Mann gequält und ausgesetzt: Opfer erkannte einen der Täter

09.12.2021 In einer Art Selbstjustiz sollen eine Frau und drei Männer einen Nachbar gequält und zum Sterben in einen Bunker gestoßen haben. Das Opfer überlebte knapp. Im Prozess brach er zusammen. Doch ein Ermittler sprach für ihn.

Die Justitia ist an einer Scheibe zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Zusammenhang mit der schweren Misshandlung eines Mannes in Lärz (Mecklenburgische Seenplatte) hat das Opfer einen Angeklagten auf Fotos wiedererkannt. Das berichtete der Hauptermittler der Polizei als Zeuge in dem Prozess am Landgericht Neubrandenburg am Donnerstag. Durch diesen Hinweis und einen Brief sei die Polizei später auf die Spur der 26-jährigen Hauptangeklagten und ihrer drei mutmaßlichen Mittäter gekommen. Die Anklage wirft der Frau und den drei Männern versuchten Mord und Freiheitsberaubung vor. Die 26-Jährige aus Lärz soll die Männer im Februar 2021 dazu angestiftet haben. Alle Angeklagten haben vor Gericht bisher geschwiegen.

Das 39-jährige Opfer war in seiner Wohnung überfallen, in eine Wanne gesetzt, dort misshandelt und gequält worden. So wurden dem Mann mit einem Cuttermesser die Haare gekürzt und Zeichen in die Haut geritzt. Die Gruppe soll ihn danach zu einem Ex-Militärgelände bei Wesenberg gebracht, ihm Drogen eingeflößt und zum Sterben in einen Bunkerschacht gestoßen haben. Das Opfer konnte sich aber wider Erwarten retten.

Der Brief war im Frühjahr anonym bei der Polizei in Rostock abgegeben worden, sagte der 53-jährige Ermittler. Zuvor habe die Angeklagte Verwandten von dem Racheakt erzählt. Eine Verwandte habe den Brief aus Sorge um die kleinen Kinder der 26-Jährigen geschrieben, da bei ihr Drogen konsumiert würden. Später ermittelte die Polizei die Verfasserin.

Im Prozess konnte das 39-jährige Opfer am Donnerstag nicht viel zur Aufklärung beitragen. Zwar wurde seine Vernehmung über Kameras eingespielt, da der Mann immer noch unter psychischen und gesundheitlichen Probleme leidet. Trotzdem brach der 39-Jährige nach kurzer Zeit in dem Extrazimmer zusammen und kam in eine Klinik. Nun soll die Vernehmungsfähigkeit genau untersucht werden.

Die Angeklagten schweigen bisher vor Gericht zu den Vorwürfen. Die 26-Jährige hatte als Motiv laut Anklage geäußert, dass der 39-Jährige ihren kleinen Sohn sexuell missbraucht habe. Beweise dafür gibt es laut Staatsanwaltschaft aber nicht. Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt, ein Urteil wird im Februar 2022 erwartet.

© dpa-infocom GmbH

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