Lauterbach: «Mir hat Schröder offen gesagt leid getan»

Altkanzler Gerhard Schröder versuchte sich als Vermittler im Ukraine-Krieg. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht mit seinem Parteikollegen hart ins Gericht. Der ganze Auftritt grenzte ans Peinliche, sagt er.
«Ich habe ihn mal sehr geschätzt, das ist aber schon lange her», sagt Karl Lauterbach über Ex-Kanzler Gerhard Schröder. © Kay Nietfeld/dpa

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Vermittlungsversuche von Altkanzler Gerhard Schröder im Ukraine-Krieg als naiv bezeichnet.

«Also wenn jemand wie (Russlands Präsident Wladimir) Putin einen Krieg macht, da wird er nicht sagen: «Oh Gerd, jetzt, wo du das sagst, ich denk nochmal drüber nach, vielleicht mach ich jetzt hier mal langsam»», sagte Lauterbach in der ARD-Dokumentation «Konfrontation», die gestern Abend ausgestrahlt wurde. «Mir hat Gerhard Schröder offen gesagt leid getan. Weil er hier eine Naivität an den Tag gelegt hat. Der ganze Auftritt grenzte ans Peinliche. Fremdschämen ist ein Begriff, der einem da in den Kopf kommt», so Lauterbach.

«Ich habe ihn mal sehr geschätzt, das ist aber schon lange her. Er war wirklich ein Altkanzler, der viel aus dem, was er gemacht hat, als Staatsmann hätte machen können - aber er hat quasi alles verloren», sagte Lauterbach über Schröder. «Ihm ist es gelungen, als Altkanzler jetzt an der Grenze zu einer Witzfigur unterwegs zu sein.» Von seinem früheren Prestige sei nichts übrig geblieben. «Man wird ihn nicht als Kanzler in Erinnerung haben - sondern als jemanden, der zum Schluss an der Grenze zum Lächerlichen unterwegs war», so Lauterbach.

SPD-Ultimatum läuft ab

Unterdessen wartet die SPD noch immer auf eine Antwort von Schröder, auf seinen Posten bei russischen Staatsunternehmen zu verzichten. Nach Angaben von SPD-Chef Lars Klingbeil hat der Altkanzler bislang nicht auf die Forderung der Parteispitze reagiert.

Auf die Frage, ob Schröder den entsprechenden Brief beantwortet habe, sagte Klingbeil dem Nachrichtenportal «t-online»: «Nein, bisher nicht.» Klingbeil betonte: «Wir haben uns politisch klar distanziert.» Derzeit laufe ein Parteiordnungsverfahren gegen Schröder. «Wir alle hätten uns gewünscht, dass sich Gerhard Schröder spätestens mit Kriegsbeginn auf die richtige Seite der Geschichte stellt. Er hat sich für die falsche Seite entschieden.»

Klingbeil und die Co-Vorsitzende Saskia Esken hatten Schröder in einem Brief ultimativ dazu aufgefordert, die Posten niederzulegen. Klingbeil hatte Anfang März gesagt, man erwarte eine «zeitnahe» Antwort. Konkret geht es um Tätigkeiten bei dem Erdgas-Pipeline-Unternehmen Nord Stream 1 und 2 sowie dem russischen Ölkonzern Rosneft, wo er Aufsichtsratschef ist. Zudem soll Schröder einen Aufsichtsratsposten für Gazprom übernehmen. Der frühere SPD-Vorsitzende und Kanzler steht seit langem wegen seiner Verbindungen nach Russland in der Kritik - nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nahm der Druck auf ihn immer weiter zu. Er gilt als langjähriger Freund von Präsident Wladimir Putin.

© dpa
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