Afrikanische Schweinepest: 4000 Schweine werden getötet

16.11.2021 Das seit längerem Befürchtete ist eingetreten: Die Afrikanische Schweinepest ist nun auch in MV - in einem Mastbetrieb im Landkreis Rostock - ausgebrochen. Die Behörden hoffen, dass es bei diesem einen Fall bleibt.

Schweine liegen in der Bucht eines Schweinestalls. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in einem Mastbetrieb mit 4000 Tieren im Landkreis Rostock hat hektische Betriebsamkeit bei den Behörden und gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) und dem Bund zur Folge. Bis zum Wochenende sollen alle Tiere des betroffenen Betriebes getötet und entsorgt werden, wie Backhaus am Dienstag in Schwerin sagte.

Der Landkreis wies einen Sperr- und einen Beobachtungsbezirk um den Hof mit einem Radius von drei beziehungsweise zehn Kilometern aus. Schweine dürfen aus dem Bezirk nur herausgebracht werden, wenn sie eingehend untersucht worden sind, wie Backhaus sagte. In dem Bereich gibt es nach seinen Worten acht Betriebe mit Schweinehaltung, darunter drei größere. Einer davon sei der betroffene Betrieb mit 4038 Tieren. Die Gesamtzahl der Hausschweine im Sperr- und Beobachtungsgebiet nannte der Minister auch auf Nachfrage nicht.

Am Montagabend hatte das Friedrich-Loeffler-Institut als Referenzlabor des Bundes bestätigt, dass Schweine in dem Betrieb an der Afrikanischen Schweinepest verendet waren. Noch ist unklar, wie das Virus in den Stall gelangen konnte. «Wir tappen da noch im Dustern», sagte Backhaus. Die Ursachensuche sei angelaufen und werde mit hoher Priorität betrieben. Zugleich werde in dem Gebiet verstärkt nach möglicherweise infizierten Wildschweinen gesucht, wofür es eigens ausgebildeten Hunde gebe.

Wildschweine gelten als Überträger der Afrikanischen Schweinepest. In den vergangenen zwei Jahren sei kein einziger Fall entdeckt worden; mehr als 800 Wildschweine in dem Landkreis wurden demnach untersucht. Der Geschäftsführer des Hybridschweinezuchtverbandes Nord/Ost, Robert Langas, sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe nach den Fällen in Brandenburg und Sachsen zwar mit einem Ausbruch der Tierseuche bei Wildschweinen rechnen müssen. Er sei aber überrascht, dass die Seuche zuerst bei Nutztieren in der Mitte des Bundeslandes aufgetreten sei.

Um ein Einschleppen aus Polen, wo die für die Tiere tödliche, aber für den Menschen ungefährliche Seuche grassiert, zu verhindern, hatte MV wie auch andere Regionen entlang der Grenze einen Zaun gebaut. Auch die beiden anderen Bundesländer an der Grenze, Brandenburg und Sachsen, haben ASP-Fälle.

Jetzt sei es vor allem wichtig, den Ausbruch möglichst auf den einen Fall zu begrenzen, sagte Backhaus. An die Schlachthöfe mit Lieferbeziehungen aus Mecklenburg-Vorpommern - Backhaus nannte Unternehmen in Kellinghusen (Schleswig-Holstein), Perleberg (Brandenburg) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) - appellierte der Minister, weiter Tiere aus MV anzunehmen und zu schlachten. Viele Staaten, darunter China, importieren keine Schweine oder Schweinefleisch aus Ländern beziehungsweise Regionen mit der Afrikanischen Schweinepest.

Backhaus kritisierte die ASP-Politik in Deutschland. Ihm sei unverständlich, dass noch immer kein wirksamer Impfstoff gegen die Tierseuche auf dem Markt sei. «Es sind ja nur Tiere», sagte er. «Bei Corona geht das alles.» Konkret kritisierte Backhaus die geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). «Wenn wir diese Situation in Nordrhein-Westfalen oder in Niedersachsen gehabt hätten, wäre wahrscheinlich schon viel mehr passiert.» Auch beim Bau des ASP-Schutzzaunes zu Polen habe es keinerlei Unterstützung von Seiten des Bundes gegeben, ebenso gebe es keine zentrale Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen. «Ich bin wirklich verbittert», sagte Backhaus.

Das Bundesagrarministerium wies die Vorwürfe zurück. Der ASP-Beauftragte Uwe Feiler sagte, es liege in der Verantwortung von Backhaus als Landesagrarminister, darauf zu achten, dass die Landwirte alle Maßnahmen ergreifen, um den Eintrag des Virus in die Ställe zu verhindern. Das Bundesagrarministerium unterstütze die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Afrikanische Schweinepest. «Das ASP-Virus ist komplexer als das Corona-Virus», gab Feiler zu bedenken. Die Entwicklung sei deshalb langwieriger und könne auch mit mehr Geld nicht erzwungen werden. Zudem gebe es einen Krisenstab beim Bundesministerium, der die Bekämpfungsmaßnahmen koordiniere.

Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisierte das Fehlen eines Impfstoffs. «Hätte die Politik die ASP so ernstgenommen wie Corona und ausreichend Geld in die Impfstoffforschung investiert, dann wären wir jetzt deutlich weiter», erklärte Präsident Thomas Schröder. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace ist der Ausbruch in MV mit 4000 betroffenen Schweinen der bisher größte in Deutschland. Massentierhaltung erhöhe die Seuchengefahr.

© dpa-infocom GmbH

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