Plagiatsvorwürfe gegen neuen CSU-Generalsekretär Huber

08.05.2022 Der neue CSU-Generalsekretär Martin Huber ist keine zwei Tage im Amt, da hat er schon die erste Krise an der Backe. Es geht um seine Dissertation.

Der neue CSU-Generalsekretär Martin Huber. © Peter Kneffel/dpa

CSU-Generalsekretär Martin Huber will seine Dissertation erneut von der Universität überprüfen lassen - im Raum stehen Plagiatsvorwürfe. «Meine Doktorarbeit wurde von mir nach bestem Wissen und Gewissen erstellt», teilte Huber am Sonntag mit.

«Dennoch bitte ich aus Gründen der Transparenz die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Arbeit erneut zu überprüfen.» Zuvor hatte die «Bild am Sonntag» darüber berichtet. Hintergrund sind Vorwürfe des Plagiatsforschers Jochen Zenthöfer, der in der «Bild am Sonntag» von Zitaten ohne oder mit falscher Quellenangabe in der Dissertation sprach.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Zenthöfer, die Maßstäbe des guten wissenschaftlichen Arbeitens seien in der Dissertation nicht eingehalten worden. Die Fehler gingen über einzelne Fehler bei der Zitierweise hinaus. Es sei ein Stadium erreicht, an dem die Universität die Arbeit überprüfen müsse. Aber es sei auch noch nicht das Stadium erreicht, in dem man sagen müsse: «Da ist der Doktorgrad auf jeden Fall weg.»

Eine Sprecherin der Universität bestätigte am Sonntag, dass Hubers Bitte um erneute Überprüfung eingegangen ist. Wie diese Prüfung genau abläuft, ist demnach noch nicht klar. Das wolle man in den kommenden Tagen intern klären, hieß es.

Problem bei den Quellenangaben

Der FDP-Fraktionschef im Landtag, Martin Hagen, sagte der «Bild am Sonntag»: «Bis zum Abschluss dieses Verfahrens sollte er seinen Doktortitel freiwillig ruhen lassen».

Huber hatte 2007 eine Arbeit mit dem Titel «Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954-1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA» vorgelegt. Am Sonntag sagte er: «Mehr als 20 Seiten Literaturverzeichnis und mehr als 600 Fußnoten belegen die Quellenarbeit.»

Zenthöfer, der auch als Wissenschaftsjournalist arbeitet, hat die Arbeit eigenen Angaben zufolge bislang noch nicht systematisch Seite für Seite überprüft. Seine vollständige Analyse wolle er der LMU zur Verfügung stellen, kündigte er an.

Er sagte, ein häufiges Muster Hubers sei, zwar sehr wohl einen Satz mit einer Quellenangabe zu versehen, davor oder danach aber weitere Passagen zu übernehmen und nicht mehr konkret nachzuweisen, dass es sich um fremde Gedanken handle. «Dazu wäre er aber verpflichtet.»

Huber ist seit zwei Tagen im Amt

Huber war erst am Freitag als CSU-Generalsekretär vorgestellt worden. Der 44 Jahre alte Landtagsabgeordnete übernahm den Posten von Stephan Mayer, der nach nur gut zwei Monaten im Amt seinen Rücktritt erklärt hatte.

Die Dissertation nahm sich Zenthöfer eigenen Angaben zufolge nicht erst nach Hubers Vorstellung vor. Er habe sich im Rahmen einer Recherche für ein Buch, das Ende Mai erscheint, die Arbeiten mehrerer Politiker - darunter die Dissertation Hubers - angeschaut und sei dann aktiv geworden. «Es wundert mich, dass die CSU das vorher nicht überprüft hat», sagte er.

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch sah in der Sache auch CSU-Chef Markus Söder in der Pflicht. Aufgabe des Parteivorsitzenden sei, «auf «Herz und Nieren» zu prüfen und sowohl die Partei als auch potenzielle Kandidaten davor zu schützen, dass nachher etwas ans Licht kommt, was peinlich werden könnte - für die Person und vor allem auch für die Partei», sagte sie der «Passauer Neuen Presse».

© dpa

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