Anstieg im neuen Jahr: Geldautomatensprenger machen ernst

28.01.2022 Ein Knall, riesige Zerstörungen und Täter, die wie der Blitz verschwinden: In Niedersachsen nahm allein im noch kurzen neuen Jahr die Zahl der Geldautomatensprengungen deutlich zu. Dabei meint das Landeskriminalamt: Dagegen wäre ein Kraut gewachsen.

Splitter und ein Schild mit der Aufschrift «Geldautomat» liegen auf dem Fußboden. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es dauert in der Regel nur ein paar Minuten, richtet enorme Schäden an und das Risiko der Täter ist gering: Automatensprenger haben es zunehmend auf Geldautomaten in Niedersachsen abgesehen. Allein im laufenden Jahr 2022 bis zum Stichtag 28. Januar gab es landesweit zwölf Geldautomatensprengungen, wie die Sprecherin des Landeskriminalamts Niedersachsen, Katrin Gladitz, am Freitag sagte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es dagegen nur eine Tat gegeben. Am frühen Freitagmorgen sprengten Unbekannte einen Geldautomaten in Edemissen im Landkreis Peine - und richteten dabei massive Schäden an.

Ein Polizeisprecher sagte, das Gebäude der Bankfiliale sei schwer beschädigt, aber nicht einsturzgefährdet. Die Explosion zerstörte den großflächig verglasten Schalterraum, die Schadenssumme dürfte nach Einschätzung der Behörde «erheblich» sein. Ob die Täter Beute mitnahmen, war zunächst unklar. Anwohner waren von der Detonation geweckt worden, ersten Ermittlungen zufolge waren drei bis vier Täter in der Bank. Wenig später flüchteten sie in einem dunklen Wagen.

Auch in der ostfriesischen Gemeinde Holtland im Landkreis Leer sprengten Unbekannte vor wenigen Tagen einen Geldautomaten in einer Bankfiliale - und flüchteten danach. Kurz vorher war etwa im Landkreis Ammerland ein Geldautomat ebenfalls in einer Bankfiliale gesprengt worden. Auch in Wolfsburg schlugen bislang unbekannte Täter zu und sprengten zwei Geldautomaten einer Bank. Außerdem kam es an einem Automat in Peine zu einer Explosion. Die Täter entkamen.

Trotz des deutlichen Anstiegs bei Automatensprengungen im laufenden Jahr lagen die Zahlen in den vergangenen vier Jahren auf «ziemlich gleichbleibendem» Niveau, wie Gladitz sagte. Demnach gab es im Gesamtjahr 2021 insgesamt 55 Taten, davon 27 vollendet. 2020 waren es 45 Sprengungen, davon 19 vollendet, 2019 waren es ebenfalls 45 Taten, davon wurden 16 vollendet - die Diebe nahmen also Beute mit. 2018 waren es 54 Taten, davon 17 vollendet. Von den 12 Automatensprengungen im laufenden Jahr wurden 7 vollendet.

Die LKA-Sprecherin erklärte, bundesweit würden etwa 60 bis 80 Prozent der Geldautomatensprengungen niederländisch-marokkanischen Banden aus dem Raum Utrecht und Amsterdam zugerechnet. Diese reisten meist mit hochmotorisierten Fahrzeugen nach Deutschland ein und kehrten nach der Tat in die Niederlande zurück. Niederländische Behörden gehen demnach von einem Täterpotenzial von mehreren Hundert Menschen aus - die hochprofessionell agieren, nachts zuschlagen und selten länger als drei bis fünf Minuten brauchen. Daher sei das «Entdeckungs- und Festnahmerisiko» gering, während sich ein erfolgreicher Angriff auf einen Geldautomaten lohnen dürfte.

Wie lassen sich Fälle gesprengter Geldautomaten reduzieren - und das möglichst deutlich? Weniger Tatgelegenheiten, weniger Tatanreize, urteilt die LKA-Sprecherin. So könne beispielsweise die Zahl der Automaten verringert werden - oder auch der Bargeldbestand in den einzelnen Automaten, empfiehlt die Polizei. Auch könnten Einfärbe- und Verklebungssysteme, Antigasvorrichtungen, Vernebelungstechniken oder hochauflösende Überwachungskameras installiert werden. Freistehende oder in Hauswänden eingebaute Automaten könnten abgebaut werden, um Gefahren für Unbeteiligte zu verringern.

Allerdings reagierten auch die Täter auf verschärfte Sicherheitsmaßnahmen der Geldinstitute, betonte die Sprecherin. So sprengen die Kriminellen demnach Geldautomaten oftmals nicht mehr mit Gas - sondern immer öfter mit sogenanntem Festsprengstoff. Dieser sei noch schwerer zu kontrollieren als ein Gasgemisch. Daher hätten die Schäden an Gebäuden zugenommen - und auch die Verletzungsgefahr für Unbeteiligte steige. Von den bisher zwölf Sprengungen 2022 seien zehn mit Festsprengstoff erfolgt.

© dpa-infocom GmbH

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