Bernhard rief dazu auf, Impfangebote zu nutzen und in Innenräumen FFP2-Masken zu tragen.

Der Bremer Höchststand ist nach Einschätzung des Epidemiologen Hajo Zeeb nur ein Vorbote dessen, was überall durch Omikron droht: «Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass das auch in anderen Bundesländern kommt.» Omikron sei «superschwer zu kontrollieren». «Es sucht jedes offene Fensterchen.» Die Krankenhäuser in Bremerhaven führten ein Besuchsverbot ein, das ab Mittwoch gelten soll.

Das Robert Koch-Institut (RKI) vermeldete am Montag für das Land Bremen einen Wert von 1028 bestätigten Neuinfektionen auf 100.000 Menschen in einer Woche; am Sonntag hatte der Wert bei 1032,6 gelegen. In Bremen und Bremerhaven wurden 465 neue Infektionen registriert. Weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gab es auf Montag nicht, die Zahl der Toten seit Beginn der Pandemie blieb bei 613.

Das kleinste Bundesland rechne damit, die Quote von Auffrischungsimpfungen rasch steigern zu können, sagte Bernhards Sprecher Lukas Fuhrmann. Es sei wichtig, «dass wir aufs Impfen und aufs Boostern setzen», hatte auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dem Deutschlandfunk am Samstag gesagt. «Bremen wird als erstes Bundesland von der Omikron-Welle in vollster Wucht getroffen.»

Dort haben nach RKI-Angaben bis Montag 46,5 Prozent der Bevölkerung eine Booster-Impfung bekommen. Das ist weniger als beim Spitzenreiter Saarland (51,7 Prozent), aber mehr als der bundesweite Durchschnitt von 42,9 Prozent. Bei Menschen mit einem vollständigen Grundschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze liegt Bremen seit langem vorn und hat eine Quote von 84,2 Prozent.

Angesichts der Infektionswelle trat in Bremen am Montag eine neue Warnstufe vier in Kraft. Sie sieht unter anderem vor, dass Gastronomie, Kultur oder Sporteinrichtungen nur von vollständig Geimpften oder Genesenen mit zusätzlichem Test genutzt werden können (2G plus). Ausgenommen sind Menschen, deren Zweit- oder Auffrisch-Impfung erst kurz zurückliegt.

Das Gesundheitsressort wolle nicht spekulieren, warum Omikron Bremen als erstes treffe, sagte Fuhrmann. Es sei kein Zusammenhang mit den Niederlanden belegt. Eine These ist, dass die Nähe zu belasteten Nachbarländern wie Dänemark oder den Niederlanden bei der Ausbreitung von Omikron eine Rolle spielen könnte. Dafür könnte sprechen, dass die Zahlen auch in Schleswig-Holstein und Hamburg steigen. Professor Zeeb, Abteilungsleiter für Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen, schloss diesen Zusammenhang nicht aus.

Fuhrmann wollte auch nicht spekulieren, ob Großveranstaltungen wie der Bremer Freimarkt im Herbst oder der Weihnachtsmarkt zum Anstieg der Infektionen beigetragen haben. Bremen habe auch im November 2020 zu Beginn der zweiten Corona-Welle für einige Tage die höchste Infektionsrate gehabt, erinnerte er.

Bremen sei vergleichsweise gut durch die dritte Corona-Welle mit der Delta-Variante des Erregers gekommen, sagte Zeeb. Dementsprechend locker seien die Maßnahmen gewesen. Nun verbreite sich Omikron, aber es komme in den Ländern langsamer voran, in denen die Kontaktbeschränkungen schon wegen Delta besonders weit gingen.

Die derzeitigen Ansteckungen in Bremen verteilen sich nach dem Wochenbericht des Gesundheitsreossrts gleichmäßig über alle Stadtteile. Zum Jahreswechsel häuften sich die Infektionen vor allem bei den 20- bis 39-Jährigen. In zweiter Linie waren Kinder und Jugendliche sowie die Altersgruppe von 40 bis 59 Jahren betroffen.

© dpa-infocom GmbH

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