Bätzing sieht bei Bischöfen deutliche Mehrheit für Reformen

Die katholischen Bischöfe in Deutschland sind gespalten in Erneuerer und Traditionalisten. Für den Vorsitzenden Georg Bätzing steht jedoch fest, dass die Reformer klar in der Mehrheit sind.

Zu Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda hat der Vorsitzende Georg Bätzing die katholischen Oberhirten auf liberale Reformen eingeschworen.

«Immer nur Nein stimmen ist sicher nicht der richtige Weg», sagte der Limburger Bischof am Montag mit Blick auf das Scheitern einer wichtigen Reforminitiative zur katholischen Sexualmoral. Bei der vierten Synodalversammlung der deutschen Katholiken Anfang dieses Monats in Frankfurt/Main hatte der grundlegende Text die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe verfehlt.

Der dem konservativen Lager zugerechnete Bischof Stefan Oster hatte daraufhin im «Passauer Bistumsblatt» erklärt, die unterschiedlichen Positionen zu den angestrebten Reformen erschienen ihm «inzwischen kaum mehr versöhnbar». Bätzing sagte dazu: ««Unversöhnt» - ich sag das noch einmal: Wenn der Bischof Oster das sagt - jeder muss sich am eigenen Schopf greifen und sagen: «Wo kann ich denn auf andere zugehen?»»

Bätzing: «Es braucht Reformen»

Bätzing räumte ein, dass es unter den 69 Bischöfen eine konservative Minderheit gebe, die Reformen nicht mittrage. «Diese Differenzen gehen schon viel weiter zurück. Das ist nichts Neues.» Eine «sehr deutliche Mehrheit» von zwei Drittel bis drei Viertel der Bischöfe unterstütze den Reformkurs jedoch. Diese Mehrheit sage ausdrücklich: «Wir müssen uns bewegen. Es braucht Reformen, und diese Reformen dürfen vor der Lehre nicht halt machen.»

In diesem Zusammenhang kritisierte Bätzing auch Traditionalisten im Vatikan, die den deutschen Reformern vorwerfen würden, nur einem liberalen Zeitgeist hinterherzulaufen. Auch angesichts des Rechtsrucks bei der Parlamentswahl in Italien - für Bätzing «eine echte Gefahr für das Zusammenhalten in Europa» - frage er sich, ob dies wirklich noch der Zeitgeist sei: «Ist das überhaupt noch Liberalität, Diversität, Pluralität, der wir uns annähern müssen als Kirche, oder sind es nicht genau andere Zeichen, die heute für einen Zeitgeist stehen, dem wir gewaltig wehren müssen? Ich nenne autoritäres Verhalten, autokratisches Regieren, Demokratie-Kritik bis hin zur Demokratiefeindlichkeit. Das ist doch scheinbar der Zeitgeist, der heute aufkommt. Und wenn ich so manche Stimme aus Rom höre, dann glaube ich, sie sollten sich um diesen Zeitgeist einmal kümmern.»

Reformprozess Synodaler Weg

Mit dem seit 2019 laufenden Reformprozess Synodaler Weg streben die deutschen Katholiken Reformen in den Bereichen katholische Sexualmoral, Position der Frau in der Kirche, Umgang mit Macht und priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat) an. Der Vatikan verfolgt diese Erneuerungsversuche äußerst kritisch und hat vor einiger Zeit klargestellt, dass die Deutschen «nicht befugt» seien, die Leitungsstrukturen oder gar die Lehre der Kirche zu verändern.

Bätzing sagte, das Scheitern des Textes zur katholischen Sexualmoral bekomme in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit sehr viel Aufmerksamkeit. Dies sei aber bisher der einzige Text, der bei der Synodalversammlung keine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe bekommen habe. «Alle anderen eingebrachten Empfehlungen haben bis heute diese Mehrheit gefunden.»

Bätzing kündigte zudem an, dass die weitere Aufarbeitung des Skandals um vielfachen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche auf ein breiteres Fundament gestellt werden solle. Dafür suche man «mehr Beteiligung über die Expertise der Deutschen Bischofskonferenz hinaus» - Betroffene sollten ebenso stärker einbezogen werden wie Expertinnen und Experten. Der bisherige Missbrauchsbeauftragte, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat angekündigt, sein Amt nach zwölf Jahren aufgeben zu wollen.

Zu der Neuausrichtung gehöre auch, «dass wir Personen finden aus der Bischofskonferenz, die jetzt in Nachfolge für Stephan Ackermann für dieses Thema stehen», sagte Bätzing. Ackermann verdiene «höchsten Respekt für das, was er in den vergangenen zwölf Jahren geleistet habe «in einer enormen Drucksituation».

Die Reformbewegung «Wir sind Kirche» appellierte am Montag an die Bischöfe, sich Reformen nicht weiter zu verschließen. «Sind sich die deutschen Bischöfe und Weihbischöfe bewusst, dass sie durch ihr Handeln oder Nichthandeln eine wesentliche Verantwortung tragen für das Weiterbestehen des Christentums in unserem Land und in unserer Kultur?», fragte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner. Allein im vergangenen Jahr hatten in Deutschland 359 338 Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt, so viele wie noch nie.

© dpa
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